Seit Wochen beherrscht die Beckham-Affäre die Schlagzeilen. Dieser vielbeachtete Familienkonflikt zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter hat internationale Dimensionen angenommen. Die Geschichte ist nicht nur eine Goldgrube für die Boulevardpresse, die jede Gelegenheit nutzt, sondern berührt auch viele Familien. Manchmal entwickelt sich eine stille Rivalität mit der Schwiegermutter, die ihren Sohn offenbar nicht teilen will.
Wenn die Schwiegermutter den Wettbewerb beginnt
Seitdem der Familienstreit der Beckhams öffentlich wurde, wirkt Victoria fast wie die skrupellose Stiefmutter aus einem Disney-Märchen. Die Geschäftsfrau, einst für ihre Haute-Couture-Kreationen gefeiert, verliert in der Öffentlichkeit zunehmend an Ansehen. Ihr wird vorgeworfen, die Hochzeit ihres Sohnes Brooklyn absichtlich sabotiert und seiner Frau Nicolas Peltz das Leben schwer gemacht zu haben. In der Presse wird sie als besitzergreifende und widerwillige Mutter dargestellt. Laut Brooklyns aufsehenerregender Geschichte will Victoria ihren Sohn ganz für sich allein haben. Um dies zu erreichen, soll sie alles versucht haben, um Nicolas Peltz zu entfremden, und dabei sogar zu skrupellosen Methoden gegriffen haben. Nun gilt sie als herzlose Schlange, als übergriffige und toxische Stiefmutter.
Diese zutiefst an Freud erinnernde Geschichte, die beinahe zum Medienspektakel geworden ist, spielt sich auch in anderen Familien ab. Der Machtkampf zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter scheint fast unausweichlich. Als Partnerin ist man das indirekte Opfer extremer emotionaler Abhängigkeit, ja sogar einer Art umgekehrtem Ödipuskomplex. Jeder Blick ist ein Urteil, und jedes Gespräch artet in eine Konfrontation aus.
Wir versuchen, tapfer zu wirken, aber wir haben immer das Gefühl, im Weg zu stehen. Trotz all unserer Bemühungen, uns tadellos zu verhalten, liebt uns unsere Schwiegermutter nicht wirklich. Wir werden immer die Außenseiter sein, das fünfte Rad am Wagen, der Sohndieb. Und nein, wir bilden uns das nicht ein. Diese Aschenputtel-Geschichte wird durch Statistiken bestätigt. Laut einer Studie berichten 60 % der Frauen von Spannungen oder Unbehagen mit ihrer Schwiegermutter, verglichen mit 15 % der Männer.
Für seinen Sohn war es nie gut genug.
Wir könnten ein unermessliches Vermögen besitzen, unzählige akademische Grade haben oder gar Beyoncé heißen, und unsere Schwiegermutter wäre trotzdem genauso giftig. In ihren Augen haben wir nicht das Zeug zur idealen Freundin und entsprechen ganz offensichtlich nicht dem Standard ihres Sohnes, der übrigens auf einem unerreichbaren Podest thront. Diese Rivalität zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter, die symptomatisch für viele Familien ist, reicht tiefer als bloße Eifersucht.
Christine Rafe, eine Beziehungsexpertin, fasst dies in *Body and Soul * treffend zusammen: „Wenn ein Elternteil sein Kind vergöttert, kann kein Partner mithalten. Es entsteht eine unauflösliche Situation: Mutter und Partner stehen im Wettbewerb, und der Sohn sieht sich gezwungen, eine lange etablierte Eltern-Kind-Beziehung zu hinterfragen.“ Laut einer Umfrage gibt jeder zweite Mann zu, sich zwischen seiner Partnerin und seiner Mutter hin- und hergerissen zu fühlen und nicht zu wissen, wie er reagieren soll. Oft bleibt die Partnerin passiv, eine Beobachterin dieses psychologischen Kampfes zwischen den beiden Frauen in seinem Leben. Aus Angst, eine der beiden zu verlieren, zeigt er keine Präferenz oder Bevorzugung.
Die Schwiegermutter könnte die Verabredungen beaufsichtigen oder als Heiratsvermittlerin fungieren, aber sie würde alle Kandidaten ablehnen. Es stimmt, dass Eltern nicht dieselben Auswahlkriterien haben wie ihre Kinder. Auch in der Liebe gibt es „Musterkandidaten“, und wir gehören ganz offensichtlich nicht dazu. Wenn ihr Sohn sich für eine lebhafte, humorvolle und kreative Frau entscheidet, würden sie eine sesshafte, gut situierte Schwiegertochter mit ähnlichen religiösen und kulturellen Werten bevorzugen.
Das äußere Erscheinungsbild spielt ebenfalls eine Rolle.
In „Schneewittchen“ befragt die Stiefmutter unentwegt ihren wunderschönen Spiegel, um herauszufinden, wer die Schönste im ganzen Land ist. Die Prinzessin mit den braunen Haaren und der porzellanfarbenen Haut erscheint immer wieder in diesem magischen Spiegel. Sofort sieht die Stiefmutter in ihr eine Bedrohung, die es zu beseitigen gilt. Entspricht das Märchen unserer Kindheit der Wahrheit? Ist die Stiefmutter neidisch auf unsere vermeintliche Schönheit? Studien zufolge können Partner, die als besonders attraktiv wahrgenommen werden, Beziehungsprobleme und eine Neigung zu Oberflächlichkeit hervorrufen.
Ein Partner mit durchschnittlicher Statur und harmonischen Gesichtszügen kann daher aufgrund seines Aussehens einer Art Diskriminierung ausgesetzt sein. Und das geschieht oft unabsichtlich. In diesem Fall sorgt sich die Schwiegermutter nicht um ihr eigenes Ego, sondern nimmt unbewusst den emotionalen Schaden für ihren Sohn vorweg. Einmal Glucke, immer Glucke.
„In einer Gesellschaft, die Jugend, Attraktivität und weibliche Autonomie schätzt, kann die Schwiegertochter bei der Schwiegermutter ein Gefühl der Herabsetzung hervorrufen“, erklärt die Psychologin Frédérique Korzine in einem Artikel, der diesem Thema gewidmet ist.
Empty-Nest-Syndrom, ein mildernder Umstand
Wenn eine Schwiegermutter ihrer Schwiegertochter gegenüber kühl und unfreundlich ist, ist das ebenfalls ein Schutzreflex. Es ist der Mutterinstinkt, der hier spricht, kein innerer Dämon. Sie hat das Gefühl, von der Hauptrolle zur Nebenrolle degradiert worden zu sein, und diese Veränderung ist manchmal schwer zu akzeptieren. Infolgedessen lässt unsere Schwiegermutter uns für eine Situation büßen, für die wir nicht verantwortlich sind.
Sie verhält sich defensiv, als hätte man ihr ihren wertvollsten Schatz gestohlen. Für sie ist dieser Mann, mit dem sie sich eine Zukunft aufbaut, immer noch ihr „Baby“, ihr „Eigentum“. Ihre gesamte Mutterrolle wird infrage gestellt. „Die Reaktion der Schwiegermutter ist alles andere als reine Eifersucht; sie ähnelt eher Trennungsangst“, so die Expertin weiter.
Wir sind immer die Schuldigen, die Unruhestifter, das Störenfried – ständig müssen wir uns unserer Schwiegermutter beweisen. Und das ist besonders anstrengend. Doch es ist möglich, eine friedliche Phase einzuleiten und neu anzufangen. Das Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter ist manchmal chaotisch, aber man sollte es nicht persönlich nehmen. Oft sind wir gar nicht der eigentliche Grund für ihr Unglück.
