Kleidung mit Slogans lässt sich problemlos in Alltagsoutfits integrieren. Diese Socken hingegen tragen keine feministischen Slogans oder positive Botschaften, sondern Beleidigungen, die als feminine Ausdrücke getarnt und durch Glitzer und Pastellfarben abgemildert werden. Diese als modisches Statement präsentierten Beleidigungen perpetuieren Sexismus selbst in der Modewelt. Eine Content-Creatorin hält diese Designentscheidung für frauenfeindlich und ruft zum Boykott dieser unvorteilhaften Stoffe auf.
Kontroverse antifeministische Socken
In den Läden werden Modeartikel zu Grabinschriften, ja sogar zu Werbetafeln. T-Shirts wirken wie beschriebene, leere Blätter Papier, während Accessoires einprägsame Sätze oder Schlüsselwörter präsentieren, die sofort die Stimmung heben. Diese Kleidung ist besonders ausdrucksstark. Positive Lebensweisheiten prangen in Großbuchstaben auf der Brust. Aktivistische Slogans, auf Blusen gestickt, verwandeln den Körper in ein lebendiges Plakat.
Im Allgemeinen sind diese an Poster erinnernden Modestücke recht schmeichelhaft. Zugegeben, die mittig aufgedruckten Zitate wirken manchmal kitschig oder scheinen einem alten Skyblog entlehnt zu sein, aber sie sind harmlos. Doch ein Paar Socken, zufällig auf einem Regal zwischen Süßigkeitenketten und mit Dollarzeichen verzierten Geburtstagsgläsern entdeckt, stört diese hehre Harmonie.
Statt Selbstliebe und Selbstachtung zu fördern, greifen diese Socken Frauen grundlos an. „Schlampe“, „verrückt“, „Nutte“ und andere „lustige“ Beleidigungen zieren diese Socken, die ganz offensichtlich nicht dazu gedacht sind, unser Selbstvertrauen zu stärken. Als humorvolles Geschenk oder Gag präsentiert, sind sie in Wirklichkeit ein reines Produkt von Sexismus. Weit davon entfernt, das Selbstwertgefühl zu stärken, untergraben sie es und spiegeln eine Denkweise wider, die das genaue Gegenteil von Positivität ist. „Wir müssen uns unbedingt der energetischen Wirkung dieser Worte bewusst sein, wenn wir sie tragen“, erklärt @ jade.fitoussi, eine Content Creatorin, die sich mit Selbstreflexion beschäftigt und spirituelle Retreats leitet.
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Das Problem: Es gibt kein oder nur sehr wenige männliche Entsprechungen.
Diese mit Glitzer bestreuten Socken in fröhlichen Farben, die einen starken Kontrast zu den groben Botschaften auf ihnen bilden, werden wohl kaum zu geschwollenen Knöcheln führen. Weit entfernt von den liebenswerten Sprüchen in Selbsthilfebüchern, richten sie sich fast immer an Frauen.
Männer hingegen dürfen mit milderen Bezeichnungen wie „charmant“, „Champion“, „idealer Schwiegersohn“ oder auch „kleiner Kerl“ bedacht werden. Auf den Webseiten von Anbietern finden sich jedoch deutlich härtere, das genaue Gegenteil von Komplimenten darstellende Ausdrücke wie „Aufreißer“, „Verlierer“ und „geizig“. Einzelhändler führen diese Bezeichnungen jedoch selten in ihrem Sortiment. Und das ist alles andere als Zufall oder bloß eine Geschmacksfrage. Diese Ungleichbehandlung von Männern und Frauen ist ein wiederkehrendes Problem.
In einer Gesellschaft, die ehrgeizige Männer feiert, ihre weiblichen Pendants aber als karriereorientierte Söldnerinnen abstempelt und Männer mit Superlativen überschüttet, während sie Frauen massiv kritisiert, ist es nicht verwunderlich, dass Socken auftauchen, die Frauen erniedrigen und Männer bestärken. „Solange wir das lustig finden und solche Äußerungen tolerieren, wird es immer Ungleichheit geben“, fügt @theafourdrinier, von Beruf Anwältin, hinzu.
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Die Reaktion auf dieses aggressive Design wird durch die Verwendung positiver Worte verstärkt.
Diese Socken, direkt aus patriarchalischen Denkmustern entsprungen, können unser Selbstwertgefühl beeinträchtigen und unser Denken beeinflussen. Sie haben dieselbe Wirkung wie die gemeinen Spitznamen, die man auf dem Schulhof hört. Sie gehören eher in die Startbox von Hassern oder Macho-Anhängern als an die Füße von Frauen, die Besseres verdienen als diesen Ausbruch verbaler Gewalt. „Jedes Wort hat eine Schwingung, einen Einfluss auf unsere Stimmung, unseren Cortisolspiegel, unsere Muskelspannung“, erinnert @jade.fitoussi, die sich für die Wahl höflicherer und weniger erniedrigender Stoffe einsetzt.
Und nicht etwa Kleidung mit dem Aufdruck „Hübsche Dame“, die Frauen wieder einmal auf ihr Aussehen reduziert, noch T-Shirts mit dem Aufdruck „Miss Perfektion“, die ein unerreichbares Ideal propagieren. Nein, Stücke mit dem Wort „Liebe“ als Hauptmotiv oder Lobeshymnen in der Ich-Form auf der Vorderseite eines Shirts. Denn Blumen sind mehr wert als Stacheln.
Diese mit Beleidigungen übersäten Socken fallen hart auf. Auch wenn Beleidigungen unter Freundinnen ein Codewort sein können, wirken sie im Supermarktregal wie ein gezielter Angriff, versteckter Hass oder gar der Versuch, jemanden herabzusetzen. Stattdessen entscheiden wir uns für Modelle, die uns gut stehen, verziert mit Aufschriften wie „cool“ oder „Girlpower“.
