Dieser Wellness-Trend ist umstritten; was sind seine Vorteile?

Finden Sie es gewagt, gleich morgens in 10 °C kaltes Wasser zu springen? In den sozialen Medien sind Eisbäder fast schon ein Ritual geworden. Sie werden als Stärkung für Körper und Geist angepriesen und sind ebenso verlockend wie rätselhaft. Sind sie also nur eine Modeerscheinung oder ein echter Gesundheitsförderer?

Woher kommt diese Begeisterung?

Eisbäder, auch Kaltwasserbäder genannt, beinhalten das Eintauchen des Körpers in Wasser mit einer Temperatur zwischen 10 °C und 15 °C, manchmal auch darunter, für einige Minuten. Diese Methode, die lange Zeit Leistungssportlern vorbehalten war, diente ursprünglich der Förderung der Muskelregeneration nach intensiver Belastung.

Heute ist diese Praxis weit verbreitet. Besonders bekannt wurde sie durch den niederländischen Mitautor Wim Hof, der für seine freiwillige Kälteexposition (Spitzname „der Mann aus dem Eis“) berühmt ist. Ihr werden viele Versprechen gemacht: angeregte Durchblutung, gestärktes Immunsystem, besseres Stressmanagement und zehnfache Energie.

In den sozialen Medien beschreiben Begeisterte nach dem Eintauchen in die Droge ein Gefühl geistiger Klarheit und eine fast elektrisierende Vitalität. Dieses eindrucksvolle Bild inspiriert dazu, die eigenen Grenzen auszutesten, doch Experten weisen darauf hin, dass nicht alle Behauptungen auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen.

@sachaborg_ Jeden Morgen im Januar ein Eisbad, Tag 6/31 🧊 Eis, da war Eis, merkt sich das jeder? Wir sehen uns morgen zu Tag 7 (der Januar zieht sich so endlos hin, oder?). Teilnahmebedingungen: Folgt meinem Account und @Icepiration ♬ Originalmusik - Sacha Borg

Anerkannte Vorteile für die Genesung

Der Bereich, in dem die Beweislage am eindeutigsten ist, betrifft die Muskelregeneration. Mehrere wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass das Eintauchen in kaltes Wasser Muskelkater nach intensiver Belastung im Vergleich zu einfacher Ruhe lindern kann.

Der Mechanismus ist physiologisch: Kälte führt zu Vasokonstriktion, also einer Verengung der Blutgefäße. Bei Erwärmung des Körpers weiten sich die Gefäße wieder. Dieser Wechsel könnte dazu beitragen, Entzündungen und Muskelrisse, die mit Anstrengung einhergehen, zu reduzieren.

Allerdings hängt alles von vielen Faktoren ab: der Einwirkzeit, der genauen Wassertemperatur und der Art der Aktivität. Daher handelt es sich nicht um eine allgemeingültige Formel, sondern um ein Hilfsmittel, das an Ihre spezifischen Gegebenheiten und Bedürfnisse angepasst werden muss.

Mögliche Auswirkungen auf Stress und Stimmung

Neben den körperlichen Auswirkungen ist auch der Einfluss auf die Psyche faszinierend. Einige Studien deuten darauf hin , dass regelmäßige Kälteexposition das autonome Nervensystem beeinflussen kann. Kaltes Wasser stimuliert die Hautrezeptoren stark, was zu einem Anstieg von Noradrenalin führt, einem Neurotransmitter, der an Wachheit und Stimmungsregulation beteiligt ist.

Das Ergebnis? Ein Gefühl intensiver Wachheit, ein Energieschub, manchmal auch als „mentaler Neustart“ beschrieben. Einige Studien deuten sogar auf eine mögliche antidepressive Wirkung hin. Die Stichproben sind jedoch noch begrenzt, und Forscher mahnen zur Vorsicht. Jeder Körper ist einzigartig, ebenso wie die Kälteempfindlichkeit; was den einen belebt, kann den anderen destabilisieren.

Immunität: Vorsicht vor Versprechungen!

Die Stärkung des Immunsystems ist eines der am häufigsten angeführten Argumente. Eine in den Niederlanden durchgeführte Studie ergab, dass Teilnehmer, die täglich kalt duschten, weniger Krankheitstage angaben.

Diese Studie belegt jedoch nicht direkt einen Rückgang der Infektionen, sondern lediglich eine Verringerung der gemeldeten Fehlzeiten. Diese Unterscheidung ist wichtig. Bislang gibt es keine stichhaltigen Beweise dafür, dass Eisbäder wirksam vor Krankheiten schützen.

Risiken, die nicht übersehen werden sollten

Das ästhetische Bild des Eintauchens in einen eisigen See sollte die physiologische Realität nicht verschleiern. Plötzliche Kälteexposition kann einen Kälteschock, einen plötzlichen Blutdruckanstieg und bei empfindlichen Personen Herz-Kreislauf-Komplikationen verursachen.

Gesundheitsbehörden empfehlen Menschen mit Herz-, Atemwegs- oder Kreislaufproblemen, vor dieser Aktivität einen Arzt zu konsultieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist zudem darauf hin, dass Unterkühlung bei längerer Einwirkung schnell eintreten kann. Ihr Wohlbefinden bemisst sich nicht an Ihrer Fähigkeit, extreme Bedingungen zu überstehen.

Die Lehre daraus: Eisbäder sind weder ein Wundermittel noch eine schlechte Idee. Wie so oft im Bereich Wellness ist der effektivste Ansatz ein schrittweiser, individueller und fundierter. Auf den eigenen Körper zu hören, die eigenen Grenzen zu respektieren und gegebenenfalls ärztlichen Rat einzuholen, sind unerlässlich. Der Trend ist zweifellos faszinierend, doch Ihr Wohlbefinden verdient mehr als eine simple virale Herausforderung: Es verdient Aufmerksamkeit, differenzierte Betrachtung und Respekt.

Fabienne Ba.
Fabienne Ba.
Ich bin Fabienne, Autorin für die Website „The Body Optimist“. Ich bin begeistert von der Kraft der Frauen und ihrer Fähigkeit, die Welt zu verändern. Ich glaube, Frauen haben eine einzigartige und wichtige Stimme, und es ist mir ein Anliegen, meinen Beitrag zur Gleichberechtigung zu leisten. Ich unterstütze nach Kräften Initiativen, die Frauen ermutigen, sich Gehör zu verschaffen.

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