Die britische Singer-Songwriterin Raye, die oft mit der britischen Sängerin Amy Winehouse verglichen wird, hat sich nun entschieden, diese Vergleiche und den damit einhergehenden Hass im Internet direkt anzusprechen. In einem kürzlich geführten Interview bekräftigt sie ihre Bewunderung für die Camden-Legende und betont gleichzeitig, dass Amy „unersetzlich und unnachahmlich“ sei und bleiben werde.
Eine „Erbin“ wider Willen
Seit ihrem Aufstieg zum Ruhm wird Raye regelmäßig als eine Art Nachfolgerin von Amy Winehouse präsentiert, da ihre Musikwelten aus denselben Quellen des Jazz, Soul und Retro-Einflüssen schöpfen. Sie erklärt, dass sie diese Einflüsse „lebt und atmet“ und nennt Ikonen wie die amerikanische Blues-, Jazz- und Gospelsängerin und Pianistin Dinah Washington, die amerikanische Jazzsängerin Ella Fitzgerald und die amerikanische Jazzsängerin Sarah Vaughan, die ihren Schreib- und Gesangsstil prägen.
Raye weigert sich jedoch, eine Krone zu erhalten, die ihr nicht zusteht. Sie beharrt darauf, dass Amy Winehouses Leistung einzigartig sei und betont, dass kein Künstler, sie selbst eingeschlossen, jemals in der Lage sein werde, „das zu tun, was sie getan hat“.
„Du wirst nie so sein wie sie“: Die Gewalt der sozialen Medien
Hinter den schmeichelhaften Vergleichen verbirgt sich eine viel düsterere Realität: das Cybermobbing, dem Raye seit ihrem weltweiten Durchbruch ausgesetzt ist. Sie berichtet von der Brutalität der Nachrichten, die sie erhält, in denen ihr manche Internetnutzer Sätze an den Kopf werfen wie: „Du wirst nie so sein wie sie. Du bist ein absoluter Versager. Ich ekle dich an, weil du auch nur denkst, du könntest ihr auch nur annähernd ähneln.“ Am meisten erschüttert sie die tragische Ironie dieses Hasses, der oft im Namen der Verteidigung von Amy Winehouse geäußert wird. Laut Raye reproduzieren diejenigen, die vorgeben, ihr Andenken zu schützen, genau die mediale und öffentliche Grausamkeit, die in den 2000er-Jahren zum Niedergang der britischen Ikone beigetragen hat.
Ein schmerzhafter Spiegel mit Amy Winehouse
Ohne sich als Amys Ebenbild oder gar „Doppelgängerin“ darzustellen, räumt Raye ein, eine Parallele zwischen dem Hass, dem sie begegnet, und dem, dem die „Back to Black“-Sängerin ausgesetzt war, wahrzunehmen. Sie stellt klar, dass sie nicht einmal ein Hundertstel dessen erlebt habe, was Amy erdulden musste, gibt aber zu, dass die Atmosphäre der Schikanen und der ständigen Überwachung sie in gewisser Hinsicht daran erinnert.
Raye geht sogar noch weiter und weist auf die mögliche Rolle dieser Gewalt im tragischen Ende von Amy Winehouse hin, die 2011 im Alter von 27 Jahren starb. Seiner Ansicht nach wäre die Künstlerin, wenn sie nicht von den Medien und der Öffentlichkeit so verfolgt, verurteilt und gedemütigt worden wäre, „wahrscheinlich heute noch am Leben“.
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Ein Appell für die psychische Gesundheit von Künstlern
Mit ihrem Zeugnis möchte Raye weniger klagen, als vielmehr auf die Verletzlichkeit von Künstlern aufmerksam machen, die unter ständigem Druck stehen. Sie erinnert uns daran, dass jeder Musiker auch hinter dem Rampenlicht ein verletzlicher Mensch bleibt, dessen Gleichgewicht durch Beleidigungen, Spott und unaufhörliche Vergleiche tiefgreifend gestört werden kann.
Ihre Botschaft klingt wie eine Warnung: Die Verehrung einer Legende sollte niemals als Vorwand dienen, diejenigen zu verunglimpfen, die in ihre Fußstapfen treten. Indem sie sich weigert, Amy Winehouse zu „werden“, ihr aber dennoch Tribut zollt, bekräftigt Raye ihr Recht, so zu sein, wie sie ist, ohne ein zu schweres Erbe tragen zu müssen.
Raye gibt der alltäglichen Gewalt in den sozialen Medien ein Gesicht und zeigt, wie die Bewunderung für eine Ikone zur Waffe gegen andere Künstler werden kann. Indem sie uns daran erinnert, dass Amy Winehouse unnachahmlich ist, lädt sie die Öffentlichkeit vor allem dazu ein, ihre Perspektive zu ändern: das Vermächtnis zu feiern, ohne Imitationen zu fordern, und die psychische Gesundheit derer zu schützen, die tagtäglich ihre Verletzlichkeit durch ihre Musik offenbaren.
