Während die Regale in Apotheken und Supermärkten mit UV-Schutzprodukten wie Cremes, Sprays und Stiften überquellen, stellen Frauen in einigen abgelegenen Gebieten Afrikas ihre eigenen Sonnenschutzmittel her. Um der sengenden Sonne zu trotzen, die ihre Haut verbrennt, finden sie ihren ultimativen Sonnenschutz in ihrer natürlichen Apotheke: der Natur. Sie setzen dabei insbesondere auf einen pflanzlichen Stoff, der für seine antioxidativen Eigenschaften bekannt ist.
Tamarindenrinde, eine Alternative zu Sonnenschutzmitteln
Heutzutage quellen Kosmetikregale über vor unzähligen Flaschen mit UV-Index-Angabe, jede überzeugender als die andere. Ob im Taschenformat oder in Familiengröße, als Spray oder Stift, für die Stadt oder zum Schwimmen – moderne Sonnenschutzmittel haben mit den pflasterartigen Sonnencremes von früher nichts mehr gemein. Dank ausgeklügelter Marketingstrategien und sinnlicher Versprechen verwandeln sie eine einst überholte Praxis in ein umfassendes Schönheitsritual. Doch in manchen abgelegenen afrikanischen Dörfern, die an Niemandsland erinnern, ist Sonnenschutz ein Fremdwort. In diesen isolierten Gebieten, wo Wasser knapp ist, gibt es im Umkreis von dreißig Kilometern kein einziges Geschäft.
Die Bewohner, die in Hütten aus Lehm und Stroh leben, führen ein autarkes Leben. Auf einem Kontinent, wo die Hitze die Landschaft verformt und Wellblechdächer verbiegt, verlassen sie sich auf die Wunder der Natur, die zahlreiche Heilmittel bereithält, wenn man sie zu erkennen weiß. Um der sengenden Sonne zu trotzen, reiben die Frauen ihre dunkle Haut mit Tamarindenrinde ein; ihre orangefarbene, selbsthärtende Konsistenz erinnert an rosa Ton.
Der Internet-Indiana-Jones @indianajoseee teilte dieses altbekannte Schönheitsgeheimnis in einem Video. Als wahrer Entdecker der madagassischen Kulturen bereist er Madagaskar, trifft verschiedene ethnische Gruppen und sammelt Geschichten, Traditionen und überliefertes Wissen. In diesem spontanen Schönheits-Tutorial, das auf dem trockenen Boden der Big Island gedreht wurde, reibt eine Frau einen Ockerblock mit Wasser ab und erzeugt so eine Mischung, die farblich perfekt zur Landschaft passt. Sie verteilt sie mit den Fingerspitzen auf den unbedeckten Körperstellen und kreiert so einen individuellen Schutzfilm für ihre Haut.
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Eine uralte Praxis, die von der medizinischen Gemeinschaft bestätigt wurde
Tamarindenrinde ist bekannt für ihre antioxidativen, heilenden und antiseptischen Eigenschaften und ein wichtiger Bestandteil vieler synthetischer Produkte. Sie findet Verwendung in zahlreichen Hautpflegeprodukten, oft in Kombination mit anderen Wirkstoffen. Afrikanische Völker hingegen nutzen sie in ihrer reinsten, rohen Form. Als Geschenk der Natur betrachtet, wirkt Tamarindenrinde ähnlich wie ein UV-Filter.
Unter dem Video, das diese Sonnencreme als ein Produkt der Natur präsentiert, bestätigt ein Arzt die Methode und gibt seine fachliche Einschätzung ab. „Natürlicher Sonnenschutz: Er wirkt wie eine physikalische Barriere (ein Schutzschild), die UV-Strahlen reflektiert. Es ist eine uralte Methode, die Frauen zum Schutz ihrer Haut anwenden“, erklärt Dr. Abdulhadi Jfri.
Eine 2024 im Tropical Journal of Natural Product Research veröffentlichte Studie kam zu demselben positiven Ergebnis und analysierte die Wirksamkeit der Pflanze gegen Sonneneinstrahlung. Komplexe Formulierungen oder hochmoderne biotechnologische Inhaltsstoffe sind nicht nötig, um sich vor Karzinomen und anderen Hautkrebsarten zu schützen: Die Natur bietet alles, was wir für einen perfekten Strandurlaub brauchen, direkt in ihren Blättern.
Schwarze Haut ist ebenfalls den schädlichen Auswirkungen der Sonne ausgesetzt.
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, so hartnäckig wie Sand in den Sandalen. Viele glauben, dunkle Haut sei genetisch bedingt immun gegen die schädlichen Auswirkungen der Sonne. Zwar rötet sich dieser Hautton nicht so schnell wie Porzellanhaut, die schon nach wenigen Minuten ohne Schatten ihre Farbe verändert, doch auch sie benötigt Sonnenschutz.
Dunkle Haut ist zwar widerstandsfähiger gegen die intensive Hitze und die hochentzündlichen Sonnenstrahlen, kann sich aber nicht vollständig selbst schützen. Deshalb gibt es spezielle Cremes für dunkle Haut, die als „melaninresistent“ gekennzeichnet sind. Die Annahme, dunkle Haut sei von Natur aus immun gegen die Sonne, ist ein Irrtum, der ihrer Gesundheit schaden kann.
In den ärmsten Regionen, die von der sengenden Sonne geplagt werden, gibt es Sonnenschutzmittel nur in ihrer natürlichsten Form. Diese Erkenntnis lehrt uns, dass die Lösung für unsere sommerlichen Probleme nicht immer in klimatisierten Regalen zu finden ist. Sie lädt uns ein, uns auf das Wesentliche zu besinnen.
