Die „Viparita Karani“-Pose, bei der man mit den Beinen senkrecht an der Wand liegt, hat auf TikTok Millionen von Aufrufen erzielt. Sie wird als „schnelles Mittel gegen Stress und schwere Beine“ präsentiert und wirkt einfach, zugänglich und fast magisch: Aber ist sie wirklich für alle Körpertypen und gesundheitliche Zustände geeignet?
Eine Yoga-Pose, die viral ging
Viparita Karani, wörtlich „Beine an der Wand“, ist eine Haltung aus dem traditionellen Yoga. Es handelt sich um eine sanfte Umkehrhaltung: Man liegt auf dem Rücken und legt die Beine über Herzhöhe an eine Wand. Im Gegensatz zu technisch anspruchsvolleren Haltungen wie dem Schulterstand gilt diese als passiv und leichter zugänglich.
In den sozialen Medien wird es oft als unverzichtbares Wellness-Ritual beschrieben. Zehn Minuten täglich sollen laut einigen Videos genügen, um die Durchblutung anzuregen, das Nervensystem zu entspannen und ein sofortiges Gefühl der Leichtigkeit zu vermitteln. Die Vorstellung ist verlockend: du, deine Matte, eine Wand und ein Moment, um wieder in Kontakt mit deinem Körper zu treten.
@unefilleensweat Kennst du die Vorteile, die Beine an der Wand hochzulegen? Besonders nach einem langen Tag auf den Beinen hilft es wirklich! #Wellness #schwereBeine #leichteBeine #Wassereinlagerungen #Verdauung #Durchblutung ♬ Ästhetik - Tollan Kim
Ein Schub für schwere Beine
Aus physiologischer Sicht ist die Idee nicht abwegig. Durch das Hochlagern der Beine nutzt man die Schwerkraft, um den venösen Rückfluss, also den Blutfluss zurück zum Herzen, zu fördern. Nach einem langen Tag im Stehen oder Sitzen kann dies Schwellungen und Beschwerden vorübergehend lindern.
Medizinische Einrichtungen wie die Cleveland Clinic weisen darauf hin , dass das Hochlagern der Beine das Gefühl schwerer Beine vorübergehend lindern kann. Dies ist jedoch eine Komfortmaßnahme und keine medizinische Behandlung. Die Haltung mag angenehm sein, ersetzt aber nicht die Behandlung anhaltender Durchblutungsstörungen. Manchmal tut dem Körper diese kleinen Pausen gut. Ein paar Minuten im Liegen können Wunder wirken.
Das wahre Geheimnis: Atmen
Der oft nach dieser Übung berichtete „Wow“-Effekt resultiert nicht allein aus der Beinstellung. Er hängt vielmehr mit dem Kontext zusammen, in dem man sie ausführt: Ruhe, Stille, tiefe Atmung.
Langsame, kontrollierte Atmung aktiviert das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung zuständig ist. Forschungsergebnisse der American Psychological Association zeigen , dass tiefe Atemübungen Stress reduzieren und Ruhe fördern können.
Anders ausgedrückt: Es ist vielleicht nicht nur die Wand selbst, die entspannt, sondern die bewusste Innehaltung. Die Haltung wird so zu einem beruhigenden Rahmen, um zur Ruhe zu kommen, auf den Atem zu achten und Anspannung abzubauen.
Eine Haltung, die nicht jedem zusagt.
Trotz ihrer scheinbaren Sanftheit ist die Viparita Karani dennoch eine Umkehrhaltung. Und Umkehrhaltungen, selbst leichte, sind nicht für jeden geeignet. Bestimmte Umkehrhaltungen können den Augeninnendruck vorübergehend erhöhen.
- Menschen, die beispielsweise an einem Glaukom leiden, sollten diese Art von Körperhaltung vermeiden oder ärztlichen Rat einholen.
- Ebenso ist es bei unkontrolliertem Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder Problemen mit der Halswirbelsäule ratsam, vor regelmäßigem Training einen Arzt zu konsultieren.
Wenn Sie Beschwerden, ungewöhnlichen Druck im Kopf, Nackenschmerzen oder Schwindel verspüren, ignorieren Sie diese Anzeichen nicht. Ihr Körper versucht, Ihnen etwas mitzuteilen: Ihm zuzuhören, zeugt von Selbstachtung.
Kurz gesagt, die „Beine an der Wand“-Übung kann ein kleines Ritual sein, um die Beine zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Wie jede Wellness-Übung, die online populär wird, sollte sie jedoch im Kontext betrachtet werden. Was für den einen funktioniert, muss nicht unbedingt auch für den anderen gelten. Anstatt blind einem Trend zu folgen, passen Sie ihn Ihren eigenen Bedürfnissen an. Wenn Ihnen diese Übung guttut und Ihre Gesundheit es zulässt, genießen Sie sie in vollen Zügen. Ansonsten gibt es unzählige andere Möglichkeiten, sich etwas Gutes zu tun.
