Südkorea hat in der Schönheitswelt nie aufgehört, innovativ zu sein. Ihre neueste Idee: Microblading der Augenbrauen zur Definition des Haaransatzes. Diese Technik verspricht eine sofortige Verdichtung … wirft aber gleichzeitig eine entscheidende Frage auf: Ist es wirklich notwendig, einen spärlichen Haaransatz zu „korrigieren“?
Ein viraler Trend, der in den sozialen Medien für Aufsehen sorgt.
Auf TikTok, Instagram und YouTube erzielen Vorher-Nachher-Videos Millionen von Aufrufen. Koreanische Kliniken präsentieren in nur wenigen Stunden veränderte Haaransätze, die von Influencern und Prominenten mit ihren natürlich wirkenden Ergebnissen geteilt werden. Hashtags zum Thema Microblading der Haarlinie boomen, und begeisterte Erfahrungsberichte tragen zur weltweiten Popularität dieser Methode bei.
Das Prinzip ist überzeugend: Die Haardichte wird optisch wiederhergestellt, wo das Haar dünner oder spärlicher erscheint, insbesondere an Schläfen und Stirn. Eine schnelle ästhetische Verbesserung ohne größeren chirurgischen Eingriff.
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Eine Anpassung des Microbladings
Ursprünglich zur Verdichtung der Augenbrauen eingesetzt, wird Microblading hier an den Haarfollikeln angewendet. Mithilfe von Mikronadeln werden Pigmente in die Haut eingebracht, um feinste, nachwachsende Härchen nachzuahmen. Die Arbeit ist akribisch: Jeder Strich bildet das Aussehen eines Follikels nach und erzeugt so einen besonders realistischen „Haar-für-Haar“-Effekt.
Diese Technik ist besonders beliebt, um leichten Haarausfall oder altersbedingtes, dünner werdendes Haar zu kaschieren. Bei hellen bis mittleren Hauttönen kommt der Kontrast gut zur Geltung und sorgt sofort für mehr Volumen. Das Ergebnis ist semi-permanent: Die Pigmente halten durchschnittlich 12 bis 18 Monate, wobei Auffrischungen erforderlich sind. Bei fettiger Haut oder sehr dünner Kopfhaut kann das Pigment jedoch schneller verblassen oder an Leuchtkraft verlieren.
Ist es wirklich notwendig, gegen eine spärliche Wurzel anzukämpfen?
Hier ist Differenzierung gefragt. Von „gegen Haarausfall am Haaransatz“ zu sprechen, impliziert, dass geringere Haardichte ein „Makel ist, der korrigiert werden muss“. Dabei verändert sich das Haar im Laufe der Jahre. Manche Menschen haben von Natur aus feines Haar, andere einen höheren Haaransatz, und wieder andere bemerken mit zunehmendem Alter eine Abnahme des Haarvolumens. Das ist einfach Teil der natürlichen Vielfalt unserer Körper.
Ein weniger dichter Haaransatz mindert weder Ihre Schönheit noch Ihr Charisma oder Ihre Weiblichkeit bzw. Männlichkeit. Sichtbare kahle Stellen auf der Kopfhaut sind keine Ausnahme. Sie spiegeln einfach Ihre Gene, Ihre Geschichte und manchmal auch Ihren Gesundheitszustand wider. Sie verdienen weder Scham noch systematisches Kaschieren. Daher kann Microblading eine Option sein, wenn Sie mit Ihrem Haaransatz unzufrieden sind. Wie Perücken oder andere Techniken kann es zu einem besseren Wohlbefinden beitragen. Es sollte jedoch eine persönliche, wohlüberlegte Entscheidung sein und nicht eine reflexartige Reaktion auf ästhetischen Druck.
Kurz gesagt: Ja, Südkorea überrascht immer wieder mit kreativen und raffinierten Techniken. Microblading am Haaransatz scheint eine Lösung für alle zu sein, die ihre Haarlinie verändern möchten. Wichtig ist jedoch, sich daran zu erinnern, dass man seine Haarwurzeln nicht verändern muss, um sich authentisch zu fühlen. Sich selbst mit feinem Haar, einem hohen Haaransatz oder unterschiedlicher Haardichte zu lieben, ist ein starkes Statement. Schönheit hängt nicht von der Anzahl der sichtbaren Haarfollikel ab, sondern davon, wie man seinen Körper auslebt – mit Selbstbewusstsein und Respekt.
