In Kinderhänden findet man oft flauschige braune Bären, Kaninchen mit verrenkten Körpern und Füchse mit seidigen Pfoten. Dieses kleine Mädchen hält jedoch ein ganz besonderes Kuscheltier in den Händen: Es ist am ganzen Körper mit blauen Karomustern bedeckt und hat ein Bein verloren. Mehr als ein Spielkamerad oder ein Kuscheltier zum Einschlafen ist es für sie eine Art Ersatz für ihren Großvater, der ein Bein verloren hat. Und die Bindung, die sie zu diesem maßgefertigten Plüschtier hat, ist wirklich herzerwärmend.
Eine berührende Hommage
Sein Kuscheltier sieht nicht gewöhnlich aus: Es ist einzigartig. Man findet es nicht in Kindergeschäften, die ja bekanntlich Tierheime sind. Seine Silhouette ist mit einem blau-karierten Hemd bedeckt, aber vor allem hat es nur ein Bein, das unter seinem Bauch angenäht ist. Und nein, es ist kein Produktionsfehler. Es hat das andere Bein nicht etwa beim Streit verloren. Auch ist es nicht das Ergebnis eines Reise- oder Abenteuerunfalls.
Während Lotso, der Teddybär aus Toy Story, nach seinem Sturz aus dem Kofferraum mit einem Stock geht, ist dieses Kuscheltier die textile Reinkarnation des Großvaters des kleinen Mädchens, der an einer schweren Krankheit starb. Bevor er im Jenseits Frieden fand, verband Opa und seine Enkelin Millie eine seltene und tiefe Liebe. Die Mutter nannte sie sogar „Seelenverwandte“. Schon mit sechs Jahren backte sie ihm selbstgebackene Kuchen. Das kleine Mädchen, dessen Lebensfreude in ihrem Gesicht strahlt, erinnerte sie unermüdlich an ihre Liebe und übernahm manchmal sogar die Rolle einer kleinen Krankenschwester.
Während manche Kinder Superman, Barbie oder Paw Patrol bewundern, hatte ihr Held weder Umhang noch Plastikbeine; er war auf einen Rollator, eine Magensonde und ein amputiertes Bein angewiesen. Obwohl sie nun durch den Himmel getrennt sind, verbindet dieses symbolische Plüschtier ihre Welten und erinnert sie an ihren liebsten Freund: ihren Großvater.
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Eine starke Verbindung zwischen den Generationen
Kinder schleppen sich beim Besuch ihrer Großeltern meist nur widerwillig dahin, wischen sich bei jeder Begrüßung die Tränen aus den Wangen und stöhnen gelangweilt. Sie haben nicht immer ein enges Verhältnis zu ihren Älteren, aber dieses kleine Mädchen war eine Ausnahme. Solange ihr Großvater noch in seinem Sessel saß und noch nicht zum Engel geworden war, stürmte sie auf seinen Schoß, um sich knuddeln zu lassen, bot an, ihm das Essen zu bringen, und baute gemütliche Höhlen zu seinen Füßen. Die beiden waren unzertrennlich.
Dieses Duo, liebevoll Cactus und Cowboy genannt – eine Anspielung auf ihre trockene Heimat Nevada –, fand stets das Außergewöhnliche im Alltäglichen. Und dieses Kuscheltier, eine perfekte Nachbildung von Opas Aussehen, führt die Tradition auf seine Weise fort. Während das Kuscheltier eine wichtige Quelle emotionaler Unterstützung ist, macht es in dieser generationsübergreifenden Geschichte die Trauer ein wenig erträglicher. Es hat für sie einen unermesslichen sentimentalen Wert. Tatsächlich hängt das junge Mädchen sehr an ihrem persönlichen Kuscheltier. Sie weicht ihm nicht von der Seite und ahmt die zärtlichen Gesten nach, die sie einst ihrem menschlichen Gegenstück entgegenbrachte.
Die Bedeutung von Repräsentationen
Ob im Kinderwagen oder auf dem Kinderbett, im Kindergarten oder auf der bunten Rutsche – Kuscheltiere sehen alle makellos aus. Sie sind perfekt gepflegt, nur ein wenig von Sabber oder Zuneigungsbekundungen gezeichnet. Manche weisen Gebrauchsspuren auf, aber das beweist nur ihre unglaubliche Nützlichkeit. Doch auf dem Spielzeugmarkt teilen „ungewöhnliche“ Kuscheltiere das Schicksal von nicht normgerechtem Obst und Gemüse: Sie werden aus dem Sortiment genommen.
Zum Glück arbeiten vor Ort viele unabhängige Kunsthandwerker mit viel Engagement an der Herstellung einzigartiger Stoffpuppen. So näht beispielsweise ein brasilianischer Großvater Plüschtiere mit Vitiligo-Motiven, während eine amerikanische Mutter Puppen entwirft, die die Behinderung ihrer jungen Besitzer widerspiegeln. Andere wiederum verwenden Kinderzeichnungen als Vorlage, um ihrer Fantasie entsprungene Kuscheltiere zu erschaffen. Um ihrem verstorbenen Großvater ein Andenken zu bewahren und eine bleibende Erinnerung zu schaffen, bat Millies Mutter eine Freundin mit handwerklichem Talent um Hilfe.
Mehr als nur ein Kuscheltier – es ist eine liebevolle Geste, eine berührende Hommage. Neben seinen üblichen Funktionen – Tränen trocknen und Geheimnisse anhören – ehrt es auf wunderschöne Weise die Erinnerung an einen geliebten Menschen. Es ist auch eine schöne Möglichkeit, die eigene Individualität auszudrücken.
