Sie genießen gerade einen glückseligen Moment unter der Bettdecke, als plötzlich Ihre Nase zu laufen beginnt. Die Taschentücher, die eigentlich nicht für diesen Zweck gedacht waren und auf dem Nachttisch standen, erweisen sich als unschätzbar wertvoll. In diesem Moment haben Sie das Gefühl, krank zu werden. Doch es ist nicht der Beginn einer fiesen Erkältung, sondern ein häufiges Symptom der sogenannten „Flitterwochen-Rhinitis“. Beim Liebesspiel sind alle Ventile geöffnet, auch die unerwartetsten im Körper.
Ein überraschendes Phänomen während sexueller Aktivität.
Wenn Körper verschmolzen sind und in einem wilden Walzer dem Höhepunkt entgegen tanzten, können Lachen, Tränen, zitternde Beine oder Krämpfe auftreten. Diese Explosion der Lust löst eine ganze Reihe von Reaktionen aus, manchmal spektakulär. Doch niemand spricht von „Flitterwochen-Rhinitis“, die dem leidenschaftlichen Liebesakt vorausgeht oder das Ende des Aufstiegs in den siebten Himmel markiert.
Nein, es ist kein exotischer Virus, den man sich in den Flitterwochen eingefangen hat, sondern eine Art „emotionale Grippe“. Es ist ein bisschen wie Liebeskummer. Keine Schweißausbrüche oder Schmetterlinge im Bauch, aber ständiges Niesen, das einen zwingt, sich vom Partner zu entfernen, und eine verstopfte Nase, die mehrere Taschentücher erfordert.
Zuerst denkt man spontan an eine saisonale Allergie oder eine beginnende Grippe. Man sieht sich schon mit einer Wärmflasche auf dem Kopf und brennender Nase vor sich. Doch diese vermeintliche Erkältung verschwindet wie von Zauberhand, zusammen mit der Aufregung. Diese „Flitterwochen-Rhinitis“ plagt einen genau dann, wenn man kurz davor ist, die Beziehung zu vollziehen, und ist genauso schnell wieder verschwunden. Dieser etwas metaphorische Begriff ist alles andere als anekdotisch. Er ist sogar Teil des medizinischen Wörterbuchs und wissenschaftlich gut belegt. Lust stimuliert nicht nur die erogenen Zonen des Körpers, sondern auch unerwartete Bereiche.
Wie die Wissenschaft es erklärt
Dieses Phänomen wurde in einer Studie beschrieben, die im Journal of the Royal Society of Medicine veröffentlicht wurde. Die Forscher konzentrierten sich auf Personen, die niesen mussten, wenn sie sexuelle Gedanken hatten, während der Erregung oder im Moment des Orgasmus.
Ihr Fazit? Es ist weder Einbildung noch eine isolierte Kuriosität. Es handelt sich um eine unwillkürliche Körperreaktion. Um sie zu verstehen, müssen wir uns das autonome Nervensystem ansehen, das unsere automatischen Körperfunktionen steuert: Atmung, Herzfrequenz … und Nasenreaktionen.
Sexuelle Erregung aktiviert stark das parasympathische Nervensystem. Dieses System ist auch an der Regulierung der Nasenschleimhaut beteiligt. Dadurch kann es zu einer Art „Kurzschluss“ kommen. Kurz gesagt: Der Körper verarbeitet die Signale nicht richtig. Nicht romantisch, aber faszinierend.
Warum sind manche Menschen besorgter?
Die sogenannte „Flitterwochenrhinitis“ ist nicht ansteckend. Tatsächlich tritt sie nicht bei jedem auf. Forscher vermuten individuelle Unterschiede in der Organisation der Nervenbahnen. Manche Menschen haben möglicherweise „empfindlichere“ Verbindungen zwischen dem sexuellen und dem nasalen Nervensystem.
Das ist nicht der einzige seltsame Reflex des menschlichen Körpers. Manche Menschen niesen beim Blick in die Sonne (der bekannte photische Niesreflex), andere nach einer üppigen Mahlzeit. Was haben sie gemeinsam? Eine automatische, unvorhersehbare und völlig harmlose Reaktion.
Eine körperliche Reaktion, die noch immer unzureichend verstanden wird
Dass die sogenannte „Flitterwochen-Rhinitis“ relativ unbekannt ist, liegt unter anderem daran, dass sie so intim ist. Dem Partner ins Ohr zu niesen und zu schniefen, anstatt ihm zärtliche Worte ins Ohr zu flüstern, ist genauso peinlich wie beim Sex die Socken anzubehalten. Viele behalten es lieber für sich und fühlen sich hilflos. Dabei ist diese kleine Panne gar nicht so selten und bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein neurologisches Problem vorliegt.
Experten sind sich einig: Dieses Phänomen ist weder gefährlich noch krankhaft. In den meisten Fällen ist keine Behandlung nötig. Oft genügt es, die Ursache zu verstehen, um es richtig einzuordnen. Und seien wir ehrlich: Wenn der Körper reagiert, dann nur, weil er in diesem Moment voll und ganz im Hier und Jetzt ist.
Niesen beim Sex ist daher nicht das Werk einiger Milben oder eines stagnierenden Mikroorganismus, sondern der Ausdruck eines grenzenlosen Verlangens.
