Sie steuert ein Flugzeug mit den Füßen, fährt ein Auto ohne Umbauten und vollführt Kata auf den Tatami-Matten: Jessica Cox, die 1983 ohne Arme geboren wurde, ist eine der inspirierendsten Persönlichkeiten unserer Zeit, und ihre Geschichte verblüfft die Welt weiterhin.
Ohne Arme geboren, ohne Grenzen aufgewachsen
Jessica Cox wurde am 2. Februar 1983 in Sierra Vista, Arizona, ohne Arme geboren – aufgrund einer seltenen angeborenen Erkrankung, deren genaue Ursache Ärzte nie feststellen konnten. Schon als Baby legte ihre Mutter Spielzeug in ihr Kinderbett, das sie mit den Füßen leicht erreichen konnte. Jessica weigerte sich, sich als anders zu sehen, meisterte alltägliche Aufgaben mit ihren Füßen und hat stets alle Erwartungen übertroffen.
Seit ihrem 14. Lebensjahr benötigt Jessica Cox keine Prothesen mehr. Mit ihren Füßen kann sie ohne Hilfsmittel Auto fahren, 25 Wörter pro Minute tippen, ihren Tank füllen und ihre Kontaktlinsen einsetzen und herausnehmen.
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Schwarzgurt im Taekwondo mit 14 Jahren – eine Weltpremiere
Jessica Cox begann im Alter von 10 Jahren in einer Schule in ihrer Heimatstadt mit dem Taekwondo-Training. Mit 14 Jahren erwarb sie ihren ersten schwarzen Gürtel – als erste Person ohne Arme, der dies in der American Taekwondo Association gelang. Ihre Trainer mussten einen komplett angepassten Lehrplan entwickeln, um das Training auch zukünftigen Schülern ohne Arme zu ermöglichen – ein Fortschritt im Bildungsbereich, der weit über Jessicas persönliche Erfahrung hinausreicht. Jessica Cox trägt heute den 4. Dan im Taekwondo.
Pilot – trotz Flugangst
Nach ihrem Psychologiestudium an der University of Arizona im Jahr 2005 wurde sie bei ihrer Abschlussfeier von einem Kampfpiloten angesprochen, der ihr einen Mitflug anbot. Obwohl ihre größte Angst das Fliegen war, führte sie ihre „Warum nicht?“-Mentalität zur außergewöhnlichsten Herausforderung ihres Lebens.
Nach drei Jahren Ausbildung und Tests mit vier Flugzeugen in drei verschiedenen Bundesstaaten erhielt Jessica Cox am 10. Oktober 2008 ihre Pilotenlizenz auf einer Ercoupe 415-C aus dem Jahr 1946 – einem Flugzeug, das ohne Steuerpedale konstruiert wurde und das sie mit einem Fuß am Steuerknüppel und dem anderen am Gashebel steuert.
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Ein Guinness-Weltrekord und weltweite Anerkennung
Guinness World Records selbst verlieh ihr den Titel „erste Frau, die ein Flugzeug mit den Füßen steuerte“. Ihr Dokumentarfilm „Right Footed“ (dt. „Mit den Füßen“), unter der Regie des amerikanischen Dokumentarfilmers und Autors Nick Spark, gewann 17 Auszeichnungen, darunter den Preis für den besten Dokumentarfilm beim Mirabile-Dictu-Festival im Vatikan, bevor er in 80 Ländern auf National Geographic ausgestrahlt wurde. Ihre Geschichte ist nun Teil der Renovierung des National Air and Space Museum in Washington, D.C.
Redner, Gründer und Aktivist
Neben ihren persönlichen Erfolgen gründete Jessica Cox die Rightfooted Foundation International, eine Nichtregierungsorganisation, die sich für Kinder mit angeborenen Gliedmaßenfehlbildungen einsetzt und sie zu einem selbstbestimmten und erfüllten Leben befähigt. Seit 18 Jahren hält sie Vorträge in 28 Ländern vor bis zu 40.000 Zuhörern. Ihr Motto spricht für sich: „Denk über den Tellerrand hinaus.“
Letztendlich hat Jessica Cox nicht nur bewiesen, dass man ohne Arme leben kann – sie hat bewiesen, dass man fliegen, kämpfen und, was am wichtigsten ist, Millionen von Menschen ohne sie inspirieren kann. Sie schreibt weiterhin eine Geschichte, die sich niemand sonst hätte ausdenken können.
