In verschiedenen Regionen der Welt haben jüngste Studien Besorgnis über einen Anstieg frauenfeindlichen und LGBTQIA+-feindlichen Verhaltens unter einigen Jungen an Schulen geweckt. Lange Zeit im Verborgenen oder vereinzelt aufgetreten, scheinen diese Einstellungen heute leider deutlich ausgeprägter zu sein. Pädagogische Teams fragen sich: Wie können wir Werte wie Gleichberechtigung und Respekt in einer digitalen Welt vermitteln, in der die Grenzen verschwimmen?
Ein angespannteres Klima in Quebec
Eine qualitative Studie der Université du Québec à Montréal und der Fédération autonome de l'enseignement an fast 200 Schulen in Québec beschreibt ein sich wandelndes Schulklima. Die Befragten berichteten von einer Zunahme frauenfeindlicher, homophober und transphober Äußerungen sowie von einem offeneren Widerstand gegen feministische Ideen und Vielfalt.
Sexistische Graffiti, beschädigte Regenbogenfahnen, provokante Gesten und die Stigmatisierung von Lehrerinnen, die als Feministinnen wahrgenommen werden: Diese einst marginalen Signale scheinen sich zu vervielfachen. Die Studie hebt zudem den Einfluss bestimmter umstrittener Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hervor, deren antifeministische Positionen in den sozialen Medien weite Verbreitung finden. Diese Diskurse finden mitunter Anklang bei Jugendlichen, die nach Vorbildern, einem Gefühl der Stärke oder Zugehörigkeit suchen.
In Frankreich besorgniserregende Zahlen
In Frankreich zeichnet die Nationale Beobachtungsstelle für geschlechtsspezifische Gewalt an Schulen ein ähnlich besorgniserregendes Bild. Bis 2025 werden fast jede sechste Schülerin der Mittelstufe und jede fünfte Schülerin der Oberstufe angeben, in ihrer Schule Gewalt durch den Partner oder die Partnerin erlebt zu haben. Mädchen machen 85 % der erfassten Opfer aus.
Auch Beleidigungen gegen LGBTQIA+-Schüler*innen nehmen zu, ebenso wie die unbefugte Verbreitung intimer Bilder. Hinter diesen Zahlen stehen talentierte, engagierte und vielversprechende junge Menschen, die in einem sicheren, unterstützenden und respektvollen Umfeld, das ihren Körper und ihre Identität wertschätzt, aufblühen können sollten.
Normalisierung der Sprache im Vereinigten Königreich
Eine 2021 vom Office for Standards in Education veröffentlichte Studie aus Großbritannien hebt die Normalisierung sexistischer Äußerungen bereits im frühen Kindesalter hervor. Einige Schüler berichten, dass abwertende Kommentare als „normal“ oder „nur ein Witz“ wahrgenommen werden, was es erschwert, sie zu hinterfragen.
Der Bericht hebt auch die Problematik des frühen Kontakts mit pornografischen Inhalten hervor, mitunter bereits im Alter von elf Jahren. Bei manchen Jungen prägt dieser Kontakt ein verzerrtes Bild von Beziehungen und Einvernehmen. In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich zu bekräftigen, dass jeder Körper Respekt verdient, dass jede Identität ihren Platz hat und dass wahre Stärke in Empathie und nicht in Dominanz liegt.
In Südkorea, Druck und Antifeminismus
Untersuchungen in Südkorea zeigen, dass Mädchen an Mittelschulen täglich verbalen Übergriffen intimer Natur ausgesetzt sind. Diese Realität findet in einem Umfeld statt, das von hohem akademischem Druck geprägt ist, insbesondere im Zusammenhang mit der „Suneung“-Prüfung, die für die Zulassung zur Universität entscheidend ist.
Gleichzeitig wächst der Einfluss männlich geprägter Online-Influencer. An einigen Gymnasien in Seoul wurden antifeministische Graffiti gemeldet. Auch hier spielen soziale Medien eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung polarisierender Rhetorik, die eine Kultur des Respekts untergraben kann.
Die zentrale Rolle sozialer Netzwerke
Von TikTok bis X (ehemals Twitter) verstärken digitale Plattformen mitunter radikale oder provokante Inhalte. Indem sie die kontroversesten Beiträge hervorheben, tragen Algorithmen dazu bei, zuvor marginalisierte Ansichten zu normalisieren. Für Jugendliche, die ihre Identität noch entwickeln, können diese Botschaften ansprechend wirken, da sie einfache Antworten auf komplexe Fragen bieten.
Angesichts dieser Situation fordern viele Experten eine Stärkung der Bildung in den Bereichen Chancengleichheit, kritisches Denken und Respekt vor Vielfalt. Zu den in Betracht gezogenen Maßnahmen gehören die Weiterbildung von Lehrkräften, der Dialog mit Familien und eine bessere Regulierung des Zugangs Minderjähriger zu bestimmten Inhalten.
Letztendlich unterscheiden sich die Kontexte von Québec über Europa bis nach Asien, doch die Botschaften bleiben dieselben. Mehr denn je ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass jeder Schüler das Recht hat, in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem sein Körper, seine Identität und seine Stimme respektiert werden. Gleichberechtigung zu fördern bedeutet, Selbstvertrauen, Würde und die Freiheit zu stärken, ganz man selbst zu sein.
