Was wäre, wenn ein einfacher Bluttest Ihre Gesundheitsrisiken im kommenden Jahrzehnt aufdecken könnte? Forscher haben nun einen Test entwickelt, der durch die Analyse spezifischer Plasmaproteine das Risiko eines vorzeitigen Todes abschätzen kann.
Tausende vermeidbare Todesfälle jedes Jahr
In Westeuropa sterben fast 20 % der Männer und 11 % der Frauen vor dem 70. Lebensjahr, häufig an Ursachen, die mit beeinflussbaren Faktoren zusammenhängen: Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung usw. Laut einer Studie von BMC Medicine mit 260.000 Erwachsenen sind diese sechs Faktoren für bis zu 57 % der vorzeitigen Todesfälle verantwortlich. Angesichts dieser tragischen Realität entwickelt sich die Medizin hin zur Früherkennung unsichtbarer Risikofaktoren, noch bevor Symptome auftreten.
Zehn prädiktive Proteine identifiziert
Anhand von Daten der UK Biobank (38.150 Personen im Alter von 39 bis 70 Jahren) identifizierten Forscher mithilfe von maschinellem Lernen Hunderte von Blutproteinen, die mit einem erhöhten Sterberisiko innerhalb von 5 bis 10 Jahren in Verbindung stehen. Zehn Schlüsselmarker kristallisierten sich heraus: PLAUR, SERPINA1 und CRIM1, die an Entzündungsprozessen, der Zellregulation und dem Gefäßumbau beteiligt sind. Ihre Blutmessung ermöglicht eine Vorhersagegenauigkeit von 62 bis 68 % und ist damit herkömmlichen, auf Alter oder Lebensstil basierenden Modellen überlegen. Diese frühen biologischen Signale weisen auf Organschwächen hin, die noch reversibel sind.
Antizipatorische Medizin am Horizont
Dieser Test diagnostiziert keine spezifischen Krankheiten, sondern weist auf eine allgemeine Anfälligkeit hin. Bei scheinbar gesunden Personen würde ein erhöhtes Proteinrisiko eine engmaschigere Überwachung, weitere Untersuchungen oder eine personalisierte Prävention erforderlich machen. Experten wie Nophar Geifman (Science Alert) betonen, dass „diese Biomarker Ungleichgewichte aufdecken, die mit herkömmlichen medizinischen Methoden nicht erkennbar sind“. Die Herausforderung: den Wandel von der kurativen zur prädiktiven Medizin.
Von der Forschung bis zur Arztpraxis
Die klinische Integration mag zwar noch Zukunftsmusik sein, doch dieser Bluttest könnte unser Verhältnis zur Gesundheit grundlegend verändern. Er würde über die reaktive Symptomüberwachung hinausgehen und die proaktive Erkennung langfristiger Risiken ermöglichen. Das ultimative Ziel: die Tausenden vermeidbaren Todesfälle, die jedes Jahr durch frühzeitiges und gezieltes Eingreifen zu beklagen sind, drastisch zu reduzieren.
Durch die Aufdeckung bisher unentdeckter biologischer Signale eröffnet dieser Bluttest ein neues Feld in der medizinischen Prävention. Er ersetzt zwar weder die klinische Überwachung noch die Anpassung des Lebensstils, könnte aber zu einem wichtigen Instrument werden, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
