Was wäre, wenn der Ruhestand aus Zwischenstopps, Sonnenuntergängen über dem Meer und stets gepackten Koffern bestünde? Genau dafür haben sich Lanette und Johan Canen entschieden, ein Paar Mitte 50, das seinen Alltag auf Hawaii gegen ein Leben an Bord eines Wohnkreuzfahrtschiffs eintauschte. Ein Abenteuer, das ebenso fasziniert wie es Träume weckt.
Ein schwimmendes Haus für die nächsten 15 Jahre
Lanette und Johan leben nun an Bord der Villa Vie Odyssey, einem Schiff, das für eine mehrjährige Weltumrundung konzipiert wurde. Ihre Kabine ist für 15 Jahre garantiert, wodurch das Schiff zu einem wahren schwimmenden Zuhause wird. Die Reiseroute des Schiffes ist beeindruckend: 425 Anlaufhäfen in 147 Ländern, verteilt auf etwa dreieinhalb Jahre. Ein Leben voller Zwischenstopps, Entdeckungen und ständig wechselnder Landschaften.
An Bord genießt das Paar einen sehr strukturierten Tagesablauf. Mahlzeiten, Getränke, WLAN, Zimmerreinigung und Wäscheservice sind im Reisepaket inbegriffen. Diese Vereinbarung ermöglicht ihnen das Reisen mit minimalen finanziellen Einschränkungen.
„Die Leute denken, wir seien reich.“
Das Überraschendste an ihrer Geschichte ist der finanzielle Aspekt. Vor ihrem neuen Leben lebten Lanette und Johan auf Hawaii, einem Ort, der für seine besonders hohen Lebenshaltungskosten bekannt ist. Laut ihren Aussagen würde das Leben auf dem Boot sie letztendlich weniger kosten als ihr vorheriges Leben an Land.
Johan fasst ihre Entscheidung mit einem Satz zusammen, der in den sozialen Medien weite Verbreitung gefunden hat: Viele glauben, man müsse Millionär sein, um dauerhaft auf einem Kreuzfahrtschiff zu leben, doch ihrer Ansicht nach ist diese Lösung günstiger als ihre bisherige Miete und die täglichen Ausgaben. Das Paar erklärt außerdem, dass es sein Autovermietungsgeschäft verkauft hat, bevor es dieses neue Abenteuer begann.
Ein leichteres, weniger überladenes Leben
Abgesehen von der Reise selbst wollten Lanette und Johan vor allem ihren Alltag vereinfachen. Schluss mit dem Anhäufen von Besitztümern, dem Unterhalt eines Hauses und der Belastung durch überflüssige Pflichten. Ihr neues Leben basiert mehr auf Erlebnissen als auf Besitz. Sie schätzen es, mehrere Länder bereisen zu können, ohne bei jedem Halt ihre Koffer neu packen zu müssen.
Seit ihrer Abreise haben sie bereits Reiseziele wie Spanien, Portugal, Gibraltar und die Galapagosinseln erkundet. Für manche stellt diese Vorstellung von absoluter Freiheit fast schon einen modernen Traum dar: die Welt zu sehen und gleichzeitig ein mobiles „Zuhause“ zu haben.
Ein Lebensstil, der fasziniert… aber spaltet
Ihr Alltag löst in den sozialen Medien zahlreiche Reaktionen aus. Manche Internetnutzer träumen von einem solchen Abenteuer und stellen sich vor, alles hinter sich zu lassen und auf See zu leben. Andere sind skeptischer. Platzmangel, die Entfernung zur Familie, die medizinische Versorgung und der eingeschränkte Lebensstil geben Anlass zur Sorge. Auch die Umweltauswirkungen von Kreuzfahrten werden kritisiert.
Umweltgruppen prangern seit Jahren die massive Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe an und zählen sie zu den umweltschädlichsten Schiffen weltweit. Im Durchschnitt stößt ein einzelnes Kreuzfahrtschiff jährlich rund 20.000 Tonnen CO₂ aus, was den jährlichen Emissionen von 10.000 Autos entspricht. Selbst im Hafen verursachen diese Schiffe weiterhin erhebliche Umweltbelastungen: Ein Kreuzfahrtschiff, das eine Stunde lang vor Anker liegt, emittiert so viel CO₂ wie etwa 30.000 langsam fahrende Fahrzeuge. Diese Zahlen befeuern regelmäßig die Debatte um diese Art des Tourismus, die aufgrund ihrer Umweltauswirkungen zunehmend in der Kritik steht.
Trotz der Kritik sagen Lanette und Johan, dass sie ihre Entscheidung nicht bereuen. Für sie bedeutet dieses dauerhafte Leben auf See vor allem eine andere Art zu leben und ihre Zeit zu genießen. Eines ist sicher: Jahrelanges Leben auf See lässt niemanden kalt.
