Vielleicht kennen Sie solche Tests schon: Die Art, wie man Gabel oder Messer hält, soll angeblich verborgene Aspekte der Persönlichkeit offenbaren. Die Idee ist amüsant, aber steckt wirklich etwas dahinter?
Eine Theorie, die für viel Diskussion sorgt.
Persönlichkeitstests, die auf unseren täglichen Gewohnheiten basieren, erfreuen sich immenser Beliebtheit. Nach der Art, wie wir schlafen, gehen oder sogar die Arme verschränken , soll nun die Art, wie wir unser Besteck halten, Aufschluss über unsere Persönlichkeit geben. Laut diesen Interpretationen hat jede Geste eine ganz bestimmte Bedeutung. Allerdings stützen sich diese Behauptungen selten auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie sind vor allem deshalb so ansprechend, weil sie den Eindruck erwecken, die kleinen Details unseres Alltags erzählten eine Geschichte über uns.
Es ist außerdem wichtig zu bedenken, dass sich unsere Tischmanieren je nach Land und Tradition stark unterscheiden. Manche Menschen behalten beispielsweise die Gabel während des gesamten Essens in der linken Hand, während andere zwischen den Bissen die Hand wechseln. Diese Unterschiede sind vor allem kulturell bedingt und spiegeln kein bestimmtes Temperament wider.
Was die Wissenschaft tatsächlich beobachtet hat
Bislang konnte keine seriöse Studie einen Zusammenhang zwischen der Art, wie man Besteck hält, und der Persönlichkeit nachweisen. Kurz gesagt: Wie man ein Stück Fleisch schneidet oder einen Bissen zum Mund führt, sagt nichts darüber aus, ob man kreativ, organisiert oder extrovertiert ist. Solche Gewohnheiten werden viel eher durch Erziehung, Lernen oder kulturelle Normen als durch psychologische Merkmale erklärt. Mit anderen Worten: Diese sogenannten Tests dienen in erster Linie der Unterhaltung. Sie mögen ein Lächeln hervorrufen, sollten aber nicht als verlässliche Analyse der Persönlichkeit betrachtet werden.
Was beeinflusst wirklich das Bild, das wir nach außen projizieren?
Es gibt zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen Ihrem Besteck und Ihrer Persönlichkeit, doch die Sozialpsychologie zeigt, dass wir uns sehr schnell eine Meinung über die Menschen bilden, die wir treffen. Forscher bezeichnen dies als „Thin Slicing“ – ein Phänomen, bei dem wenige Sekunden Beobachtung ausreichen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Unsere Körperhaltung, unser Blick, unsere Art der Interaktion mit anderen und unsere allgemeine Ausstrahlung tragen alle zu dieser Wahrnehmung bei.
Am Tisch kommt es nicht auf die genaue Position der Gabel an, sondern auf die gesamte Ausstrahlung. Jemand, der aufmerksam zuhört, entspannt ist oder sich respektvoll unterhält, wirkt beispielsweise sympathischer oder vertrauenswürdiger. Dies bleibt jedoch ein Eindruck und ist keine absolute Wahrheit über die Persönlichkeit.
Was wäre, wenn wir aufhörten, alles zu interpretieren?
Angesichts der vielen Tests, die heutzutage zu jeder Kleinigkeit, die wir tun, auftauchen, könnte man meinen, dass alles, was wir tun, etwas über unsere Persönlichkeit aussagt. Aber nur weil man sein Messer auf eine bestimmte Weise hält, heißt das nicht, dass es etwas über die eigene Persönlichkeit verrät. Man kann sein Besteck einfach so halten, wie es einem am angenehmsten ist.
Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, solange es zu Ihnen passt und die Gepflogenheiten Ihres Umfelds respektiert. Schließlich entwickelt jeder im Laufe der Jahre seine eigenen Gewohnheiten, oft ohne es überhaupt zu merken. Diese Gewohnheiten erzählen eher von Erfahrung, Erziehung oder Vorlieben als von einem psychologischen Porträt.
Letztendlich muss man nicht hinter jeder Geste eine versteckte Bedeutung suchen. Deine Persönlichkeit definiert sich nicht dadurch, wie du eine Gabel hältst. Wenn du dich also das nächste Mal zum Essen hinsetzt, vergiss vorgefasste Meinungen: Am wichtigsten ist es, den Moment auf deine Weise zu genießen.
