Auf Selfies oder Gruppenfotos betrachtet man immer kritisch seine vermeintlichen Makel. Ein abstehendes Haar, ein geschlossenes Auge, ein Pickel, den man im Spiegel übersehen hat … das Ergebnis nach dem Blitzlicht entspricht nie den Erwartungen. So sehr, dass man jetzt lieber selbst vor der Linse steht. Doch mit dieser besonders anschaulichen Metapher entdeckt man vielleicht die Freude an spontanen Fotoshootings wieder.
Die Sonnenuntergangsmetapher ist sehr aussagekräftig.
Du kennst das Gefühl nur allzu gut: die Enttäuschung beim Anblick eines Selfies . Anstatt dich zu loben und dir Bestätigung zu geben, hebt das Foto all das hervor, was du an dir selbst am meisten nicht magst. Deine Unsicherheiten werden schonungslos offengelegt und starren dich direkt an. Was eigentlich eine Erinnerung an ein festliches Make-up oder einen freudigen Moment sein sollte, wird zur Quelle von Selbstkritik. Du konzentrierst dich auf äußerliche Details, die deine Lieben ignorieren, und fokussierst dich stattdessen auf die Emotionen, die du in diesem Moment empfunden hast. Du findest deine Wangen „zu voll“, deinen Mund „nicht symmetrisch genug“, deine Nase „zu groß“ oder „nicht stupsig genug“. Dieses Foto scheint genau das zu verstärken, was du im Spiegel so sorgfältig vermeidest zu sehen.
Dieses Schnappschussfoto, in einem Moment der Selbstsicherheit entstanden, landet direkt im Papierkorb und hat keine Chance, jemals dein Instagram-Profil zu zieren. Es ist nicht einmal eine kurze Story wert. Du beneidest all die Frauen, die selbst in den unvorteilhaftesten Situationen fotogen bleiben. Fast schon neidisch bist du darauf, dass sie ihren Charme bewahren, selbst mit einem riesigen, tropfenden Burger in den Händen oder bei einem Wind, der so stark ist, dass er das Fell des Meeres aufwirbeln könnte.
Die Content-Creatorin @jadebonneville aus Quebec hat die perfekten Worte gefunden, um dein angeknackstes Ego wieder aufzuheitern. Sie beschreibt eine Situation, die viele an warmen Sommerabenden kennen: „Wenn man einen Sonnenuntergang beobachtet und ein Foto macht, ist er nie so schön wie in Wirklichkeit. Genauso ist es mit dir“, sagt sie, während die Dämmerung einfließt. Anhand dieser gemeinsamen Erfahrung erinnert sie uns daran, dass ein Schnappschuss nur ein flüchtiger Blick auf die Realität ist, kein Beweis für unseren Wert.
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Eine Möglichkeit, das Negative durch das Positive zu ersetzen
Positivität ist eine Geisteshaltung, ja sogar eine Lebensphilosophie. Doch von Natur aus reagiert das Gehirn stärker auf negative Reize. Das ist eine neurowissenschaftliche Erkenntnis. Dennoch ist es durchaus möglich, eine positive Einstellung zu entwickeln und sie mit der Kunst des Relativismus zu verbinden. Und der Persönlichkeitsentwicklungscoach lenkt Ihre Denkweise sanft mit dieser Metapher, die wie eine Ode an Sie selbst klingt, hin zum gegenwärtigen Moment.
Fotos fangen ein Gesicht ein, aber sie enthüllen nicht, was dahinter steckt. Sie zeigen nicht dein inneres Leuchten, dein ansteckendes Lächeln, das kilometerweit zu hören ist, deine strahlende Seele, die selbst die scheuesten Wesen in ihren Bann zieht, deine unerschöpfliche Energie, die selbst die lustlosesten Menschenmengen mitreißen kann. Diese Selfies sind nicht einmal ein Vorgeschmack auf deine Persönlichkeit, sondern nur eine Fassade. Mit der Metapher eines Sonnenuntergangs lädt dich dieser Botschafter der Freundlichkeit ein, hinter die Fassade zu blicken und dein Aussehen als einen Teil deiner Identität zu betrachten, nicht als das Ganze.
Innere Schönheit wird nicht ausreichend wertgeschätzt
In einer Gesellschaft, in der alles innerhalb weniger Sekunden durch Scrollen beurteilt wird, verwechseln wir Aussehen mit Selbstwert. Ein gelungenes Foto scheint fast schon zum Beweis sozialer Anerkennung geworden zu sein. Wir messen unsere Attraktivität an der Anzahl der „postbaren“ Bilder, dem schmeichelhaften Licht, dem richtigen Winkel, der perfekten Symmetrie. Und wenn das Bild unseren Erwartungen nicht entspricht, sinkt auch unser Selbstwertgefühl.
Doch die Menschen, die wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sind nicht unbedingt diejenigen, die ihr linkes Profil perfekt beherrschen oder instinktiv wissen, wo sie ihr Kinn vor der Kamera positionieren müssen. Oft sind es diejenigen, die etwas Unbeschreibliches ausstrahlen: eine beruhigende Präsenz, ein Lachen, das die Atmosphäre sofort entspannt, einen warmen Blick, eine Energie, die zum Verweilen einlädt. Dinge, die sich in einer Fotogalerie nicht festhalten lassen.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem gar nicht in deinem Gesicht auf den Fotos, sondern in deinem unerbittlichen Blick darauf. Und vielleicht ist es an der Zeit, aufzuhören, in jedem misslungenen Foto Bestätigung zu suchen. Schließlich verlieren manche der schönsten Dinge der Welt etwas von ihrem Zauber, sobald sie fotografiert sind. Das macht sie aber nicht weniger außergewöhnlich. Das Bild vom Sonnenuntergang veranschaulicht dies perfekt.
