Im allgemeinen Sprachgebrauch werden sie manchmal als „bösartige“ Persönlichkeitsmerkmale bezeichnet, in der Psychologie hingegen als „dunkle“ Persönlichkeitszüge (die Dunkle Triade). Wie eine in der Fachzeitschrift „Personality and Individual Differences“ veröffentlichte Studie erklärt, gehen diese Merkmale mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für unethisches Verhalten (Lügen, Betrügen) einher, auch wenn dies keine medizinische Diagnose darstellt.
Was ist die „Dunkle Triade“?
Die Dunkle Triade umfasst drei Merkmale:
- Narzissmus (Selbstbezogenheit, Bedürfnis nach Bewunderung),
- Machiavellismus (Manipulation, soziale Strategie),
- Psychopathie (Impulsivität, geringe Empathie, Sensationssuche).
Das auffälligste Merkmal ist hier der Machiavellismus.
In der Studie wurden den Teilnehmern zwei Situationen präsentiert, in denen sie betrügen oder lügen konnten, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Die Ergebnisse zeigten, dass Machiavellismus ein stärkerer Prädiktor für Betrug in Situationen war, in denen die Täuschung auf Kosten anderer erfolgte (eine eher „soziale“, strategischere Form der Täuschung), während Psychopathie ein stärkerer Prädiktor für Lügen über die eigene Leistung war (eine direktere, opportunistischere Form der Täuschung). Anders ausgedrückt: Es ist kein einzelnes Persönlichkeitsmerkmal, das alles erklärt; die Zusammenhänge variieren je nach Art des Verhaltens.
Und was ist mit dem berühmten Sprichwort „Abends sind wir weniger moralisch“?
Es gibt die bekannte Hypothese des Morgenmoral-Effekts, die besagt, dass wir morgens tendenziell „moralischer“ handeln als nachmittags. Die Studie zur Dunklen Triade untersuchte diesen Punkt ebenfalls und konnte diesen Effekt nicht bestätigen: Laut ihren Ergebnissen beeinflusst die Tageszeit weder Betrug noch Lügen, noch verstärkt sie die Wirkung „dunkler“ Charaktereigenschaften.
Wichtigste Erkenntnisse
- Machiavellismus ist die Charaktereigenschaft, die hier am ehesten mit strategischer Täuschung in Verbindung gebracht wird.
- Bei der anderen Aufgabe besteht ein engerer Zusammenhang zwischen Psychopathie und Lügen.
- Und im Gegensatz zu anderen Studien spielt die Tageszeit (morgens/abends) in dieser Studie keine große Rolle.
Diese Studie erinnert uns daran, dass es hier nicht um „Monster“ oder Diagnosen geht, sondern um Persönlichkeitstendenzen: Sind bestimmte „dunkle“ Züge verstärkt, kann die Wahrscheinlichkeit für unethisches Verhalten steigen. Machiavellismus zeichnet sich hierbei vor allem durch strategische Täuschung (auf Kosten anderer) aus, während Psychopathie eher mit opportunistischem Lügen verbunden ist. Und vor allem: Entgegen der Annahme, wir seien abends „weniger moralisch“, fanden die Forscher keinen eindeutigen Einfluss der Tageszeit: Entscheidend sind die Persönlichkeitsmerkmale selbst, nicht die Stunde.
