Dieses subtile Detail unseres Geschirrs könnte den Appetit beeinflussen

Beim Essen greifen wir oft zum erstbesten Teller, ohne auf sein Aussehen zu achten. Das gilt besonders für möblierte Wohnungen, wo man sich mit dem vom Vermieter bereitgestellten, nicht zusammenpassenden Geschirr begnügen muss. Dabei beeinflusst die Farbe des Tellers unseren Appetit und unser Sättigungsgefühl.

Wir essen mit dem Mund, aber auch mit den Augen.

Wenn wir eine Mahlzeit genießen , werden nicht nur unsere Geschmacksknospen verwöhnt, sondern auch alle fünf Sinne angesprochen. Nicht umsonst gibt es die Redewendung „sich zu viel vornehmen“ . Natürlich ist eine schön angerichtete Lasagne appetitlicher als ein Teller mit Flageoletbohnen, der vom Kantinenkoch lieblos zusammengeworfen wurde. Doch die Optik ist nicht alles. Auch die Farbe des Tellers spielt eine wichtige Rolle.

Geschirr kann, je nach Form und Farbe, unseren Appetit entweder anregen oder hemmen. Das ist rein psychologisch. Dennoch nehmen wir diesen Faktor oft nicht ernst. Meistens greifen wir wahllos zu einem Teller aus dem Schrank, ohne auf sein Aussehen zu achten. Manchmal machen wir Ausnahmen, wenn wir Gäste haben, und holen unser Steingut-Service oder unser skandinavisches Geschirr hervor. Doch wir unterschätzen die Auswirkungen auf unser Essverhalten.

Eine Speise, die auf einem flachen, grünen Keramikteller serviert wird, schmeckt jedoch anders als in einer Terrakotta-Schale. In der einen Schale bleiben Krümel zurück, in der anderen verlangen die Gäste Nachschlag. Mehrere Studien haben dieses Phänomen untersucht und einen deutlichen Unterschied im Essverhalten je nach Art des Tellers festgestellt.

Diese Farben regen den Appetit an

In traditionellen Restaurants wird das Essen mittig auf einem weißen Teller angerichtet, um den Blick nicht zu überfordern und die Farben der Zutaten hervorzuheben. In diesem neutralen Farbton bleibt der Teller ein schlichtes Serviergefäß. Zuhause hingegen sind Teller selten makellos weiß, besonders wenn sie ein Geschenk von Oma oder ein Flohmarktfund sind.

Manche Farben können uns jedoch buchstäblich das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen und uns dazu verleiten, mehr zu essen, als unser Magen benötigt. Forscher testeten dies an rund fünfzig Teilnehmern im Alter von 18 bis 30 Jahren. Das Ergebnis: Die durchschnittliche Gesamtenergieaufnahme war bei roten Tellern deutlich höher als bei weißen. Dies erscheint paradox, da Rot üblicherweise mit Verbot oder Gefahr assoziiert wird.

Diejenigen, die den Hunger verringern, ohne dass es jemand merkt

In Cafés und anderen Bistros oder modernen Lokalen sind die Teller, die zu unseren Speisen serviert werden, meist in kühlen Farbtönen gehalten. Dasselbe Farbmotto gilt auch für die Regale von Einrichtungshäusern. Neben Steinguttellern, die an ein Souvenir aus Italien erinnern, sind türkisfarbene und nachtblaue Teller allgegenwärtig. Das ist kaum verwunderlich, denn sie wirken von Natur aus beruhigend.

Im Gegensatz zu warmen Farbtönen haben die ihnen gegenüberliegenden Farben auf der Farbpalette einen geringeren Einfluss auf den Appetit. Dasselbe gilt für die Farbe von Lebensmitteln. Wir fühlen uns instinktiv eher zu Pommes frites oder geschmolzenem Cheddar hingezogen als zu Spinat oder Brokkoli. Und wenn die meisten Fast-Food -Ketten Farben bevorzugen, die eher ins Rote tendieren, dann hat das seinen Grund.

Beeinflusst es auch den Geschmack?

Laut einer weiteren ergänzenden Studie , die in der Fachzeitschrift „Food Quality and Preference“ veröffentlicht wurde, beeinflusst auch die Farbe unseres Tellers unseren Geschmackssinn. Zwei Gruppen von Teilnehmern nahmen an dem Test teil: eine Gruppe war sehr aufgeschlossen gegenüber neuen Geschmacksrichtungen, die andere eher wählerisch in ihrer Ernährung. Das Ziel? Den Verdacht auf Lebensmittelneophobie, also die Abneigung gegen neue Lebensmittel, auszuräumen.

Die Kinder, aufgeteilt in zwei Gruppen, probierten Salz- und Essigchips, die in drei verschiedenfarbigen Schüsseln – rot, weiß und blau – serviert wurden. Die Menge war jedes Mal exakt gleich. Nach jeder Verkostung sollten sie angeben, ob die Chips ihnen zu salzig oder zu mild vorkamen, wie intensiv der Geschmack war und ob sie den Snack appetitlich fanden. Zwischen den einzelnen Schüsseln machten sie eine kurze Pause, um ihren Mund mit Wasser auszuspülen und so mit neutralem Geschmacksempfinden weitermachen zu können.

Ein überraschendes Ergebnis: Die Farbe der Schüssel beeinflusste die Wahrnehmung der wählerischsten Kinder. Sie empfanden die Chips in den roten und blauen Schüsseln als salziger als in der weißen. Bei den weniger wählerischen Kindern hingegen hatte die Farbe keinen Einfluss auf die Geschmackswahrnehmung.

Letztendlich geht es nicht darum, rote Teller gegen blaue auszutauschen, um die Portionen zu reduzieren oder Diätvorgaben zu erfüllen. Diese faszinierenden Studien zeigen vor allem, dass die Farbe unserer Teller durchaus eine Rolle spielt. Das sollte uns zu achtsamerem Essen anregen.

Émilie Laurent
Émilie Laurent
Als Wortkünstlerin jongliere ich täglich mit Stilmitteln und perfektioniere die Kunst feministischer Pointen. Mein leicht romantischer Schreibstil hält in meinen Artikeln so manche fesselnde Überraschung für Sie bereit. Ich liebe es, komplexe Themen zu entschlüsseln, ganz wie ein moderner Sherlock Holmes. Geschlechterminderheiten, Gleichberechtigung, Körpervielfalt … Als Journalistin am Puls der Zeit stürze ich mich kopfüber in Themen, die Debatten entfachen. Ich bin ein Workaholic, und meine Tastatur wird ständig auf die Probe gestellt.

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