Brillanz hat ihren Preis: Was die Wissenschaft über die Wahrnehmung intelligenter Frauen enthüllt

Ein Masterabschluss, Mehrsprachigkeit, eine Tätigkeit als Ingenieur und umfassende Allgemeinbildung sind allesamt aussagekräftige Zeichen von Intelligenz. Wissen allein gilt jedoch nicht unbedingt als schmeichelhaft für Frauen. Laut einer seriösen Studie scheinen Menschen mit höherem IQ niedrigere Schönheitsideale zu haben. Der Mythos der oberflächlichen, snobistischen Frau, die sich nur für Make-up interessiert, hält sich hartnäckig.

Wenn Intelligenz zur "schlechten Angewohnheit" wird

In der Popkultur haben geistreiche Frauen, die mit Büchern Geld verdienen, Schach spielen und Konferenzen besuchen, alle ein ähnliches Erscheinungsbild: Sie tragen große Brillen, Outfits, die den Inbegriff von Banalität verkörpern, und perfekt gescheiteltes Haar.

Nehmen wir zum Beispiel Velma aus „Scooby-Doo“: Sie trägt einen großen Rollkragenpullover, einen strengen Bob und eine rechteckige Brille. Frauen hingegen, die umworben werden und mit Schönheitsidealen kokettieren, gelten als oberflächlich. Ihre Gespräche drehen sich ausschließlich um American-Football-Spieler oder ihre nächste Modeanschaffung. Kurz gesagt: Eine intelligente Frau gilt zwangsläufig als gewöhnlich, während eine schöne Frau immer als unkultiviert gilt. Diese Vorurteile, die implizieren, dass Frauen nicht alles haben können, sind tief verwurzelt.

In der allgemeinen Vorstellung kann eine als „schön“ geltende Frau unmöglich über Einsteins Intelligenz verfügen; das scheint fast mathematisch unumstößlich. Es ist, als ob Schönheit und Intelligenz bei Frauen nicht gleichzeitig existieren könnten. Bei Männern ist Intelligenz eine unbestreitbare Eigenschaft, bei Frauen hingegen wirkt sie eher abstoßend. Und nein, das ist nicht nur ein Gefühl. Eine Studie von Forschern der Washington State University und der University of Colorado hat dies bestätigt.

Hartnäckige Vorurteile, die Schönheit und Wissen gleichsetzen.

Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht ermutigend. Die 200 Teilnehmerinnen sollten anhand von Fotos, die sie bei der Arbeit zeigten, ihre Eindrücke von einer Gruppe Frauen schildern. Die Ergebnisse scheinen die Theorie zu bestätigen, dass „je gebildeter man ist, desto unattraktiver wirkt“. Die Mehrheit der Befragten gab an, dass die als attraktivsten empfundenen Frauen weniger ehrlich wirkten als die anderen. Sie wurden außerdem als weniger vertrauenswürdig und eher als potenziell arbeitsunfähig wahrgenommen.

Männer punkten mit Intelligenz und gewinnen an Charisma. Laut dieser Studie gilt für Frauen jedoch das Gegenteil. Warum? Ganz sicher, weil Frauen seit jeher als minderwertig, naiv, verantwortungslos und oberflächlich dargestellt werden. Erinnern wir uns an die Zeit der Objektifizierung der Frau, an das Zeitalter von „Du bist schön, aber halt den Mund“. Leider sind davon noch immer Spuren vorhanden.

Die plausibelste Erklärung ist laut Psychologen jedoch der sogenannte Verdünnungseffekt. Wir neigen dazu anzunehmen, dass jemand, der zwei Dinge gleichzeitig tut, weniger effizient ist als jemand, der sich auf nur eine Sache spezialisiert hat. Kurz gesagt: Wenn eine Frau ihre Zeit mit Büchern von Voltaire verbringt, historische Podcasts hört und Arte schaut, kann sie unmöglich auch körperlich in Bestform sein.

Wenn weibliche Intelligenz Männer erschreckt

Laut einer weit verbreiteten Denkweise können Frauen zwar multitasken – es wird sogar erwartet –, aber sie können nicht alle Eigenschaften gleichzeitig besitzen. Männer haben dieses Privileg, während Frauen sich mit nur einer Stärke begnügen müssen. Mit einer solchen Mentalität werden Frauen, die in ihrem Bereich herausragend sind, elegant auftreten und darüber hinaus Humor besitzen, natürlich als Bedrohung wahrgenommen. Sie erwecken Misstrauen und ziehen Klatsch auf sich. Und das ist nicht das Ergebnis einer feministischen Verschwörung.

Eine 2015 in der Fachzeitschrift „Personality and Social Psychology“ veröffentlichte Studie bestätigt dies. Nach einem Intelligenztest trafen die getesteten Männer auf Frauen, die denselben Test absolviert hatten. Überraschenderweise zeigten sie sich weniger angezogen und deutlich distanzierter zu den Frauen, die im Test besser abgeschnitten hatten. Dies ist schlicht ein Überbleibsel der patriarchalischen Ära, einer Zeit, in der Frauen Schachfiguren waren, keine Königinnen, die ihre Autorität geltend machen konnten.

Wenn intelligente Frauen nicht für ihren wahren Wert gewürdigt werden, liegt das daran, dass sie alles verkörpern, was Männer fürchten. Das heißt aber nicht, dass du deinen Intellekt unterdrücken solltest.

Émilie Laurent
Émilie Laurent
Als Wortkünstlerin jongliere ich täglich mit Stilmitteln und perfektioniere die Kunst feministischer Pointen. Mein leicht romantischer Schreibstil hält in meinen Artikeln so manche fesselnde Überraschung für Sie bereit. Ich liebe es, komplexe Themen zu entschlüsseln, ganz wie ein moderner Sherlock Holmes. Geschlechterminderheiten, Gleichberechtigung, Körpervielfalt … Als Journalistin am Puls der Zeit stürze ich mich kopfüber in Themen, die Debatten entfachen. Ich bin ein Workaholic, und meine Tastatur wird ständig auf die Probe gestellt.

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