Serienmarathons bis in die frühen Morgenstunden, stundenlanges Scrollen auf dem Smartphone nach Unterhaltung, Filme am Stück schauen, als ginge es um alles oder nichts – so sieht der Alltag vieler aus. Doch diese ausgiebigen Serienmarathons hinterlassen unbemerkt Spuren im Gesicht. Dermatologen zufolge sind diese virtuellen Bäder genauso schädlich für die Haut wie Sonnenbaden. Sie haben diesem Aussehen nach dem Serienmarathon sogar einen Namen gegeben: das „Netflix-Gesicht“.
„Netflix-Gesicht“ oder wenn Bildschirme die Gesichtszüge verändern
Nein, das „Netflix-Gesicht“ ist weder der Name eines neuen Beauty-Trends noch eines angesagten Make-up-Looks oder einer kürzlich veröffentlichten Schönheitsoperation. Es ist vielmehr ein wenig schmeichelhaftes Aussehen, das man am Tag nach einem Abend mit seinen geliebten fiktiven Charakteren zu tragen hat. Während unsere Großeltern sich früher die Zeit mit Kartenspielen oder Weltgesprächen auf Plastikstühlen vertrieben, verbringen wir heute den Nachmittag oder Abend vor dem Computer und erkunden aufregende virtuelle Welten.
Du fängst eine Serie an und, von der Begeisterung mitgerissen, schaust du Folge um Folge bis zur letzten. Deine Ungeduld treibt dich an, die Handlung zu Ende zu sehen, und als der Wecker am frühen Morgen klingelt, bereust du, nicht vernünftiger gewesen zu sein. Beim Blick in den Spiegel ziehst du Bilanz über diese durchzechte Nacht. Dunkle Augenringe , ein fahler, glanzloser Teint, ein müder Blick… Trotz deiner bewährten Hautpflege-Routine scheint sich deine Haut von diesem „Netflix and Chill“-Abend nicht erholt zu haben. Deine Kollegen denken, du hättest die ganze Nacht auf der Tanzfläche durchgetanzt, während du in Wirklichkeit gemütlich mit Thomas Shelby in 4K im Bett unter deiner Decke gekuschelt hast.
Laut Statistiken der Streaming-Plattform, die so manchen in den Schlaf wiegt, verbringen Nutzer täglich etwa zweieinhalb Stunden mit dem Konsum von Inhalten aus dem Katalog. Und sie brauchen nur vier Tage, um eine einzige Staffel zu beenden, so endlos sie auch sein mag. Dabei sind Computerarbeit, exzessives Scrollen und entspannte Fernsehsitzungen noch nicht berücksichtigt. Insgesamt verbringen wir fast sechs Stunden täglich vor dem Bildschirm, und das sieht man uns auch an. Eine im „Journal of Investigative Dermatology“ veröffentlichte Studie spricht vom „Netflix-Gesicht“, das die Begleiterscheinungen von Serienmarathons veranschaulicht.
Die tatsächlichen Auswirkungen von „Serien“-Abenden auf das Aussehen
Wenn man sich zu lange in der Sonne aufhält, spürt man ein Kribbeln, das einen in den Schatten treibt und an die Gefahren der Sonne erinnert. Vor Bildschirmen ist das nicht unbedingt so schlimm. Nur die Augen reagieren mit Unbehagen und signalisieren schließlich: „Hör auf!“. Doch auch die Haut leidet unter den Folgen des Bildschirmkonsums.
Wenn Dermatologen von „Netflix-Gesicht“ sprechen, meinen sie meist ein weit verbreitetes Ritual: sich vor Netflix zu entspannen, die Zeit zu vergessen, gedankenlos Süßigkeiten zu essen und Simon Bassets Arme in Bridgerton denen von Morpheus vorzuziehen. Blaues Licht ist zwar nicht so aggressiv wie die Sommersonne, schwächt aber dennoch die Hautbarriere, wenn man sich dem Medium hingibt.
Laut einer Studie, über die Madame Figaro berichtete, entspricht ein siebenstündiger Aufenthalt täglich innerhalb von 30 Zentimetern vor einem Bildschirm über fünf Tage hinweg für die Haut anderthalb Stunden direkter Sonneneinstrahlung. Der Übeltäter: blaues Licht, das die Hautalterung beschleunigt, indem es Kollagen schwächt und die Hautelastizität verringert. Blaues Licht täuscht zudem das Gehirn und stört dessen Tag-Nacht-Rhythmus. Das erklärt, warum man morgens müde aussieht.
Was Dermatologen empfehlen, um das „Netflix-Gesicht“ zu vermeiden
Unsere Bildschirmsucht ist mittlerweile sichtbar und deutlich an unserem Spiegelbild erkennbar. Das sogenannte „Netflix-Gesicht“, ein modernes Hautproblem, das an den „Zombie-Effekt“ erinnert, verändert das Aussehen des Gesichts, und angesichts dieser dermatologischen Realität scheinen Hautpflegecremes machtlos. Doch richtig gewählt, sind sie weit mehr als nur Placebos. Dermatologen betonen die Bedeutung von Seren mit Vitamin C oder Niacinamid. Sie heben außerdem die Wichtigkeit von Sonnenschutzmitteln hervor, insbesondere von getönten Sonnenschutzmitteln mit Eisenoxiden.
Tatsächlich gibt es auf dem Markt speziell für diesen Zweck entwickelte Displayschutzfolien. Um das Problem jedoch an der Wurzel zu packen, empfehlen Hautexperten vor allem, einen ausreichenden Abstand zum Bildschirm zu halten und nicht zu nah am Computer zu sitzen. Idealerweise sollte man abends natürlich ruhigeren Tätigkeiten wie Lesen, Häkeln, Zeichnen oder Schreiben nachgehen.
Während alle von ewiger Jugend träumen und sich mit verjüngenden Posen schmücken, denkt niemand darüber nach, seine Gewohnheiten jenseits bloßer Eitelkeit zu hinterfragen. Doch wer sein inneres Leuchten wiederentdecken möchte, muss damit beginnen, den Bildschirm loszulassen.
