Nach der Geburt eines Kindes vergessen Mütter oft sich selbst und haben kaum Zeit für sich. Ihr Alltag lässt wenig Raum für Freizeit und persönliche Aktivitäten. Ein Besuch im Fitnessstudio erscheint undenkbar, es sei denn, es dient gleichzeitig als Kita oder Aufenthaltsraum. Solche Einrichtungen sind keine bloße Fantasie, sondern Realität. In diesen Fitnesszentren, die speziell für junge Mütter konzipiert wurden, stehen Schaumstoffmatten neben Babybetten.
Ein Fitnessstudio, das den Bedürfnissen von Schwangeren gerecht wird.
Muttersein ist schon ein Ganzkörpertraining: Man muss in die Hocke gehen, um Spielzeug vom Boden aufzuheben, die Muskeln trainieren, wenn man das Baby trägt oder wiegt, und der Kreislauf rast, sobald das Kind die ersten Schritte macht und losrennt. Obwohl der Alltag einiges an Ausdauer, Flexibilität und Kraft erfordert, bleibt Müttern selten Zeit für sich selbst. Zum Glück gibt es immer mehr kinderfreundliche Einrichtungen, sodass Mütter eine Auszeit von Windeln und Fläschchen nehmen können, ohne ihr Baby zurücklassen oder auf einen Anruf aus einer überfüllten Kita warten zu müssen.
Einige Fitnessstudios öffnen ihre Türen auch Müttern und passen ihre Räumlichkeiten entsprechend an, um ihren Babys mehr Komfort zu bieten. Die Gruppe @bodi.momi verkörpert diese fürsorgliche Initiative perfekt. Während in herkömmlichen Fitnessstudios das Mindestalter für den Zutritt bei 16 Jahren liegt, fühlen sich Babys in diesen hybriden Räumlichkeiten, die irgendwo zwischen Kita und Entspannungsort liegen, ganz natürlich wohl. Hier kommen Mütter mit ihrer Sporttasche, dem Kinderwagen und der Babyausstattung durch den Eingang. Statt der Rufe von Trainierenden hört man hier fröhliches Babygeplapper.
Während die Mütter Gewichte stemmen, schütteln die Babys ihre Rasseln und treiben auf eine ganz andere, unberechenbarere Art von Bewegung. Kinderwagen, Quietschspielzeug und Windeln stehen neben Krafttrainingsgeräten, Stahlmaschinen und Hanteln. Dort sind Babys keine Eindringlinge oder Störenfriede, sondern begeisterte Unterstützer.
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Ein Ort, der alles bietet und Müttern als sicherer Zufluchtsort dient.
Dieses Fitnessstudio, das mit dem Mythos aufräumt, Mutterschaft und Wohlbefinden seien unvereinbar, ist nicht nur ein weiteres „Konzept“ oder ein „vorübergehender Trend“. Es ist eine kleine Revolution, die den echten Wunsch nach Inklusion widerspiegelt. In einer Gesellschaft, die Mütter schnell als „ unfitte Mütter “ abstempelt und diesen Stempel auf jeden aufdrückt, der es wagt, sich eine Stunde Auszeit zu nehmen, wirken solche Orte wie eine kleine Auszeit, ein Stück Paradies. Während Mütter üblicherweise nur Ausflüge in den Park und Kinderzeichentrickfilme als Unterhaltungsmöglichkeiten haben, bieten ihnen diese Fitnessstudios eine weitere Möglichkeit, sich zu entfalten.
Mütter können an Gruppenkursen teilnehmen, ihre Verbundenheit untereinander auch mal anderswo als an einer Rutsche oder einem Limonadenstand erleben und ihre körperlichen Fähigkeiten neu entdecken, während sie gleichzeitig ihre Kleinen im Blick behalten und die Bindung zu ihnen stärken. Ziel ist es nicht, Babys außen vor zu lassen oder sie in eine Ecke zu verbannen, sondern sie aktiv in das Programm einzubinden. Manchmal macht das Kind selbst mit und wird quasi zum wandelnden Gewicht. Manchmal bewundert es seine Mutter, die die Übungen für die Körpermitte auf faszinierende Weise vorführt. Letztendlich findet jeder etwas, das ihm Freude bereitet.
Die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Zeit für sich selbst – ein starkes Symbol
Mütter, die gerade entbunden haben, stehen unter enormem Druck, Schönheitsidealen zu entsprechen. Sie werden dazu angehalten, ihre Figur von vor der Schwangerschaft zurückzuerlangen, das Gewicht nach der Schwangerschaft zu verlieren und alle Spuren der Schwangerschaft auszulöschen, als wären sie aus einem Notizbuch getilgt. Um dieser Erwartung gerecht zu werden, treiben sie Sport. Sie tun es, um ihren Körper zu reinigen, nicht ihren Geist. Und genau das ist das Problem. Dieses Fitnessstudio verfolgt nicht diesen Anspruch. Es präsentiert sich als Oase der Ruhe. Frauen gehen nicht dorthin, um Kalorien zu verbrennen oder ihren BMI zu senken, sondern um sich eine wertvolle Auszeit zu gönnen.
Dies ist nicht einfach nur ein Ort, um „wieder in Form zu kommen“, „Fett durch Muskeln zu ersetzen“ oder „ein Ideal zu erreichen“. Es ist ein Raum, der geschaffen wurde, um den Körper nach der Schwangerschaft anders wahrzunehmen, ihn sanft neu zu entdecken, anstatt die eigenen Grenzen auszutesten, und vor allem, um ihm für das Leben zu danken, das er getragen hat. Nicht Leistung zählt, sondern die Wiederverbindung. In diesen Räumen wird Sport nicht länger als zusätzliche Belastung empfunden, sondern zu einem Moment der Ruhe, einer Möglichkeit, Empfindungen neu zu entdecken, sich aus Freude zu bewegen und die eigene Zeit zurückzugewinnen. Eine besonders wertvolle Philosophie in einer Lebensphase, in der die Bedürfnisse des Kindes oft alles andere überschatten.
Denn letztendlich liegt die wahre Veränderung vielleicht nicht in Gewichten, Gymnastikmatten oder Babybetten. Sie liegt in dieser einfachen Idee: Eine Mutter muss nicht in ihrer Elternrolle aufgehen. Sie kann sich um ihr Kind und um sich selbst kümmern, ohne zwischen beidem wählen zu müssen.
