Bella Hadid, die lange Zeit ein fester Bestandteil der Laufstege und Modekampagnen war, musste ihre Karriere aufgrund einer Lyme-Borreliose, die in ihrer Jugend diagnostiziert wurde, abrupt unterbrechen. Auch 2023 erholte sich das 29-jährige amerikanische Model noch von einer intensiven Behandlung und erzählte, wie diese erzwungene Pause ihr das Gefühl gab, in einer Branche, in der alles schnelllebig ist und Gesichter im Handumdrehen ersetzt werden, „austauschbar“ zu sein.
Eine erzwungene Auszeit, die ihr das Gefühl gibt, "überflüssig" zu sein.
In einem Interview mit ihrer Schwester Gigi erklärt Bella, dass sie während ihrer intensiven Behandlung gegen Lyme-Borreliose fast ein Jahr lang nahezu alle Angebote ablehnen musste. Sie vertraut an, dass sie von ihren Gefühlen überwältigt war und sich „ersetzbar“ fühlte, sobald sie nicht mehr arbeiten konnte.
Diese Auszeit zwang sie, eine tief verwurzelte Überzeugung zu hinterfragen: Lange Zeit glaubte sie, sie habe kein Recht, einen Job abzulehnen, ihr Wert hänge von der Anzahl der Kampagnen und Modenschauen ab, die sie annahm. Heute behauptet sie das Gegenteil: Ihr Wert habe nichts mit Jobs zu tun, und sie könne Projekte auswählen, die ihren Werten und den Menschen entsprächen, die sie liebe, denen sie vertraue und die sie respektiere.
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Die eigene Karriere überdenken und Grenzen setzen
Bella Hadid erklärt, dass ihre bisherige Arbeitsweise „jahrelang nicht tragbar war“ und erwähnt dabei auch die Covid-Zeit, in der sie kaum zur Ruhe kam. Sie betont nun, wie wichtig ihr ein „echtes Leben“ abseits der Modewelt ist, insbesondere in Texas, wo sie mit ihren Pferden und ihrem Hund lebt – ein Ausgleich, der ihre Arbeit erfüllender macht.
Sie würdigt auch Gigi, die ihr die Bedeutung beruflicher und privater Grenzen vor Augen geführt hat. Für Bella gehört es zu den positiven Energien, die sie am Set und bei Fotoshootings wiederentdecken möchte, ihre eigenen Bedürfnisse sowie die ihrer Angehörigen und Kollegen zu wahren. Diese neue Philosophie ermöglicht es ihr, mit mehr Weitblick in die Branche zurückzukehren, ohne ihre Gesundheit zu vernachlässigen.
Vom Leiden zur Schöpfung: eine neue Herausforderung für eine Schauspielerin
Diese innere Wandlung ging mit einem künstlerischen Wandel einher: Bella ergatterte eine Rolle in „The Beauty“, Ryan Murphys neuer Serie. Der Showrunner forderte sie heraus, indem er ihr eine Figur anbot, die weit entfernt war vom makellosen Image des perfekten Models – etwas, das sie selbst förderte, indem sie ihn bat, sie auf dem Bildschirm „müder“ und unvollkommener wirken zu lassen.
Sie erklärt, dass sie einen Teil ihres körperlichen und seelischen Schmerzes in die Rolle einfließen ließ und so jahrelanges Leiden im Zusammenhang mit der Lyme-Borreliose in ihr Spiel verarbeitete. Für sie ist es zutiefst befriedigend, diese schwere Zeit in Kunst verwandelt zu haben – als ob sie dadurch die Kontrolle über eine Geschichte zurückgewonnen hätte, die ihr lange entglitten war.
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Indem Bella Hadid ihren Kampf gegen die Lyme-Borreliose und ihr Gefühl, „entbehrlich“ zu sein, als sie nicht mehr arbeiten konnte, schildert, bricht sie das Schweigen um die Verletzlichkeit von Models. Ihre Entscheidung, auf ihren Körper zu hören, Nein zu sagen, sich auf die Menschen zu konzentrieren, die sie liebt, und Schmerz in Kreativität zu verwandeln, markiert einen Wendepunkt: den einer Frau, die sich nicht mehr allein über ihren Beruf definiert, sondern über ihre Widerstandsfähigkeit, ihre Grenzen und ihre Fähigkeit, sich neu zu erfinden.
