„Schmerzen zu ignorieren ist nicht mutig.“ Mit diesem Satz fasste Svana Bjarnason ihren 20-jährigen Kampf gegen eine Krankheit zusammen, die noch niemand benannt hatte. Die französisch-isländische Kletterin durchbrach das Schweigen mit entwaffnender Offenheit – und ihre Botschaft fand weit über die Klettergemeinschaft hinaus Anklang.
Zwanzig Jahre Schmerzen ohne Diagnose
Svana Bjarnason leidet seit fast 20 Jahren an Endometriose, doch die Krankheit wurde erst vor Kurzem nach jahrelanger medizinischer Unsicherheit diagnostiziert. Ihr erster Frauenarzt meinte lediglich, es sei „nichts“ und verschrieb Schmerzmittel. Daraufhin bat sie selbst um eine MRT-Untersuchung. Man sagte ihr dann, sie habe „ein bisschen Endometriose“ – eine Formulierung, die der Intensität ihrer Beschwerden in keinem Verhältnis stand.
Letztendlich war es eine auf Endometriose spezialisierte Ärztin, die die genaue Diagnose stellte: schwere tiefe Endometriose mit neuropathischer und ligamentärer Beteiligung. Diese Diagnose brachte ihr Erleichterung: „Endlich konnte ich mir sagen, dass ich nicht verrückt bin“, erklärt sie.
„Andy hatte mir alles genommen.“
In ihrem Instagram-Post vom September 2025 gab Svana Bjarnason ihrer Krankheit einen Namen – „Andy“, kurz für Endometriose – und beschrieb, was sie sie gekostet hatte: „Vor vier Monaten nahm mir Andy alles – mein Lächeln, meinen Lebensmut, meine Pläne. Er ließ nur einen blassen Schatten meiner selbst zurück. Ganze Tage verbrachte ich wartend im Bett. Nächte schluckte ich Schmerzmittel, ohne schlafen zu können. Stundenlang hing ich an einem TENS-Gerät. Minutenlang weinte ich vor Wut. Dutzende Male musste ich mich wegen der Medikamente übergeben. Und so viel Zeit verstand ich überhaupt nichts.“
Zehn Tage vor diesem Instagram-Post hatte sich Svana Bjarnason einer Operation unterzogen. Sie erklärte: „Mein Chirurg, ein Roboter und ich haben endlich gegen Andy gekämpft. Nach einer dreistündigen Operation konnten sie einen 4 cm großen Knoten und alle Endometrioseherde entfernen.“ Ein medizinischer Erfolg nach monatelanger Ungewissheit.
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Das Olympiajahr – Klettern unter Schmerzen
Das Jahr, in dem Svana Bjarnason versuchte, sich für die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu qualifizieren, war unglaublich schwierig: Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit und wiederholte Anfälle. Manchmal kletterte sie direkt nach einem Schmerzensschrei wieder auf den Berg. Ihre Dokumentarserie „The Outsider“, die ihren Weg nach Paris 2024 begleitet, erzählt von diesem chaotischen Weg – den Entbehrungen, den Opfern und dem ständigen Kampf, trotz allem ihre Träume zu verwirklichen. Dieses visuelle Zeugnis spricht Bände darüber, was Krankheit (Endometriose) Sportlerinnen im Stillen ertragen lässt.
„Der Sport hat mich vor der Depression gerettet.“
In ihrem Interview mit ÀBLOCK! erklärte Svana Bjarnason: „Ohne Sport hätte mich die Endometriose in eine Depression gestürzt.“ Klettern war daher ihr Ventil, ihre Therapie und ihr Ansporn, für eine korrekte Diagnose und Behandlung zu kämpfen. Sie betont außerdem einen entscheidenden Punkt, der oft übersehen wird: Die Schmerzen hängen nicht von der Größe der Endometrioseherde ab. Und obwohl jede zehnte Frau betroffen ist, ist die Krankheit nach wie vor wenig erforscht.
Eine Botschaft an alle Frauen
Svana Bjarnason betont, wie wichtig es ist, auf die eigenen Gefühle zu hören und sich an Fachleute zu wenden. Sie wiederholt immer wieder den Satz, der zum zentralen Thema ihrer Geschichte geworden ist: „Es ist nicht mutig, den Schmerz zu ignorieren.“ Sie teilt außerdem praktische Hilfsangebote für betroffene Frauen: die Facebook-Gruppe „Endometriosis and Adenomyosis“, die Website „La Belle et L'Endo“ und das Verzeichnis „EndoFrance“.
Zwanzig Jahre voller Schmerzen, jahrelange medizinische Ungewissheit, eine Operation und ein Satz, der alles zusammenfasst: „Schmerzen zu ignorieren ist kein Mut.“ Svana Bjarnason erzählte nicht einfach nur ihre Geschichte. Sie gab dem einen Namen, was Millionen von Frauen erleben, ohne es in Worte fassen zu können.
