„Zu dick“: Dieses Plus-Size-Model wird wegen ihrer Kurven kritisiert und entfacht damit die Debatte um Fettphobie neu.

Frauenkörper werden weiterhin kommentiert, analysiert und beurteilt – selbst die internationaler Modeikonen. Die jüngste Kritikwelle gegen Ashley Graham beweist dies: Trotz der Fortschritte der Body-Positivity-Bewegung ist Fatphobie nach wie vor tief in unserem Denken verankert.

Ashley Graham, eine Pionierin inklusiverer Mode

Seit über einem Jahrzehnt gilt Ashley Graham als eine der führenden Stimmen für Körpervielfalt in der Modebranche. 2016 schrieb sie Geschichte, indem sie als erstes Plus-Size-Model das Cover der Sports Illustrated Swimsuit Issue zierte. Ein starkes Symbol in einer Branche, die lange von extrem schlanken Figuren dominiert wurde.

Auf den Laufstegen, während der Fashion Weeks und auf dem roten Teppich vertritt sie eine einfache, aber kraftvolle Idee: Jeder Körpertyp hat seinen Platz. Kurvige Figuren, breite Hüften, ein flacher Bauch, runde Arme – nichts sollte versteckt oder korrigiert werden. Ihre Botschaft ist klar: Schönheit hat nichts mit Konfektionsgröße zu tun, sondern mit Ausstrahlung. Und im Laufe der Jahre hat sie sich immer wieder für Selbstakzeptanz, den Druck, Schönheitsidealen zu entsprechen, und die Notwendigkeit eingesetzt, die Vielfalt der Körper abzubilden. Eine engagierte Stimme in einer Welt, in der das Aussehen immer noch alles bestimmt.

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Eine Flut von Kommentaren über ihre Figur

Kürzlich lösten Fotos des Models in den sozialen Medien eine Welle von Reaktionen aus. Einige Internetnutzer kritisierten ihre „übermäßigen Kurven“, während andere bestimmte Körperteile verspotteten.

Diese Art von Bemerkung fällt unter das sogenannte Fatshaming: Spott oder Diskriminierung aufgrund des Gewichts. Dieses Phänomen ist in zahlreichen sozialwissenschaftlichen Studien belegt, die zeigen, dass Menschen, die als „übergewichtig“ wahrgenommen werden, häufiger öffentlicher Verurteilung ausgesetzt sind – insbesondere Frauen.

Laut Weltgesundheitsorganisation kann die Stigmatisierung von Übergewicht jedoch erhebliche psychische Folgen haben: Angstzustände, Depressionen und ein vermindertes Selbstwertgefühl. Das Problem beschränkt sich daher nicht auf einige wenige unangebrachte Bemerkungen. Es betrifft die psychische Gesundheit und den grundlegenden Respekt vor dem Einzelnen.

Anhaltende Fettphobie in der Mode

Obwohl die Körpervielfalt in einigen Werbekampagnen und auf manchen Laufstegen durchaus Fortschritte macht, bleiben die vorherrschenden Schönheitsideale weiterhin stark. In den letzten Jahren haben mehrere Beobachter ein deutliches Wiederaufleben extremer Schlankheit in bestimmten Bereichen der Mode festgestellt, das durch ästhetische Trends und Diskussionen um Gewichtsabnahmebehandlungen befeuert wird.

In diesem Kontext gewinnt Ashley Grahams Sichtbarkeit eine besondere Bedeutung. Sie verkörpert eine Alternative zu einengenden Normen und erinnert uns daran, dass kurvige, wohlgeformte, üppige oder kraftvolle Körper kein „Trend“, sondern Realität sind. Auch andere Models wie Laetitia Casta haben über den Wandel der Schönheitsideale und den Druck gesprochen, dem Models im Laufe der Jahrzehnte ausgesetzt waren. Die Mode ändert sich, die Anforderungen bleiben.

Wenn Kritik auch von Frauen kommt

Ein auffälliges Element dieser Episode: Einige der negativen Kommentare stammten von anderen Frauen. Diese Beobachtung wirft Fragen auf: Sind Schlankheitsideale so tief verwurzelt, dass sie Vergleiche und Rivalität schüren und dabei die Solidarität verdrängen? Fatphobie ist nicht allein das Werk böswilliger Einzelpersonen. Sie ist in einem kulturellen System verankert, das bestimmte Körperformen wertschätzt und andere unsichtbar macht. Die Dekonstruktion dieser Systeme erfordert Zeit, Bewusstsein und einen echten gemeinsamen Willen.

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Eine Debatte, die über die Podien hinausgeht.

Es geht nicht nur um Mode. In vielen Ländern prangern Organisationen gewichtsbezogene Diskriminierung in den Bereichen Beschäftigung, Gesundheitswesen und Medien an. Eine 2019 in The Lancet Public Health veröffentlichte Studie hob hervor, dass „Gewichtsstigmatisierung die allgemeine Gesundheit beeinträchtigen kann, unabhängig vom Body-Mass-Index“. Die Forscher plädierten für eine Unterscheidung zwischen „öffentlicher Gesundheit und moralischer Beurteilung“.

Letztendlich erinnert uns Ashley Graham mit ihren Posen, Laufstegauftritten und ihrer Stimme daran, dass keine Körperform Gegenstand von Spott sein sollte. Ihr Körper ist nicht Gegenstand öffentlicher Debatten: Er gehört ihr. Auch wenn sich Schönheitsideale weiterentwickeln, zeigen die Reaktionen auf sogenannte „nicht-standardmäßige“ Figuren, dass noch ein langer Weg zu gehen ist. Jede Aussage, jede selbstbewusste Darstellung trägt daher dazu bei, den Spielraum zu erweitern und eine grundlegende Wahrheit zu bekräftigen: Dein Körper verdient in all seiner Einzigartigkeit Respekt und Sichtbarkeit.

Fabienne Ba.
Fabienne Ba.
Ich bin Fabienne, Autorin für die Website „The Body Optimist“. Ich bin begeistert von der Kraft der Frauen und ihrer Fähigkeit, die Welt zu verändern. Ich glaube, Frauen haben eine einzigartige und wichtige Stimme, und es ist mir ein Anliegen, meinen Beitrag zur Gleichberechtigung zu leisten. Ich unterstütze nach Kräften Initiativen, die Frauen ermutigen, sich Gehör zu verschaffen.

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