Was wäre, wenn Männern nach einer bestimmten Uhrzeit das Ausgehen verboten würde, ähnlich wie Teenagern in ihrer rebellischen Phase? Diese Regel, die perfekt in eine Serie à la „Black Mirror“ passen würde, findet bei Frauen uneingeschränkte Zustimmung. In den sozialen Medien wünschen sich viele Frauen, dass diese Ausgangssperre Realität wird. Während sie für Männer reine Diskriminierung darstellt, ist sie für sie eine schöne Utopie: das Versprechen sicherer öffentlicher Räume und ungestörter Abendspaziergänge.
Ursprünglich wurde es von einer britischen Baronin verschrieben.
Alle erinnern sich noch an die wiederholten Lockdowns und die verhängte Ausgangssperre. Es fühlte sich fast wie eine Strafe für Kinder an. Damals sprachen die Medien praktisch von einem apokalyptischen Szenario. Durch die nächtliche Isolation fühlten sich die Bewohner wie Gefangene in Käfigen. Eine britische Baronin ließ sich von dieser strengen Pandemiemaßnahme inspirieren, als sie Empfehlungen zur Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Gewalt und der sexuellen Belästigung auf der Straße aussprach.
In einer Rede im House of Lords des britischen Parlaments am Tag nach dem Internationalen Frauentag 2021 schlug Jenny Jones, Mitglied der Grünen Partei, vor, eine Ausgangssperre für Männer ab 18 Uhr einzuführen. Dies sei die Zeit, zu der Frauen auf den Straßen schneller unterwegs seien und sich nach hinten umsehen würden.
Im Allgemeinen sind es Frauen, die sich nach Einbruch der Dunkelheit aus Angst vor einer gefährlichen Person einschließen und schließlich im Kofferraum eines Autos von einem Angreifer überfallen werden. Laut einer groß angelegten Studie fühlen sich 80 % der Frauen zwischen 18 und 25 Jahren nachts unsicher, wenn sie allein unterwegs sind. Diese Beobachtung ist international: In der Dämmerung zensieren sich Frauen selbst und meiden öffentliche Plätze. Im Bewusstsein dieser traurigen Realität wollte die Politikerin diesen Trend radikal umkehren.
@yahoonews Jenny Jones schlug am 10. März während einer Debatte über häusliche Gewalt eine Ausgangssperre für Männer ab 18 Uhr vor. #Nachrichten #Politik #SarahEverard #YahooNews ♬ Originalton - Yahoo News
In den sozialen Medien finden die Ideen bei Frauen Anklang.
Diese für Männer unumstößliche Ausgangssperre erinnert an die Handlung der Serie „Der Report der Magd“, allerdings aus einer anderen Perspektive. Um diese von der Opposition als extrem kritisierte Idee zu verteidigen, erklärte die britische Baronin : „Ich bin überzeugt, dass dies die Sicherheit von Frauen deutlich verbessern und Diskriminierung jeglicher Art verringern würde.“
Und sie brauchte kein Megafon, um ihre Stimme der weiblichen Öffentlichkeit hörbar zu machen. In den sozialen Medien stellen sich Frauen mühelos eine nächtliche Gesellschaft vor, in der sie in Miniröcken flanieren, ohne auf die Uhrzeit zu achten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren und unter Straßenlaternen joggen gehen können.
Weibliche Internetnutzerinnen machten keinen Hehl aus ihrer Begeisterung für das, was als konkreter Gesetzesentwurf und nicht nur als utopische Theorie präsentiert wurde. „Könnte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben sicher fühlen?“, rief @sophiemitchhh aus. Diese Idee, die das Sprichwort „Frauen gehören nach Hause“ auf Männer anwendet, findet großen Anklang bei vielen Frauen. Doch diese „schockierende“ Maßnahme wirft auch Fragen zur Gleichstellung der Geschlechter auf. „Ist das nicht eine neue Form der Diskriminierung?“, fragen sich die Internetnutzerinnen unisono.
Die Männer ihrerseits fühlen sich ins Visier genommen.
Als die Männer von diesem Vorschlag erfuhren, der kein Scherz war, stürzten sie sich spontan auf ihre Tastaturen. Sie protestierten lautstark. Einige gaben sich als trauernde Opfer oder gar als ewig Unterdrückte aus. Andere, deren Ego gekränkt war, wollten unbedingt ihre Nützlichkeit beweisen und hielten sich für unentbehrlich für die öffentliche Ordnung. „Wenn keine Männer auf den Straßen sind, wer soll dann das Gesetz durchsetzen?“ „95 % der Feuerwehrleute sind Männer.“ Solche Argumente findet man häufig als Reaktion auf Jenny Jones’ Aussage.
Aufgeklärtere Frauen und Männer sind der Ansicht, dass diejenigen, die sich über diese Praxis empören, den Kern der Sache völlig verfehlt haben. Die Idee, Männer zu isolieren, um sie zu neutralisieren, ist in erster Linie ein Hilferuf, ein Versuch, auf das Problem aufmerksam zu machen. Der Politiker sieht sich gezwungen, diese drastische Maßnahme vorzuschlagen, um das kollektive Bewusstsein zu schärfen und ein weit verbreitetes Problem anzuprangern.
Denn gäbe es keine Unsicherheiten, hätte sie nicht nach so drastischen Lösungen suchen müssen. „Ich habe auf die Anweisung der örtlichen Polizei, dass Frauen nachts nicht allein ausgehen sollten, reagiert, indem ich die Idee komplett auf den Kopf gestellt habe“, erklärte Jones später in einem Facebook-Post.
Für viele Frauen bleibt die Nacht eine Zeit der Überwachung, eine Zeit, in der Wege sorgfältig geplant, Schlüssel zu diskreten Selbstverteidigungsmitteln und das Telefon stets griffbereit ist, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Diese Maßnahme, eher symbolisch als praktisch, ist kein naives Ideal. Sie spiegelt einen zutiefst weiblichen Traum wider: den eines sicheren, gleichberechtigten öffentlichen Raums, in dem Frauen nicht an jeder Straßenecke ihr Leben riskieren müssen.
