Der Physiker und Nobelpreisträger David Gross hat eine heikle Debatte über die globalen Risiken für die Menschheit neu entfacht. In einem Interview mit Live Science erörtert er eine statistische Abschätzung der nuklearen Gefahr und deren langfristige Folgen. Seine Analyse basiert nicht auf Prophezeiungen, sondern auf einer Wahrscheinlichkeitsberechnung, die auf die aktuellen internationalen Spannungen angewendet wird.
Ein geschätztes jährliches Risiko von 2 % für eine nukleare Katastrophe
David Gross liefert eine bemerkenswerte Schätzung: die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs liegt bei etwa 2 % pro Jahr, also „eins zu 50 pro Jahr“. Er erklärt dies im Detail:
„Es gab eine Schätzung, wonach die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs jedes Jahr bei 1 % liegt… Ich halte die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit eher bei 2 % liegt, für keine verlässliche Schätzung. Das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 50 pro Jahr. Die erwartete Lebensdauer beträgt bei einer Wahrscheinlichkeit von 2 % pro Jahr etwa 35 Jahre.“
Auf Französisch: „Die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs wurde jährlich auf 1 % geschätzt… Ich halte es für weniger präzise, diese Wahrscheinlichkeit auf 2 % zu schätzen, also auf 1 zu 50 pro Jahr. Die prognostizierte Lebensdauer beträgt bei einer Rate von 2 % pro Jahr etwa 35 Jahre.“ Anders ausgedrückt: Wenn dieses Risikoniveau konstant bliebe, würde es innerhalb weniger Jahrzehnte erheblich werden.
Eine statistische Schlussfolgerung: in diesem Szenario etwa 35 Jahre.
Aus diesem Modell leitet der Physiker eine Lebenserwartung der Menschheit von etwa 35 Jahren in diesem theoretischen Szenario ab. Es handelt sich dabei nicht um ein vorhergesagtes Enddatum, sondern um ein mathematisches Ergebnis, das auf der Akkumulation jährlicher Wahrscheinlichkeiten beruht. Diese Prognose soll die Ernsthaftigkeit eines zwar geringen, aber wiederkehrenden Risikos im Laufe der Zeit verdeutlichen.
Mehrere Bedrohungen jenseits der Atomkraft
David Gross beschränkt sich in seiner Argumentation nicht auf die Kernenergie. Er erwähnt auch:
- die Schwächung internationaler Rüstungskontrollabkommen
- der Anstieg der geopolitischen Spannungen
- und die Risiken, die mit fortschrittlichen Technologien, einschließlich künstlicher Intelligenz, verbunden sind.
Seiner Ansicht nach würden diese Faktoren in Kombination die allgemeine Instabilität erhöhen.
Ein umstrittenes Modell innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft
Obwohl diese Art von Berechnung Aufmerksamkeit erregt, ist sie weiterhin Gegenstand von Diskussionen. Viele Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es sich um ein theoretisches Risikomodell handelt, das auf Annahmen beruht, die schwer präzise zu messen sind. Diese Schätzungen dienen eher dazu, Größenordnungen zu veranschaulichen, als einen konkreten Zeitrahmen vorherzusagen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass David Gross mit seinem angenommenen Risiko von 2 % pro Jahr und einer Prognosedauer von etwa 35 Jahren in diesem Szenario kein Datum für das Ende der Menschheit nennt, sondern vielmehr vor einer Anhäufung globaler Risiken warnt. Seine Analyse unterstreicht vor allem einen zentralen Gedanken: Selbst wenn bestimmte Gefahren isoliert betrachtet geringfügig erscheinen, gewinnen sie an Bedeutung, wenn sie über einen längeren Zeitraum anhalten.
