Anders als der „Bierbauch“ bei Männern, der auf übermäßigen Bierkonsum zurückzuführen ist, entsteht der „hormonelle Bauch“ nicht durch einen genussvollen Lebensstil. Er verdeutlicht den weiblichen Körper, der von Hormonen beeinflusst wird und manchmal auch unter ihnen leidet. Diese Gewichtszunahme, die immer noch wenig verstanden und oft fälschlicherweise als Zeichen von Faulheit gedeutet wird, liegt außerhalb unserer Kontrolle. Um den hormonellen Bauch zu „behandeln“, ist Selbstliebe und vor allem Selbstverständnis das beste Mittel, selbst wenn dies drastische Diäten erfordert.
Hormoneller Bauch: Ihn verstehen, um ihn besser zu akzeptieren
In gängigen Frauenzeitschriften wird die hartnäckige Fettpölsterchen am Bauch scharf verurteilt und subtil angedeutet, dass sie unerwünscht sei. Das Problem wird dabei falsch angegangen: Der Fokus liegt auf dem Aussehen statt auf der Ursache. Gibt man „hormoneller Bauch “ in die Suchmaschine ein, findet man meist Tipps, wie man ihn „loswird“ oder Übungen, um ihn zu „korrigieren“, als hinge unser gesamter Charme davon ab. All das verdanken wir dem unglückseligen Mythos vom flachen Bauch, der uns seit unserer Kindheit verfolgt.
Dieser hormonell bedingte Bauchansatz, der bis zur Hüfte reicht und manchmal über den Hosenbund quillt, ist weder ein Makel der Natur noch ein Zeichen von Völlerei. Es handelt sich nicht einfach um „überschüssiges Fett“, sondern um eine subtile Botschaft des Körpers, die manchmal schwer zu deuten ist. Artikel tragen zu unserer Unwissenheit bei und halten uns in der Verleugnung gefangen, indem sie Diäten als einzige Lösung präsentieren.
Der hormonell bedingte Bauch lässt sich jedoch von Detox-Säften und Diätsalaten überhaupt nicht beeinflussen. Anders als der Bauch nach dem Essen, der uns dazu bringt, die Hose aufzuknöpfen, besteht dieser aus viszeralem Fett und geht somit über rein ästhetische Aspekte hinaus. Auch die Lage der Gebärmutter spielt eine Rolle und erzeugt den Eindruck einer Wölbung unterhalb des Bauchnabels. Da im Biologieunterricht weibliche Hormone und der Menstruationszyklus nur kurz angeschnitten wurden, ist es an der Zeit, diese Wissenslücken zu schließen und diesem endlosen Kampf um das eigene Körperbild ein Ende zu setzen.
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Dies kann zu hormonell bedingtem Bauchfett führen.
Im Laufe des Menstruationszyklus verändert sich der Bauch stark und lässt uns oft ratlos vor dem Spiegel stehen. Während der Menstruation verdoppelt er sein Volumen und bleibt prall wie ein Ballon, während er sich in der Follikelphase um einige Zentimeter abflacht. Dies ist ein biologisches Phänomen. Ein dauerhaft sichtbarer hormonell bedingter Bauch deutet jedoch auf ein inneres Ungleichgewicht hin, das sich auch durch zweistündiges Cardiotraining nicht beheben lässt. Der Körper speichert Fett nicht einfach so: Es handelt sich häufig um eine biologische Reaktion auf Stress, Erschöpfung oder natürliche Hormonschwankungen.
Die Rolle von Cortisol (dem Stresshormon)
Cortisol ist einer der Hauptverursacher. Wenn Stress chronisch wird (mentale Überlastung, Druck, Schlafmangel), schaltet der Körper in den Überlebensmodus und speichert vermehrt Energie als Bauchfett. Dies geht oft mit Heißhungerattacken, einem verhärteten oder angespannten Bauch und anhaltender Müdigkeit einher. Zu viel intensives Training oder strenge Diäten können das Problem verschlimmern, da sie den inneren Stress ebenfalls erhöhen.
Insulin- und Zuckermanagement
Insulin reguliert den Blutzucker. Wenn Mahlzeiten häufig zu Blutzuckerspitzen führen (häufiger Zuckerkonsum, Zwischenmahlzeiten, geringe Protein- oder Ballaststoffzufuhr), bleibt der Insulinspiegel hoch, was die Fettspeicherung, insbesondere im Bauchbereich, fördert. Daher kann ein vorgewölbter Bauch auch ohne allgemeines Übergewicht auftreten.
Weibliche Hormone im Konflikt
Bei Frauen beeinflussen der Menstruationszyklus, das Absetzen oder Beginnen hormoneller Verhütungsmittel, das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS), Endometriose oder die Perimenopause den Bauchbereich stark. Schwankungen des Östrogenspiegels können zu Wassereinlagerungen und Fettansammlungen im Unterbauch führen. Ein niedriger Progesteronspiegel kann Blähungen, eine verlangsamte Verdauung und ein Völlegefühl im Bauch verursachen.
Der hormonelle Bauch verrät laut, was der Körper im Stillen erlebt.
Hormonell bedingte Bauchvergrößerungen sind keine Belastung und keine offenkundige körperliche Ungerechtigkeit. Vielmehr sind sie ein Indikator, ein Anlass zur Analyse. Anstatt sie mit drastischen, ja sogar barbarischen Methoden zu bekämpfen, ist es besser, sie zunächst zu deuten und ihre tiefere Bedeutung zu verstehen. Dieser zu Unrecht verteufelte hormonelle Bauch ist ein stilles Signal, kein Grund zur Sorge. Er braucht Ausgewogenheit, keine Einschränkung.
Vergessen Sie die angeblich fettverbrennenden Kräutertees, die Ihnen nur ein schlechtes Gewissen bereiten, und greifen Sie stattdessen zu Heilpflanzen, die nachweislich das hormonelle Wohlbefinden fördern. Himbeerknospenaufguss beispielsweise ist sehr hilfreich bei der Regulierung des Östrogenspiegels, während Zitronenmelisse effektiv Stress abbaut.
Dein Körper sehnt sich nach Sanftmut und Zuneigung, nicht nach Bestrafung. Er versucht dir etwas zu sagen, doch die innere Stimme der Befehle hindert dich manchmal daran, zuzuhören. Du bist nicht das Problem; die Gesellschaft und ihre unzähligen Gebote sind es.
