Zwischen Benachrichtigungen, kurzen Videos und endlosem Scrollen sucht die Generation Z manchmal nach der „Pause“-Taste. Was wäre, wenn die Lösung so einfach wäre wie ein paar Buntstifte und ein schönes Malbuch? Ausmalen erlebt gerade ein Revival und bietet eine kreative, entspannende und absolut bildschirmfreie Auszeit.
Coloring, der neue analoge Durchbruch
Man muss kein Künstler sein und auch keine dreistündige Malstunde einplanen. Zum Ausmalen braucht man nur ein paar Filzstifte, Bleistifte und ein Notizbuch. Man wählt seine Farben, malt die Motive in seinem eigenen Tempo aus und in wenigen Minuten verwandelt sich eine leere Seite in ein kleines, persönliches Kunstwerk.
Es ist genau diese Einfachheit, die so ansprechend ist. Ausmalen ist zugänglich, intuitiv und stressfrei: keine Lernziele, keine Noten, die erreicht werden müssen, kein perfektes Ergebnis, nach dem man streben muss. Man kann sich einfach zurücklehnen und den Moment genießen.
Dieser Trend ist Teil einer umfassenderen Bewegung: der Rückkehr zu analogen Aktivitäten. Bis 2026 werden einige Angehörige der Generation Z ein Buch, eine Digitalkamera, ein Sudoku-Rätselbuch, Häkelzeug oder Malbücher in ihre „Analogtasche“ packen. Das Ziel? Den reflexartigen Blick aufs Smartphone zumindest vorübergehend durch greifbarere Aktivitäten zu ersetzen.
Wenn soziale Medien die Bleistifte zurückbringen
Das Lustigste an dieser Geschichte? Ausmalen verdankt seinen erneuten Boom unter anderem den sozialen Medien. Auf TikTok, Instagram und Pinterest sieht man in Videos zum Thema „Gemütliches Ausmalen“ ordentlich aufgereihte Stifte, niedliche Illustrationen, Pastellfarben und das sanfte Rascheln von Papier. Solche Inhalte machen Lust, sich selbst hinzusetzen und auszumalen – so wird aus einer einst mit der Kindheit verbundenen Aktivität ein echtes Lifestyle-Erlebnis.
Auch Malbücher haben sich stark verändert. Von Café-Szenen und kleinen Häusern über Tiere, Fantasielandschaften und -welten bis hin zu grafischen Mustern und Popkultur-Anspielungen gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Motiven, mit denen man seine Auszeit individuell gestalten kann. Diese Beliebtheit spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider. Laut Nielsen-Daten, die von Le Pèlerin zitiert werden, wurden 2025 mehr als 2,5 Millionen Malbücher für Erwachsene verkauft. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 wurden bereits fast 1,2 Millionen Exemplare abgesetzt. Zu den beliebtesten Formaten zählen die „Cozy Coloring Books“ mit ihren einfachen, warmen und beruhigenden Illustrationen.
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Eine Aktivität, bei der Perfektion keinen Platz hat
Der wahre Reiz des Ausmalens liegt vielleicht in seinem Rhythmus. Die gleichen Bewegungen wiederholen, eine Farbe auswählen, eine Form ausfüllen: Diese Routine ermöglicht es, zur Ruhe zu kommen und die Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit zu richten, die fernab digitaler Ablenkungen liegt.
Sie können daraus ein kleines Ritual machen, ganz wie es Ihnen passt: fünfzehn Minuten nach dem Unterricht, ein paar Seiten in öffentlichen Verkehrsmitteln oder ein ruhiger Moment vor dem Schlafengehen. Es geht nicht darum, einen Rekord zu brechen oder ein galeriereifes Meisterwerk zu schaffen. Eine ungewöhnliche Farbe? Umso besser. Eine ungewöhnliche Farbpalette? Warum nicht?
Natürlich ist Ausmalen kein Ersatz für medizinische Hilfe bei starkem Stress oder Angstzuständen. Es kann aber durchaus zu den kleinen Gewohnheiten gehören, die eine Auszeit angenehmer gestalten und für Abwechslung im Alltag sorgen.
Der sehr reale Wunsch, die Bildschirmzeit zu reduzieren
Der Wunsch nach einer Auszeit vom Bildschirm kommt nicht von ungefähr. Eine YouGov-Umfrage, über die Axios berichtete, ergab, dass 47 % der unter 30-Jährigen aktiv versuchen, ihre Bildschirmzeit zu reduzieren, im Vergleich zu 32 % der Älteren. Malen erfüllt gleich mehrere Vorteile: Es ist kreativ, einfach, kostengünstig und vor allem benötigt es keine Internetverbindung. Für ein paar Minuten kann das Smartphone in der Ecke bleiben, während die Buntstifte die Fantasie beflügeln.
Wenn Ausmalen die Generation Z so sehr anspricht, liegt das vielleicht daran, dass es das genaue Gegenteil des digitalen Rhythmus bietet: keine Benachrichtigungen, kein automatisches Scrollen, keine Inhalte zum Konsumieren. Nur ein Blatt Papier, ein paar Farben und die Freude, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen.
