Ende Dezember 2025 bot ein Wintersturm auf dem Michigansee ein surreales Naturschauspiel: Wellen formten perfekte geometrische Quadrate auf der Wasseroberfläche. Dieses ebenso faszinierende wie gefährliche Naturphänomen mahnt uns an die unberechenbare Kraft der Großen Seen.
Wenn zwei Wellensysteme kollidieren
Dieses ungewöhnliche Naturschauspiel entsteht durch eine sogenannte „Kreuzsee“ oder „Rechtecksee“. Zwei Wellensysteme, die aus senkrechten Richtungen eintreffen, überlagern sich und formen diese perfekte Geometrie. Der Sturm erzeugte Seitenwinde, die das Wasser in spektakuläre rechte Winkel formten. Auf dem Michigansee, der besonders häufig Winterstürmen ausgesetzt ist, ist dieses Phänomen zwar nicht beispiellos, aber dennoch außergewöhnlich. Videos, die im Internet kursieren, zeigen, wie sich scharfe Quadrate bilden und sich dann unter dem Einfluss der Strömung wieder verformen.
Absolut verrücktes Wellenmuster im Michigansee vor Port Washington, Wisconsin 🌊 @SamKuffelWx pic.twitter.com/umSwJUbM0S
— Michael Salm, MLS (@MichaelSalm) 30. Dezember 2025
Eine Gefahr, die unter der Schönheit verborgen liegt
Das Bild mag zwar wie eine Computersimulation wirken, doch die Realität ist weitaus bedrohlicher. Diese eckigen Wellen erzeugen besonders heftige Strömungen, die vom Ufer aus unsichtbar sind. Ein Boot, das in diese Strömungen gerät, riskiert sofort zu kentern, während ein Schwimmer weit vom Ufer abgetrieben würde.
In den Vereinigten Staaten sind diese Strömungen für 80 % aller Wasserrettungseinsätze verantwortlich und die häufigste Ursache für Ertrinkungstode. Selbst in einem Süßwassersee ist die hydrodynamische Kraft vergleichbar mit der des Ozeans.
Der Michigansee, ein Schauplatz extremer Phänomene
Der Michigansee, flächenmäßig der fünftgrößte See der Welt, bündelt Wind und Strömungen in einem flachen Becken (durchschnittliche Tiefe 85 m). Winterstürme können Wellen von bis zu 7 Metern Höhe erzeugen, die mit denen des Atlantischen Ozeans vergleichbar sind. Dieser „Binnensee“ verhält sich mitunter wie ein tobendes Meer.
Das Phänomen tritt auch in der Nähe der Île de Ré in Frankreich oder in der Nordsee auf, stets in Gebieten mit Seitenwinden und zusammenlaufenden Strömungen. Dauer: von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden, abhängig von der Wetterintensität.
Natürliche Geometrie, eine sehr reale Bedrohung
Diese Rechteckwellen veranschaulichen perfekt, wie die Natur aus einfachen Phänomenen Komplexität erzeugt. Zwei senkrecht aufeinander stehende Winde, eine Überlagerung von Wellen, und das Wasser nimmt spontan diese kristalline Form an. Die mathematische Schönheit verbirgt jedoch eine tödliche Gewalt.
Kurz gesagt, ein Naturschauspiel, das man aus der Ferne bewundern, aber niemals provozieren sollte. Der Michigansee erinnert uns daran, dass sein Wasser, selbst wenn es Süßwasser ist, absoluten Respekt vor den Elementen erfordert.
