Erlebt der Gehrock dank der Serie „Bridgerton“ ein großes Comeback?

Lange Zeit nur in historischen Romanen und Epen zu sehen, schien der Gehrock der Vergangenheit anzugehören. Doch seit dem Erfolg der „Bridgerton“-Reihe ist dieser lange, elegante Mantel wieder in zeitgenössischen Kollektionen aufgetaucht. Ein bloßer Effekt der Serie oder eine echte Moderenaissance?

"Bridgerton", ein Beschleuniger schicker Nostalgie

Die seit 2020 auf Netflix verfügbare Serie „Bridgerton“, basierend auf den Romanen von Julia Quinn, etablierte eine extravagante, romantische und selbstbewusste Ästhetik der Regency-Ära. Während Kleider mit Empire-Taille und korsettierte Silhouetten sofort ein Erfolg waren, hinterließen auch die Anzüge der Herren einen bleibenden Eindruck.

Unter ihnen stach der Gehrock besonders hervor. Ein langer, taillierter Mantel mit betonten Schultern, tiefen Farben und mitunter einer dezenten Schleppe: Dieses Kleidungsstück verkörpert eine theatralische und zugleich kontrollierte Eleganz. Auf der Leinwand unterstreicht er die Präsenz von Figuren (sowohl Männern als auch Frauen) und verleiht der Silhouette selbstbewusst Struktur. So feiert der Gehrock, der einst als altmodisch galt, sein Comeback in der Modewelt.

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Ein geschichtsträchtiger Raum

Der Gehrock tauchte Ende des 18. Jahrhunderts auf. Sein Name leitet sich vermutlich vom englischen „riding coat“ ab, einem ursprünglich zum Reiten entworfenen Mantel. Schnell von der europäischen Aristokratie übernommen, entwickelte er sich zu einem eleganten städtischen Kleidungsstück und einem Symbol gesellschaftlicher Stellung.

Im 19. Jahrhundert etablierte er sich als Eckpfeiler der formellen Herrenmode: ein taillierter Schnitt, elegante Länge und makellose Verarbeitung. Im Laufe des 20. Jahrhunderts geriet er dann allmählich in Vergessenheit und machte kürzeren, praktischeren Mänteln Platz. Doch er lebt im kollektiven Gedächtnis weiter und taucht in romantischer Literatur und Historienfilmen auf.

Heute ist seine Rückkehr nicht einfach nur eine historische Kopie. Es ist eine Neuinterpretation, freier, inklusiver (geschlechtsneutral) und vor allem besser für Ihren Alltag geeignet.

Vom Laufsteg auf die Straße: ein neu interpretierter Gehrock

Lange vor dem durch „Bridgerton“ ausgelösten Hype hatten bereits mehrere Designer historische Vorbilder aufgegriffen. Dior bot modernisierte Versionen an und spielte dabei mit Materialien und Formen. Bei Louis Vuitton, unter der Leitung von Nicolas Ghesquière, erinnerten bestimmte Silhouetten bereits an den Gehrock und wurden mit urbaneren Kleidungsstücken wie Sneakers oder Shorts kombiniert.

John Galliano, ein Verfechter theatralischer Kleidung, hat diese Ästhetik ebenfalls in seinen Kollektionen aufgegriffen. Ralph Lauren bot bereits 2006 eine bestickte Denim-Version an – ein Beweis dafür, dass der Gehrock Zyklen unterliegt.

Heute ist es kürzer, legerer und in leichter Wolle, Denim und sogar in farbenfrohen Varianten erhältlich. Es verlässt die rein maskuline Garderobe und umschließt alle Silhouetten. Und genau darin liegt seine Stärke: Es strukturiert, ohne einzuengen, es betont, ohne zu einengen.

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Romantik, Version von 2026

Die Rückkehr des Gehrocks ist Teil eines umfassenderen Trends: der Sehnsucht nach einer neu interpretierten Romantik, oft als „Poetcore“ bezeichnet. Blusen mit Schleifenkragen, Puffärmel, bestickte Westen … die Mode interpretiert das 19. Jahrhundert modern. In diesem Kontext wird der Gehrock zum Schlüsselelement. Er erzählt eine Geschichte. Er verleiht Ihrem Outfit Charakter. Er betont Ihre Haltung, hebt Ihre Schultern hervor und definiert auf Wunsch Ihre Taille. Unabhängig von Ihrer Figur kann dieser strukturierte Schnitt Ihre natürlichen Linien unterstreichen und Ihre Ausstrahlung verstärken.

Wie kann man es ohne historisches Kostüm annehmen?

Ein Gehrock mag zwar auf den ersten Blick imposant wirken, lässt sich aber mühelos in eine moderne Garderobe integrieren. Für einen lässig-eleganten Look tragen Sie ihn offen über einer schmalen Jeans und einem schlichten T-Shirt. Das verleiht Ihrem Outfit sofort Stil. Zu einem fließenden Kleid oder Midirock kombiniert, erzeugt er einen eleganten Kontrast zwischen Struktur und Bewegung. Mit einem Gürtel betont er die Taille und schmeichelt Ihrer Figur.

Im Büro kann es einen klassischen Blazer ersetzen. Kombiniert mit einer hochgeschnittenen Hose und einer eleganten Bluse, verleiht es einem professionellen Look einen modernen Touch und ist dabei gleichzeitig bequem. Es geht nicht darum, sich besonders schick zu machen, sondern ein Statement-Piece zu setzen, das die eigene Persönlichkeit unterstreicht.

Der Einfluss von Fernsehserien auf die Mode ist unbestreitbar. „Bridgerton“ hat zweifellos das Interesse am Gehrock neu entfacht, aber die Serie ist nicht allein dafür verantwortlich. Seit einigen Saisons durchforstet die Mode die Archive, um die Gegenwart neu zu erfinden. In einer von Minimalismus geprägten Welt bietet der Gehrock eine strukturierte, erzählerische und ausdrucksstarke Alternative. Eine elegante Möglichkeit, mit Selbstbewusstsein und Stil Aufmerksamkeit zu erregen.

Fabienne Ba.
Fabienne Ba.
Ich bin Fabienne, Autorin für die Website „The Body Optimist“. Ich bin begeistert von der Kraft der Frauen und ihrer Fähigkeit, die Welt zu verändern. Ich glaube, Frauen haben eine einzigartige und wichtige Stimme, und es ist mir ein Anliegen, meinen Beitrag zur Gleichberechtigung zu leisten. Ich unterstütze nach Kräften Initiativen, die Frauen ermutigen, sich Gehör zu verschaffen.

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