Was wäre, wenn unsere Haare die Geschichte der Vielfalt der Welt erzählen würden? Von tiefschwarz bis feuerrot – manche Haarfarben sind viel häufiger als andere.
Schwarz und Braun, die großen Gewinner
Es überrascht nicht, dass dunkle Haarfarben weltweit mit Abstand am häufigsten vorkommen. Gängigen Schätzungen zufolge haben etwa 75 bis 85 % der Weltbevölkerung schwarzes (oder sehr dunkelbraunes) Haar, was es zur mit Abstand häufigsten Haarfarbe macht. Es findet sich vor allem in Afrika, Asien, Lateinamerika sowie Süd- und Osteuropa. An zweiter Stelle folgt Kastanienbraun oder Hellbraun, die zweithäufigste Haarfarbe, die von etwa 11 % der Bevölkerung getragen wird. Sie ist besonders in Europa und in Ländern mit einem hohen Anteil an Bevölkerung europäischer Abstammung verbreitet.
Blondes Haar ist seltener, als man denkt.
Entgegen der landläufigen Meinung ist natürliches blondes Haar recht selten: Es betrifft nur 2 bis 3 % der Weltbevölkerung. Es konzentriert sich hauptsächlich auf Nordeuropa, wo einige Bevölkerungsgruppen deutlich höhere Raten aufweisen. Der Eindruck, dass wir es häufiger sehen, rührt daher, dass Blond auch die beliebteste künstliche Haarfarbe ist: Fast drei von vier weißen Frauen probieren sie mindestens einmal in ihrem Leben aus. Dies verzerrt unsere Wahrnehmung der tatsächlichen Anzahl natürlicher Blondinen erheblich.
Rotes Haar, die seltenste Haarfarbe
Die seltenste Haarfarbe ist rotes Haar, das nur etwa 1 bis 2 % der Weltbevölkerung betrifft. Diese Haarfarbe ist auf eine Variante des Gens MC1R zurückzuführen, das rezessiv vererbt wird: Um rote Haare zu haben, muss man die mutierte Version des Gens von beiden Eltern erben. Daher konzentriert sich rotes Haar auf bestimmte Regionen, insbesondere auf den Britischen Inseln – Schottland und Irland weisen weltweit die höchsten Anteile auf.
Eine Frage von Melanin und Genen
Doch woher kommt diese Vielfalt? Sie ist auf Melanin zurückzuführen, das Pigment, das auch Haut und Augen färbt. Es gibt zwei Arten: Eumelanin, verantwortlich für braune und schwarze Farbtöne, und Phäomelanin, das für rötliche und goldene Reflexe sorgt. Ihr jeweiliges Verhältnis bestimmt die Haarfarbe. Dieses Phänomen ist eindeutig genetisch bedingt. Die größte Studie zu diesem Thema, an der fast 343.000 Teilnehmer der UK Biobank teilnahmen, identifizierte die meisten Gene, die die Haarfarbe beeinflussen, und bestätigte damit, wie stark dieses Merkmal vererbbar ist.
Von dem allgegenwärtigen Schwarz bis zum dezenten Rot – die Weltkarte der Haarfarben spiegelt implizit die Landkarte der menschlichen Bevölkerung und ihrer Wanderungen wider. Ein faszinierendes Mosaik, das uns daran erinnert, dass hinter jedem Haar eine lange genetische Geschichte und ein unabdingbarer Anteil des Zufalls steckt.
