Ein paar harte Worte genügten, um eine Welle der Selbstermächtigung auszulösen. Konfrontiert mit alltäglicher Diskriminierung aufgrund ihres Gewichts, entschied sich eine Plus-Size-Content-Creatorin für Selbstironie und Selbstliebe. Das Ergebnis: eine strahlende, authentische und zutiefst inspirierende Botschaft.
Eine gängige Beleidigung, eine unerwartete Reaktion
Alles begann mit einem leider typischen, brutalen Kommentar unter einem Video von ihr im Bikini. Zwei Worte genügten, um jahrelange, beiläufige Verachtung zusammenzufassen. Anstatt zu blockieren oder zu löschen, entschied sich Influencerin und Autorin Tova Leigh für eine andere Reaktion: Sie entblößte sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie postete Fotos von sich am Strand, im Badeanzug, mit selbstbewusster Pose und direktem Blick.
Diese Entscheidung ist alles andere als unbedeutend. Wo man Diskretion oder Scham erwarten würde, stellt sie sich gegen Sichtbarkeit und Stolz. Sie zeigt ihren Körper, wie er ist: lebendig, veränderlich, real. Nicht um sich zu rechtfertigen, sondern um in seiner ganzen Fülle zu existieren.
Der reale Körper als politische Antwort
In ihren Fotografien zeigt Tova Leigh offen ihre Kurven, ihre Speckröllchen, die Falten ihres Bauches – jene berüchtigte „Seitenfalte“, die in so vielen Diskussionen noch immer ausgelöscht werden soll. Begleitet von eindringlichen Texten prangert sie die Leichtigkeit an, mit der Fatphobie online geäußert wird, geschützt durch Anonymität und die Distanz der Bildschirme.
Sie erklärt, sie habe das Profil der Person, die den Kommentar abgegeben hatte, eingesehen und dabei die Anwesenheit eines kleinen Mädchens entdeckt. Dies wirft eine entscheidende Frage auf: Welches emotionale Erbe hinterlassen wir, wenn wir die Demütigung des weiblichen Körpers normalisieren? Diese einfache Frage wirkt wie ein Spiegel, der einer ganzen Gesellschaft vorgehalten wird.
„Deine Meinung hat keinerlei Macht über mein Leben.“
In ihrer Bildunterschrift bekräftigt die Influencerin eine zentrale Aussage der Body-Positivity-Bewegung: Die Meinungen völlig Fremder sind wertlos, wenn sie auf Hass basieren. Sie versichert, dass sie ihren Körper so liebt, wie er ist – bedingungslos und ohne jegliche Transformationspläne, um Anerkennung zu erlangen.
Es kehrt auch die emotionale Wirkung der Beleidigung um. Laut ihr offenbart Grausamkeit niemals einen Fehler des Opfers, sondern vielmehr ein tiefes Unbehagen des Täters. Dieser Perspektivwechsel bietet allen übergewichtigen Menschen (kleiner Tipp: Es ist kein Schimpfwort), die täglich mit Urteilen über ihr Aussehen konfrontiert werden, ein wertvolles Instrument zum emotionalen Schutz.
Wenn Körperpositivität zum Akt des Aktivismus wird
Für eine kurvige Frau ist das Posieren im Bikini am Strand keine Selbstverständlichkeit. Dieser oft als feindselig empfundene Ort wird hier zur Bühne für Aktivismus. Indem sie einen ganz normalen Badeanzug trägt – ohne Retusche oder Inszenierung –, trägt Tova Leigh zur Normalisierung dicker Körper bei, die per Definition bereits normale Körper sind.
Ihre Posts funktionieren wie visuelle Slogans. Sie geben all jenen Mut, die sich noch nicht trauen, Raum einzunehmen, sich zu zeigen, das Leben zu genießen. Sie erinnern uns daran, dass das Recht auf Freizeit, Sichtbarkeit und Freude nicht von der Körpergröße abhängt.
Systemische Fettphobie ist immer noch viel zu weit verbreitet.
Die Designerin weist zudem darauf hin, dass Fatphobie sich nicht auf Online-Kommentare beschränkt. Sie durchdringt berufliche, medizinische und soziale Bereiche. Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, Diskriminierung bei der Einstellung, unzureichende Infrastruktur: Das Problem ist nicht der dicke Körper an sich, sondern das System, das ihn ausgrenzt. Seit Jahren prangern engagierte Autor*innen und Kollektive diese strukturelle Gewalt an und fordern einen kollektiven und nachhaltigen Perspektivwechsel.
Eine unverzichtbare Gegenerzählung zur Rückkehr der extremen Dünnheit
Diese Aussage erfolgt zu einer Zeit, in der extreme Schlankheit in Mode und Popkultur ein starkes Comeback feiert, angetrieben von neuen Trends und als Wundermittel präsentierten Lösungen. Angesichts dieses Drucks wirken die körperpositiven und unbefangenen Inhalte von Plus-Size-Influencerinnen wie ein dringend benötigter Lichtblick.
Mit einem Anflug von Ironie schließt Tova Leigh mit dem Hinweis, dass Hass auch Algorithmen füttert. Je mehr Kritik sie erfährt, desto sichtbarer werden ihre Inhalte und desto weiter verbreitet sich ihre Botschaft. Ein brillanter Weg, Gewalt in Druckmittel umzuwandeln und uns daran zu erinnern, dass Selbstliebe eine starke Form des Widerstands sein kann.
