Spektakuläre Festwagen, eine mitreißende Atmosphäre, ein ansteckender Rhythmus, der keine Hüfte stillhalten kann … der Karneval von Rio, der vom 13. bis 18. Februar 2026 stattfindet, ist ein schillerndes Spektakel, bei dem die Körper eine große Rolle spielen. Doch unter dem glitzernden Federkleid und den juwelenbesetzten Kostümen mangelt es an Vielfalt der Körpertypen, und Kurven sind auffällig selten. In einem Land, das Schönheitsoperationen verehrt, haben einige Samba-Tänzerinnen ihre Kurven zu einem Symbol gemacht.
Der Karneval von Rio, ein Knäuel stereotypischer Körper?
Der Karneval in Rio bot inmitten der düsteren Nachrichten eine willkommene Abwechslung. Als größtes Festival der Welt ist er eine wahre Institution in Brasilien und ein Fest für die Augen. Vom 13. bis 18. Februar verwandelte sich die Stadt, deren Wahrzeichen die Christusstatue ist, in ein riesiges Open-Air-Fest. Tausende Tänzerinnen und Tänzer, deren Energie von den rhythmischen Klängen beflügelt wurde, tanzten ausgelassen. Während der Paraden führten Sambaschülerinnen und -schüler synchron choreografierte Tänze auf ihren Podesten auf. Auf majestätischen und kunstvoll gestalteten Wagen fühlten sie sich sichtlich wohl und ließen sich von der fröhlichen und mitreißenden Musik mitreißen.
Bei diesem visuell atemberaubenden Spektakel, das die Blicke fesselt und die Beine zum Tanzen bringt, stehen die Figuren im Mittelpunkt. Geschmückt mit Perlen, farbenprächtigen Stickereien und prachtvollen thematischen Details, sind diese Kostüme – mal von Folklore inspiriert, mal von grenzenloser Kreativität beflügelt – der Höhepunkt dieses großen Kulturereignisses. Die Frauen, die sich diesem unglaublichen Stilspektakel hingeben, erinnern unter ihren kunstvollen Gewändern fast an Marvel-Heldinnen oder antike Göttinnen. Mit ihren strassbesetzten Manschetten, architektonisch anmutenden Kopfbedeckungen und überdimensionalen Flügeln scheinen sie direkt einer mythologischen Erzählung entsprungen zu sein. Und obwohl die Kostüme vielfältig sind, gehen die Figuren selbst nahtlos von einem Wagen zum nächsten über und bleiben unter dem Stoff perfekt geformt.
Sie gleichen einander zum Verwechseln ähnlich und verkörpern das Schönheitsideal eines ganzen Landes: üppige Hüften, eine schmale Taille, ein runder Po und schlanke Beine. Inmitten dieser jubelnden Menge bleiben die kurvigen Tänzerinnen verborgen. Die Plusamba-Truppe will das ändern und die Kurven ihrer Figuren in Szene setzen.
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Eine Truppe, die ausschließlich von kurvigen Tänzerinnen angeführt wird
In Brasilien, einem Paradies für Schönheitsoperationen und dem Land des „brasilianischen Po-Liftings“, haben die meisten der im Scheinwerferlicht des Karnevals paradierten Figuren künstliche Körper, geformt von behandschuhten Fingern wie Frankensteins Monster. Dort sind Implantate praktisch die Norm, und unoperierte Körper werden stillschweigend diskriminiert. Silikonbrüste füllen silberne BHs, während Satin-Tangas unter neu geformten, XXL-Pos versteckt sind.
Inmitten dieser Fülle an kurvigen Körpern dominieren authentische Silhouetten die Bühne. Angetrieben von „Plus in Samba“, einem Projekt der Tänzerin Nilma Duarte aus dem Jahr 2017, erobern Plus-Size-Frauen ihren Platz auf dem Laufsteg zurück. Und sie verströmen eine beeindruckende Präsenz im Rampenlicht. Ihre Kurven sind ihr schönster Schmuck, aber auch ihr stärkster Schutz.
Und diese Tänzerinnen, deren Gesichter von der Sonne gezeichnet sind und deren Blut im Rhythmus fließt, brauchen keine Strasssteine und Pailletten, um zu strahlen. Ihre Ausstrahlung genügt, um alle Blicke auf sich zu ziehen. Mit ihrer ansteckenden Energie und ihrer großen Bewegungsfreiheit verleihen sie dem Bild der „Made in Brazil“-Muse eine sanftere und verfeinerte Note. Weit entfernt von den erstarrten Figuren, die trotz ständiger Bewegung statisch wirken, erwachen ihre Körper mit jedem Ton zum Leben.
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Wenn der Körper zu einer lebenden Skulptur wird
Beim Karneval in Rio ist der Körper kein Schaufenster oder Marketinginstrument. Die Tänzerinnen sind keine austauschbaren Barbies oder Objekte der Begierde. Auch wenn sie mitunter unwirklich wirken und seltsamerweise an die Schar der Victoria's Secret Engel erinnern, widmen sie sich diesen technischen Gesten mit fast religiöser Hingabe.
Und Kurven, oft als Exzesse dargestellt und von einer schlankheitsorientierten Gesellschaft verurteilt, sind hier Kunstwerke. Sie sind dekorative Elemente, vergleichbar mit einer Note in einer Partitur oder einem Pinselstrich in einem Gemälde. Auf den Festwagen oder am Boden wiegen sich ihre Körper mit magnetischer Leichtigkeit. Hüftspeck wird zu choreografischen Formen. Bäuche vibrieren im Rhythmus der Perkussion. Schenkel stoßen stolz aufeinander. Nichts wird verborgen. Nichts wird zurückgehalten. Wo manche Körper von ästhetischen Ansprüchen gequält scheinen, wirken ihre lebendig, fließend, voller Freude.
Beim Karneval in Rio ist der Körper eine Sprache. Und diese Tänzerinnen und Tänzer schreiben eine neue Grammatik. Was, wenn die größte Schönheit des Karnevals letztlich in dieser Vielfalt liegt? In diesen Körpern, die unter denselben Scheinwerfern tausend verschiedene Geschichten erzählen?
