Warum haben manche Menschen laut Psychologie das Gefühl, immer „Pech zu haben“?

Vielleicht kennen Sie jemanden, der behauptet, vom Pech verfolgt zu sein … oder Sie haben vielleicht selbst manchmal dieses Gefühl. Die Psychologie zeigt jedoch, dass dieses Gefühl des Unglücks oft weniger auf tatsächlichem Pech beruht, als vielmehr darauf, wie unser Gehirn Ereignisse interpretiert. Die gute Nachricht: Unsere Wahrnehmung ist nicht statisch.

Das Gehirn behält das Negative leichter.

Der erste Mechanismus, der hier eine Rolle spielt, ist der Negativitätsbias. Vereinfacht gesagt, neigt unser Gehirn dazu, unangenehmen Erlebnissen mehr Gewicht beizumessen als neutralen oder positiven. Ein verspäteter Zug, eine verpasste Nachricht, verschütteter Kaffee auf dem Lieblings-T-Shirt … diese kleinen Unannehmlichkeiten hinterlassen oft einen stärkeren Eindruck als eine reibungslose Reise oder ein problemloser Tag.

Forscher, darunter Roy Baumeister und seine Kollegen, haben gezeigt, dass negative Ereignisse im Allgemeinen eine stärkere psychologische Wirkung haben als positive. Daher kann es sich anfühlen, als würden ständig schlechte Dinge passieren, während gute Zeiten eher unauffällig vergehen.

Wer an Pech glaubt, dem begegnet es überall.

Ein weiterer bekannter Mechanismus ist der Bestätigungsfehler . Wenn jemand glaubt, Pech zu haben, achtet er verstärkt auf alles, was diese Annahme zu bestätigen scheint. Sie verpassen Ihren Bus? „Na klar.“ Sie finden fünf Minuten später den perfekten Parkplatz? Dieses Detail wird wahrscheinlich übersehen.

Das Gehirn neigt dazu, bereits bestehende Überzeugungen zu bestätigen. Wenn Sie sich als Pechvogel sehen, riskieren Sie, gedanklich alle Beweise dafür zu sammeln und dabei alles andere zu vergessen.

Das Gefühl der Kontrolle verändert alles

In der Psychologie spricht man auch vom Kontrollort, einem von Julian Rotter entwickelten Konzept . Es beschreibt, wie wir Ereignisse in unserem Leben erklären. Manche Menschen neigen dazu zu glauben, dass ihr Leben primär von äußeren Faktoren abhängt: Glück, Schicksal, anderen Menschen, Zufall. Dies wird als externer Kontrollort bezeichnet.

Andere glauben, sie könnten durch ihre Entscheidungen, Handlungen oder ihre Einstellung mehr Einfluss auf das Geschehen nehmen. Wenn man das Gefühl hat, alles hänge von äußeren Kräften ab, kann man sich leichter den Ereignissen ausgeliefert fühlen und sich dadurch vom Pech verfolgt fühlen.

Nach mehreren Rückschlägen kann Entmutigung eintreten.

Der Psychologe Martin Seligman entwickelte die Theorie der erlernten Hilflosigkeit. Sie beschreibt, was passieren kann, wenn ein Mensch mehrere negative Erfahrungen nacheinander macht: Er gelangt zu der Überzeugung, keine Macht über das zu haben, was ihm widerfährt.

Eine mögliche Folge: weniger Wagemut, weniger Anstrengung, die Erwartung des Schlimmsten oder gar das Aufgeben, bevor man es überhaupt versucht. Das ist kein Zeichen von mangelndem Wert oder fehlenden Fähigkeiten. Es ist ein psychologischer Mechanismus, der jeden nach einer schwierigen Zeit betreffen kann.

„Glückspilze“ verdanken nicht alles dem Zufall.

Der Psychologe Richard Wiseman untersuchte das Konzept des Glücks mit Hunderten von Teilnehmern. Seine Arbeit legt nahe, dass Menschen, die sich selbst als glücklich betrachten, oft Verhaltensweisen annehmen, die ihnen Chancen eröffnen.

Sie sind beispielsweise offener für Neues, aufmerksamer für ihre Umgebung und eher geneigt, unerwartete Chancen zu ergreifen. Mit anderen Worten: Glück ist nicht immer nur eine Frage des Zufalls, sondern hängt auch damit zusammen, wie man sich in der Welt bewegt.

Das Gehirn sucht überall nach Sinn.

Unser Gehirn liebt es zu verstehen, zu verknüpfen und zu erklären. Selbst wenn Ereignisse völlig unabhängig voneinander sind, sucht es manchmal nach einem gemeinsamen Nenner. Drei kleinere, unerwartete Ereignisse in derselben Woche? Der Verstand könnte schnell schlussfolgern: „Ich habe in letzter Zeit wirklich Pech.“ Dabei ist es manchmal einfach nur Zufall.

Kurz gesagt: Dieses Gefühl ist menschlich. Es bedeutet nicht, dass man zwangsläufig Probleme anzieht. Oftmals spiegelt es vor allem natürliche kognitive Verzerrungen wider. Ein Schritt zurück, die Wahrnehmung dessen, was gut läuft, und das Erkennen der eigenen Ressourcen und Handlungsfähigkeit können die Perspektive verändern. Letztendlich ist „Pech“ manchmal weniger Realität als vielmehr eine Geschichte, die das Gehirn etwas zu laut erzählt.

Fabienne Ba.
Fabienne Ba.
Ich bin Fabienne, Autorin für die Website „The Body Optimist“. Ich bin begeistert von der Kraft der Frauen und ihrer Fähigkeit, die Welt zu verändern. Ich glaube, Frauen haben eine einzigartige und wichtige Stimme, und es ist mir ein Anliegen, meinen Beitrag zur Gleichberechtigung zu leisten. Ich unterstütze nach Kräften Initiativen, die Frauen ermutigen, sich Gehör zu verschaffen.

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