„Du hast dunkle Haut, du brauchst keine Sonnencreme.“ „Du bist schwarz, du bekommst keinen Sonnenbrand.“ Diese unzähligen Irrtümer, die jeden Sommer wieder auftauchen, suggerieren, dass Menschen mit dunkler Haut auf die allgegenwärtige Sonnencreme verzichten können. Doch Bob Marley hatte einen karamellfarbenen Teint, und das hielt ihn nicht davon ab, an Hautkrebs zu sterben. Menschen mit dunkler Haut kennen vielleicht nicht das brennende Gefühl scharlachroter Haut, selbst nachts, aber sie müssen sich genauso schützen wie alle anderen – mit einigen kleinen Unterschieden.
Dunkle Haut, lange vom Markt ausgeschlossen
In der allgemeinen Vorstellung besitzt dunkle Haut einen göttlichen Schutz vor der Sonne, als wäre ihr eine Superkraft in die Haut eingraviert. Während hellbraune oder porzellanfarbene Haut schon bei geringster ungeschützter Sonneneinstrahlung rote Flecken bekommt, scheint braune Haut gegen die sengende Sonne immun zu sein. Sie zeigt keinerlei Anzeichen von Unbehagen nach langen Spaziergängen im Schatten oder entspannten Tagen auf dem Liegestuhl. Doch selbst wenn keine sichtbaren Flecken vorhanden sind und keine Joghurt -basierten Hausmittel zur Linderung der Sonnenbrand-bedingten Beschwerden nötig sind, ist die Sonne nicht völlig harmlos.
Sie ist weniger aggressiv, kann aber dennoch Schäden verursachen. Dunklere Hauttöne verfügen über eine Art eingebauten UV-Schutz und sind besser gegen unerträgliche Sommertemperaturen und intensive Sonnenbäder im heißen Sand gewappnet. Der Grund für diese Widerstandsfähigkeit der Haut ist vor allem wissenschaftlicher Natur. Melanozyten, die Zellen, die die Hautpigmentierung bestimmen, absorbieren 50 bis 70 % weniger ultraviolette Strahlung.
„Obwohl dunkle Haut über bessere natürliche Schutzmechanismen gegen die Sonne verfügt als helle Haut, ist das kein Grund, sich nicht zu schützen“, warnt die Dermatologin Dr. Marina Alexandre in einem Interview mit Femme Actuelle . Das Problem: Viele Jahre lang wurden Sonnenschutzmittel speziell für helle Haut entwickelt. Sie waren daher auf dunkler Haut völlig wirkungslos, und jede Anwendung war sinnlos. Diese Situation beklagte auch der Dermatologe Adewole Adamson, Professor an der University of Texas at Austin School of Medicine. Er wies auf das Problem des „Einheits-Sonnenschutzes“ hin. Glücklicherweise haben sich die Sonnenstrahlen weiterentwickelt, und Sonnenschutzmittel sind heute in Richtung inklusiverer Formulierungen erhältlich.
Mehr Schutz vor der Sonne, ja, aber auch Risiken.
Als Segen, visuelles Symbol eines gelungenen Urlaubs und zugleich als ästhetisch ansprechendes Merkmal präsentiert, ist Bräune in Wirklichkeit ein Schutzmechanismus der Haut. Als Erbe von Badeurlauben am Meer und ausgiebigen Bädern im tiefblauen Meer bleibt Bräune ein beständiges Schönheitsideal, ein Synonym für „gute Gesundheit“. Und Menschen mit dunkler Haut, die weder in der Sonne baden noch übermäßig viel Monoi- Öl verwenden müssen, um einen sonnengeküssten Teint zu erzielen, ernten allgemeine Bewunderung.
Diese Hauttöne, die im Farbspektrum über Braun hinausgehen, sind jedoch trügerisch. Selbst wenn sie das Kribbeln nicht spüren, das ihnen signalisiert, sich im Schatten aufzuhalten, leiden sie dennoch unter den Folgen. „Melanome können an bestimmten Stellen wie den Handflächen und Fußsohlen auftreten, die weniger pigmentiert sind“, erklärt die Spezialistin. Sie weist außerdem darauf hin, dass dunkle Haut empfindlich auf UVA-Strahlen reagiert, die ebenfalls für eine erhebliche Depigmentierung verantwortlich sind. Daher ist es so wichtig, unabhängig vom Hauttyp Aufklärungsarbeit zu leisten.
Die goldenen Regeln für die Auswahl eines geeigneten Sonnenschutzmittels
Wenn Sie dunkle Haut haben, greifen Sie nicht einfach zur erstbesten Sonnencreme im Supermarkt oder lassen Sie sich von Instagram-tauglichen, tropischen Verpackungen blenden. Für einen unbeschwerten Sommer und sicheres Sonnenbaden finden Sie hier das ideale Sonnenschutzprofil:
- Ein Index zwischen 15 und 30. Für helle Haut nicht stark genug, aber bei Hauttypen 4-5-6 recht wirksam.
- Ein Spray oder Gel ist der klassischen, weißlichen Creme vorzuziehen, da diese aufgrund des Kontrasts zur Haut noch deutlichere Flecken hinterlässt. Es eignet sich außerdem besser für die Bedürfnisse fettiger Haut.
- Nicht-komedogene Formeln, die die Talgproduktion nicht erhöhen.
- Vorzugsweise Cremes, die mit Vitamin C angereichert sind, um Pigmentstörungen und der Entstehung von Flecken vorzubeugen.
Während viele junge Menschen auf Sonnenschutz verzichten, um braun zu werden und einen dunkleren Teint zu bekommen, ist es dringend notwendig, Sonnenschutz zu einem festen Bestandteil ihrer Pflegeroutine zu machen. Auch Menschen mit dunkler Haut, die selten von Aufklärungskampagnen erreicht werden, benötigen diesen Schutz.
