Selbst im Jahr 2026 sind manche Vorurteile gegenüber Menschen mit Übergewicht noch tief verwurzelt. Das amerikanische Plus-Size-Model Tess Holliday machte dies kürzlich deutlich, indem sie eine Erfahrung teilte, die auf TikTok große Reaktionen auslöste: Ihr wurde aufgrund ihres Gewichts eine Lebensversicherung verweigert. Ihr öffentliches Statement hat die Debatte um Fatphobie und die in bestimmten Branchen angewandten Kriterien neu entfacht.
Eine Entscheidung, die sie als Ungerechtigkeit empfand.
In einem TikTok-Video erzählt Tess Holliday, wie sie in den USA keine Lebensversicherung abschließen konnte. Mit einer Mischung aus Humor und Erschöpfung erklärt sie, dass sie dachte, alle Voraussetzungen zu erfüllen: Nichtraucherin, Nichttrinkerin und keine bekannten gesundheitlichen Probleme. Doch laut ihr reichte ein einziger Faktor aus, um den Ausschlag zu geben: ihr Gewicht.
Das Model, 1,60 Meter groß und über 135 Kilo schwer, betont, dass sie täglich Sport treibt, sich keiner medizinischen Behandlung unterzieht und keine Vorerkrankungen hat. Für sie spiegelt diese Situation ein größeres Problem wider: ein immer noch sehr stereotypisches Körperbild in bestimmten Bereichen des Gesundheits- und Versicherungswesens.
Die Debatte um den BMI ist neu entfacht.
Dieser Fall rückt auch eine häufig kritisierte Messgröße in den Fokus: den Body-Mass-Index, besser bekannt als BMI. Obwohl er in der Medizin und im Versicherungswesen immer noch weit verbreitet zur Beurteilung von Gesundheitsrisiken eingesetzt wird, wird dieser Indikator mittlerweile von vielen Experten hinterfragt. Mehrere Studien betonen, dass er wesentliche Faktoren wie körperliche Fitness, Muskelmasse, Lebensstil und den allgemeinen Gesundheitszustand einer Person nicht berücksichtigt.
Eine 2024 veröffentlichte Studie zeigte, dass die große Mehrheit der übergewichtigen Menschen in medizinischen Einrichtungen von Vorurteilen, Scham oder Stigmatisierung berichtete. Für Aktivist*innen der Body-Positivity-Bewegung geht es daher nicht nur um Statistiken. Es betrifft auch die Wahrnehmung von Körpern, die als „abnormal“ gelten, und die Art und Weise, wie manche Institutionen „hohes Gewicht“ automatisch mit schlechter Gesundheit assoziieren.
Eine Persönlichkeit, die sich jahrelang engagiert hat
Tess Holliday zählt seit Langem zu den prominentesten Persönlichkeiten der Body-Positivity-Bewegung. 2013 rief sie den Hashtag #EffYourBeautyStandards ins Leben, um unrealistische Schönheitsideale anzuprangern und eine vielfältigere Darstellung von Körpern zu fördern. Auch über zehn Jahre später ist sie überzeugt, dass der Kampf nach wie vor notwendig ist. Im Februar 2026 kündigte sie den offiziellen Neustart der Bewegung an und erinnerte alle daran, dass viele Menschen weiterhin so behandelt werden, als sei ihr Körper ein „Problem, das behoben werden muss“.
Sie prangert regelmäßig die diskriminierenden Äußerungen und Verhaltensweisen an, denen sie täglich ausgesetzt ist. Bereits 2025 hatte sie öffentlich einen unangemessenen Kommentar einer Flugbegleiterin von United Airlines angeprangert, die ihr während eines Fluges nahegelegt hatte, für ihr Kind abzunehmen.
Hinter diesen Zeugenaussagen verbirgt sich eine umfassendere Realität
Tess Hollidays Geschichte geht weit über ihre persönliche Erfahrung hinaus. Verweigerung von Dienstleistungen, aufdringliche Bemerkungen, medizinische Beurteilungen und unaufgeforderte Kritik: Viele übergewichtige Menschen berichten, solche Situationen regelmäßig zu erleben. Dieser Fall erinnert uns auch an etwas Wichtiges: Das Gewicht eines Menschen bestimmt weder seinen Wert noch seinen Lebensstil oder seine Gesundheit. Körper sind vielfältig, und jeder Mensch verdient Respekt, unabhängig von seinem Aussehen.
Schließlich ist es wichtig zu bedenken, dass es keinen allgemeingültigen richtigen Weg gibt, mit seinem Körper umzugehen. Manche Menschen möchten abnehmen, andere nicht, und jeder sollte seine eigenen Entscheidungen treffen können, ohne verurteilt oder diskriminiert zu werden.
Mit dieser neuen öffentlichen Erklärung wirft Tess Holliday letztlich eine Frage auf, die auch heute noch hochaktuell ist: Warum ist das äußere Erscheinungsbild weiterhin eine Bedingung für den Zugang zu bestimmten Rechten oder Dienstleistungen?
