Eine SMS „einfach so“ zu verschicken, könnte mehr positive Auswirkungen haben, als man sich vorstellen kann.

Wenn man zum Handy greift und tippt, dann meist, um sich nach jemandem zu erkundigen, Neuigkeiten auszutauschen, die man eigentlich geheim halten sollte, oder um einen Gefallen zu bitten. Selten schreibt man einfach nur „Hallo, wie geht’s?“, eine Nachricht, die so belanglos wirkt. Dabei wäre eine Nachricht ohne konkreten Anlass genauso sinnvoll wie ein Plausch mit dem Bäcker übers Wetter.

Eine SMS ohne besonderen Grund verschicken: ein ungewöhnlicher Wellness-Tipp

Im Zeitalter allgegenwärtiger Gruppenchats, Sprachnachrichten, die Podcasts ähneln, und endloser Benachrichtigungen sind Textnachrichten die Ausnahme. Nur deine Mutter füllt noch deinen Posteingang, der früher überquoll von GIFs, Klatsch und ellenlangen, fast schon literarischen Selbstvorwürfen. Während man in Zeiten von Hashtags wie „Swag“ und Tumblr-Fotos noch Belanglosigkeiten über Klapphandys austauschte, schreibt man heute nur noch, um Neuigkeiten zu verbreiten und die Klatschbase zu spielen.

Du greifst zum virtuellen Stift, um zu tratschen, von deinem Büroalltag zu berichten, der einer Telenovela gleicht, oder Treffen mit Freunden zu verabreden. Du schickst Nachrichten, um über deine aktuelle Romanze mit dem Mann, den du an der Supermarktkasse kennengelernt hast, zu berichten oder eure nächste Übernachtungsparty zu planen. Doch spontane „Wow“-Nachrichten wie die „Wiz“-Nachrichten auf MSN fehlen dir. Für dich wäre das, als würdest du leere Sprechblasen verschicken.

Ursprünglich wurde die SMS-Kommunikation erfunden, um trotz großer Entfernung in Kontakt zu bleiben (und um Eltern in der Schulzeit zu beruhigen). Die Content-Creatorin @simply_nikkib_ empfiehlt, sich wieder auf die ursprüngliche Bedeutung des SMS-Schreibens zu besinnen und nicht erst auf einen dringenden Notfall zu warten, um per SMS Kontakt aufzunehmen. Ihrer Meinung nach ist es kein Zeitvertreib, sondern ein wohltuendes Ritual. Jede Woche schickt sie ihren Lieben eine Nachricht, so wie eine fürsorgliche Mutter ihrem Kind, das weit entfernt lebt, schreiben würde. Eine einfache und kostenlose Gewohnheit, die ihr innere Ruhe schenkt.

@simply_nikkib_ Kaum besser Woche 10: Hat Oma wirklich immer alles besser gewusst? #kaumbesser #Wellnessroutine #Morgenroutine #Daten ♬ Originalton - SimplyNikkiB

Eine Idee, die auf TikTok entstand und von der Wissenschaft bestätigt wurde.

Die Content-Creatorin, die mehrere Wochen lang spontan Nachrichten an ihre Liebsten verschickte, berichtete anschließend von ihren Erfahrungen. Sie erzählte von diesem scheinbar banalen sozialen Experiment. Laut ihrer Schilderung war es alles andere als eine oberflächliche Geste oder ein Mittel gegen Langeweile. Es entwickelte sich fast zu einem positiven Ritual, einer einfachen Möglichkeit, ihren Dopaminspiegel zu erhöhen. Sie sagte, das Versenden dieser spontanen, herzlichen Nachrichten habe einen Glücksschub ausgelöst und sie für den Rest des Tages in gute Laune versetzt. Und diese Theorie ist alles andere als abwegig.

Eine in der Fachzeitschrift„Communication Research“ veröffentlichte Studie untermauert die Hypothese des Content-Erstellers. Den Ergebnissen zufolge kann ein Gespräch mit mindestens einem Freund oder einer Freundin im Laufe des Tages das Wohlbefinden genauso stark steigern wie ein Spaziergang im Wald oder ein heißes Bad. Die gute Nachricht: Man muss sich nicht persönlich treffen, um von den positiven Effekten zu profitieren. Ob ein Gespräch im Restaurant oder eine kurze Nachricht – es gibt viele Gründe, mit seinen Lieben in Kontakt zu bleiben.

„Eine einfache SMS kann zu einem Austausch führen, der die Bindung stärkt und das Gefühl der Isolation lindert“, ergänzt die Psychologin Dr. Melissa Gluck im Magazin Bustle . Anders gesagt: Man muss sich nicht mit endlosen SMS abmühen, um in Kontakt zu bleiben. Man braucht auch keinen Vorwand oder ein spannendes Thema, um „Ich denke an dich“ zu sagen oder die Nachricht weiterzuverbreiten.

Der Inhalt der Botschaft? Überwältigende Dankbarkeit.

Die Schöpferin dieser digitalen Initiative begnügt sich nicht mit einem oberflächlichen „Hallo, wie geht’s?“ oder geschlossenen Fragen, die nur ein „Ja“ oder „Nein“ hervorrufen. Sie drückt Dankbarkeit in ihren digitalen Nachrichten aus und möchte ihren Empfängern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ihren Lieben zeigt sie ihre Wertschätzung durch eine dankbare Nachricht, einen liebevollen Gedanken oder zärtliche Worte.

Sie schlägt sogar ein paar Einstiegssätze vor, wie zum Beispiel: „Hallo! Ich denke an dich! Was gibt’s Neues?“ oder, wenn man sich emotionaler fühlt: „Ich wollte dir nur kurz hallo sagen und dir sagen, dass ich dich lieb habe!“ „Es ist tröstlich, Freundlichkeit zu verbreiten, die meistens zu uns zurückkommt“, erklärt Gluck. Das ist das ganze Prinzip des Gesetzes der Anziehung: Wir ziehen das an, was wir sind.

Anders gesagt: Man muss nicht auf große Neuigkeiten, eine existenzielle Krise oder einen Wendepunkt in der Handlung warten, der einer Fernsehserie würdig wäre, um wieder Kontakt aufzunehmen. Jemandem einfach nur eine herzliche Nachricht wie „Ich denke an dich“ zu schicken, ist schon eine kleine, diskrete und dennoch wirkungsvolle Geste der Anteilnahme.

In einem Alltag, der von funktionalen Nachrichten, Erinnerungen und dringenden Benachrichtigungen geprägt ist, wirkt diese Art von kostenlosen SMS wie eine willkommene soziale Auszeit.

Émilie Laurent
Émilie Laurent
Als Wortkünstlerin jongliere ich täglich mit Stilmitteln und perfektioniere die Kunst feministischer Pointen. Mein leicht romantischer Schreibstil hält in meinen Artikeln so manche fesselnde Überraschung für Sie bereit. Ich liebe es, komplexe Themen zu entschlüsseln, ganz wie ein moderner Sherlock Holmes. Geschlechterminderheiten, Gleichberechtigung, Körpervielfalt … Als Journalistin am Puls der Zeit stürze ich mich kopfüber in Themen, die Debatten entfachen. Ich bin ein Workaholic, und meine Tastatur wird ständig auf die Probe gestellt.

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