Hektisches Essen kann ein Zeichen dafür sein, dass man seine Gefühle „unterdrückt“.

Du öffnest eine Kekspackung, obwohl du gar keinen Hunger hast. Nach einem stressigen Tag verspürst du Heißhunger auf Süßes oder Salziges. Dieser Reflex ist alles andere als selten und hat sogar einen Namen: emotionales Essen. Und diesen Mechanismus zu verstehen, ist bereits ein Schritt hin zu einem liebevolleren Umgang mit deinem Körper.

Wenn Essen zum emotionalen Regulator wird

Esssucht ohne tatsächlichen körperlichen Hunger ist ein weit verbreitetes Phänomen. Sie zeugt weder von Willensschwäche noch von einem Charakterfehler. Psychologen verwenden den Begriff „emotionales Essen“, um diesen Zustand zu beschreiben, in dem Essen dazu dient, innere Spannungen wie Stress, Traurigkeit, Angst, Einsamkeit usw. zu lindern.

In solchen Momenten isst man nicht, um den Körper zu nähren, sondern um ein Gefühl zu lindern. Die Handlung mag automatisch erscheinen: Man greift zu zuckerhaltigen oder fetthaltigen Snacks, um sofortigen Trost zu finden. Und dieser Trost ist durchaus real … aber oft nur von kurzer Dauer. Dein Körper ist nicht dein Feind; er versucht lediglich, dir schnell Linderung zu verschaffen.

Die Wurzeln liegen oft in der Kindheit

Diese Verbindung zwischen Essen und Emotionen entsteht früh. Ein Bonbon tröstet nach einem Rückschlag, ein Dessert belohnt eine Anstrengung, ein Snack lindert Kummer. Nach und nach verbindet das Gehirn bestimmte Lebensmittel mit Geborgenheit, Belohnung und Trost.

Auf biologischer Ebene ist dieser Mechanismus wirkungsvoll. Zucker- und fettreiche Lebensmittel stimulieren das Belohnungssystem und fördern die Ausschüttung von Dopamin, einem Neurotransmitter, der mit Wohlbefinden in Verbindung steht. Gleichzeitig kann Cortisol – das Stresshormon – Heißhungerattacken verstärken. Die Folge: Bei unangenehmen Gefühlen greift das Gehirn reflexartig auf Nahrung zurück.

Bestimmte Gefühle wie Wut oder Traurigkeit können den Appetit unterdrücken. Umgekehrt wird Essen manchmal zu einer kurzfristigen Lösung. Das Problem ist, dass dieser momentanen Erleichterung Schuldgefühle folgen können, wodurch ein Teufelskreis entsteht, aus dem man nur schwer wieder herauskommt.

Die Anzeichen von emotionalem Essen erkennen

Zu erkennen, was vor sich geht, ist ein entscheidender Schritt. Bestimmte Anzeichen sind aufschlussreich:

  • Ein plötzlicher, drängender Hunger, der sich oft auf „Genussspeisen“ konzentriert.
  • Naschen im Autopilotmodus, ohne wirklich zu schmecken.
  • Ein unmittelbares Gefühl der Erleichterung, gefolgt von Bedauern oder Selbstkritik.

Emotionaler Hunger entsteht plötzlich und verlangt sofortige Befriedigung. Körperlicher Hunger hingegen baut sich allmählich auf und kann mit verschiedenen Nahrungsmitteln gestillt werden. Zu lernen, diese beiden Empfindungen zu unterscheiden, stärkt dich – ganz ohne Wertung.

Den Kreislauf durch Freundlichkeit durchbrechen

Diesen Kreislauf zu durchbrechen bedeutet nicht, jeglichen Genuss am Essen aufzugeben. Vielmehr geht es darum, die eigenen Reaktionen auf Emotionen zu erweitern. Ein einfaches Hilfsmittel ist, die Auslöser zu beobachten: Welche Emotion empfinden Sie? Wann? In welchem Kontext? Schon allein die Beobachtung ohne Selbstkritik verändert die Dynamik.

Als Nächstes können Sie Alternativen ausprobieren, die zu Ihrer Persönlichkeit passen: ein Spaziergang zum Stressabbau, ein paar tiefe Atemzüge zur Beruhigung, ein Anruf bei einem geliebten Menschen, um die Isolation zu durchbrechen, oder das Aufschreiben Ihrer Gefühle. Diese Maßnahmen ersetzen nicht das Essen, sondern ergänzen Ihre emotionalen Bewältigungsstrategien. In manchen Fällen kann eine kognitive Verhaltenstherapie helfen, diese Reflexe zu verändern und neue, beruhigendere automatische Reaktionen zu entwickeln.

Kurz gesagt: „Emotionales Essen“ ist keine Schwäche. Es ist ein erlernter Mechanismus, der durch biologische Faktoren und die persönliche Geschichte verstärkt wird. Ihn zu erkennen, ist bereits ein wichtiger Schritt. Dein Körper verdient es, mit Respekt und Achtsamkeit ernährt zu werden, und deine Gefühle verdienen es, gehört zu werden.

Anaëlle G.
Anaëlle G.
Ich bin modebegeistert und immer auf der Suche nach Trends, die unsere Zeit widerspiegeln. Ich liebe es zu beobachten, wie Menschen sich kleiden, warum sie es tun und was Mode über uns aussagt. Jenseits der Laufstege und Silhouetten sind es die Geschichten, die mich wirklich faszinieren.

LAISSER UN COMMENTAIRE

S'il vous plaît entrez votre commentaire!
S'il vous plaît entrez votre nom ici

Ist diese auf TikTok populär gewordene Entspannungspose wirklich für jeden geeignet?

Die „Viparita Karani“-Pose, bei der man mit den Beinen senkrecht an der Wand liegt, hat auf TikTok Millionen...

Eine Kanadierin überlebt einen Schlaganfall und wacht mit einem unerwarteten Akzent auf

Eine Kanadierin, die 2023 einen Schlaganfall erlitt, dachte, sie stünde vor einem langen Rehabilitationsprozess. Nach der Operation wachte...

Dieses Detail Ihrer Abendroutine könnte Ihre Herzgesundheit beeinflussen.

Schläfst du nach Mitternacht gedankenlos unter die Decke? Diese kleine Verzögerung, die in unserem vernetzten Leben mittlerweile alltäglich...

Ist die Verwendung eines Waschlappens zum Duschen wirklich hygienisch?

Der Waschlappen ist in vielen Badezimmern unverzichtbar und fester Bestandteil der täglichen Routine. Doch ist er wirklich hygienischer...

Laut der östlichen Medizin hat das Trinken von heißem Wasser zahlreiche positive Wirkungen.

Was wäre, wenn Ihr Wasserkocher Ihr bester Gesundheitshelfer würde? Laut Traditioneller Chinesischer Medizin ist das Trinken von heißem...

Erste graue Haare sichtbar? Das könnte ein positives Zeichen für Ihre Gesundheit sein.

Sie entdecken Ihre ersten grauen Haare und seufzen vielleicht im ersten Moment. Doch die Wissenschaft bietet mittlerweile eine...