Mit 83 Jahren macht diese Frau ihre Leidenschaft für Motorräder zu einer Botschaft der Freiheit.

Während alte Vorstellungen nahelegen, dass das Leben ab etwa fünfzig Jahren ruhiger wird, markierte dieses Alter für Doris Lacombe, eine Abenteurerin durch und durch, den Beginn all ihrer Jugendträume. Es war die Chance, jeden Punkt auf ihrer Wunschliste abzuhaken. Anstatt sich in einen Schaukelstuhl zu setzen und geduldig auf den Tod zu warten, ist sie mit ihrem Motorrad auf den Straßen unterwegs. Mit 83 Jahren beweist sie, dass es keine Frist für das Erreichen seiner Ziele gibt, selbst der kühnsten nicht.

Mit 83 Jahren Motorradreisen unternehmen

In der allgemeinen Vorstellung füllen Frauen ab 80 Jahren ihre scheinbar endlose Freizeit mit einem Kartenspiel, einem Wollknäuel, einer Fernbedienung oder einem Schneebesen. Dieser Darstellung zufolge, die eher an Satire oder Parodie erinnert, gehören sie praktisch zum Inventar ihrer Häuser und vertreiben sich die Zeit mit einschläfernden Beschäftigungen. Doch diese Vorstellung ist eher eine Theorie, die unsere Angst vor dem Altern schürt, als die allgemeine Realität. Zwar leiden manche Menschen in diesem Alter unter nachlassender Gesundheit und müssen sich ausruhen, doch ist dies nicht die Regel.

Andere besitzen eine olympische Ausdauer, die ihnen unzählige Möglichkeiten eröffnet. Doris Lacombe, geboren in Vichy, ist 83 Jahre alt und lebt wie eine Zwanzigjährige. Sie weigert sich, sich dem Lauf der Zeit zu ergeben und nur noch Zuschauerin zu sein. Von Natur aus hyperaktiv, widerlegt diese Frau, geboren in Frankreichs dunkelsten Stunden, im Alleingang alle gängigen Vorurteile über das Alter. Anstatt sich in einen Schaukelstuhl zu verkriechen oder sich mit Blicken aus dem Fenster zu vergnügen, hat sie eine Vorliebe für Abenteuer und ist immer in Bewegung.

Sie ist ein wahrer Freigeist und ihre ansteckende Energie kanalisiert sie in Roadtrips, die für viele von uns nur ein Traum bleiben. Dabei wählt sie nicht den bequemen Weg organisierter Touren, sondern bevorzugt das Unerwartete, die Überraschungen des Schicksals, spontane Entdeckungen. Sie wirft sich in ihre Lederkluft und schwingt sich auf ihre Yamaha, ihr treues Gefährt, um neue Länder zu erkunden. Mit diesem Fortbewegungsmittel und ihrer unkonventionellen Art hat sie fast 20.000 Kilometer auf dem afrikanischen Kontinent zurückgelegt.

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Mach jeden Tag zu einem unvergesslichen Tag

Als ehemalige Primaballerina, die nach einem Unfall ihre Karriere beenden musste, ließ sie sich zur Schäferin ausbilden und widmete sich anschließend der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen. Inmitten dieses turbulenten Lebens gründete sie sogar ihre eigene Zirkusschule in der Region Hérault. Diese vielseitige Frau führt ein Leben voller Facetten. Sie mag nicht so viel Glück haben wie unsere Katzenfreunde, doch für sie war jeder Lebensabschnitt eine Wiedergeburt, eine Möglichkeit, sich neu zu erfinden und neue Erfahrungen zu sammeln.

Als unersättliche Reisende hat sie im Laufe ihres Lebens schon so einige Landschaften gesehen: den Popocatépetl, den Grand Canyon, Indien und schließlich Afrika, wo sie sich 25 Jahre lang niederließ. Diese selbsternannte Nomadin, die sich mit einem bescheidenen Rucksack zufriedengibt, stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen. Für Doris ist es fast schon selbstverständlich, ihre Komfortzone zu verlassen. Und so legt sie mit 80 Jahren, einem Alter, das immer noch mit Verfall und einer tristen Zukunft assoziiert wird, ihre Hände nicht auf ein Scrabble-Brett oder eine Wollknäuel, sondern auf den Lenker eines Motorrads.

Mit fest sitzenden Kopfhörern und ihrem makellosen weißen Haar beweist sie, dass Senioren nicht nur die Stimme der Weisheit sind. Sie verkörpern auch Lebensfreude und eine unstillbare Sehnsucht nach Freiheit. Denn schließlich sterben Träume nicht, und der Begriff „Spaß“ beschreibt nicht nur einen einzigen Typ Mensch.

Ein glorreicheres Beispiel für den Ruhestand

Seit jeher wird das Altern von der Gesellschaft als unvermeidliches Schicksal, als Verfall oder unwiderruflicher Verlust dargestellt. Mit 50 Jahren sollen wir angeblich den Verlust unserer Jugend betrauern und geduldig auf unseren Tod warten, während wir uns geistigen Übungen oder Hobbys widmen, die als wirksamer als Schlaftabletten gelten. Doch das Alter ist kein Fluch, der uns dazu verdammt, den ganzen Tag Bingo zu spielen oder maßgeschneiderte Strickwaren für unsere Enkelkinder zu entwerfen.

Doris Lacombe bietet eine andere, weniger stereotype und überzeugendere Interpretation des Alters. Angesichts dieser über Achtzigjährigen auf ihrem Motorrad, die dem Klang des Motors den Anweisungen vorzieht, ist das Alter kein unausweichlicher Fluch mehr, sondern ein Kapitel, das geschrieben, eine Geschichte, die erfunden werden will.

Was wäre, wenn wahrer Luxus ab einem gewissen Alter nicht darin bestünde, langsamer zu machen, sondern darin, sein eigenes Tempo zu bestimmen? Doris hat die Empfehlung, mit 80 kürzerzutreten, offensichtlich nicht mitbekommen. Sie gibt weiterhin Vollgas, fährt los und sammelt Erinnerungen statt Reue.

Mit ihren 83 Jahren will Doris Lacombe nicht beweisen, dass sie unbesiegbar ist. Sie zeigt einfach, dass es immer einen Weg gibt. Einen Weg, den man auch im hohen Alter noch gehen kann, selbst nach Unfällen, Lebensveränderungen und den vielen Jahren, die vergehen. Denn letztendlich ist es nicht die Zeit, die uns vom Leben entfernt. Manchmal ist es gerade die Zeit, die uns lehrt, wie wir es leben sollen.

Émilie Laurent
Émilie Laurent
Als Wortkünstlerin jongliere ich täglich mit Stilmitteln und perfektioniere die Kunst feministischer Pointen. Mein leicht romantischer Schreibstil hält in meinen Artikeln so manche fesselnde Überraschung für Sie bereit. Ich liebe es, komplexe Themen zu entschlüsseln, ganz wie ein moderner Sherlock Holmes. Geschlechterminderheiten, Gleichberechtigung, Körpervielfalt … Als Journalistin am Puls der Zeit stürze ich mich kopfüber in Themen, die Debatten entfachen. Ich bin ein Workaholic, und meine Tastatur wird ständig auf die Probe gestellt.

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