Frauen werden oft als verschwenderisch bezeichnet. Doch wenn sie am Ende des Monats verschuldet sind, liegt das nicht an Spontankäufen beim Schaufensterbummel, sondern an ihrem Geschlecht und den damit verbundenen gesellschaftlichen Normen. Unter dem sogenannten „Pink Tax“, der die Preise für Produkte, die speziell für Frauen vermarktet werden, in die Höhe treibt, müssen sie ständig tief in die Tasche greifen. Frau zu sein, ist eine echte finanzielle Belastung.
Die „Pink Tax“, eine stille Diskriminierung
Laut veralteten Stereotypen sind Frauen nicht für die Verwaltung von Finanzen geeignet. Sie würden ihr Geld für unnötige Dinge verschwenden und leichtsinnig ausgeben. Glaubt man diesen sexistischen Klischees , würden sie bei jedem Schaufenster, das sie sehen, ihre Kreditkarten bis zum Limit ausreizen und sich nicht an ein Budget halten können. Schließlich ist es ja bekannt, dass Frauen nicht gut in Mathe sind. In Wirklichkeit gehen diese Frauen jedoch alles andere als verschwenderisch mit ihren Bankkonten um.
Wenn sie manchmal kurz davor stehen, entlarvt zu werden, liegt das nicht daran, dass sie ihr Geld für Designerschuhe oder eine neue Handtasche ausgegeben haben. Es liegt vor allem daran, dass sie offenkundiger wirtschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt sind. Sie sind Opfer der sogenannten „Pink Tax “, die sie zwingt, mehr für einen Haarschnitt oder ein Shampoo mit geschlechtsspezifischer Verpackung zu bezahlen, das langes, seidiges Haar verspricht.
Als Folge dieser Steuer, die an sich schon Ungleichheit verdeutlicht, zahlen Frauen für gleichwertige Dienstleistungen oder Produkte mehr als Männer. Ein Rasierer kostet beispielsweise mehrere Cent mehr, nur weil er ein anspruchsvolleres Design und eine Barbie-ähnliche Farbe hat, als ein Modell mit dem Bild eines Mannes im Hintergrund. Auch die Preise für die chemische Reinigung sind für Frauen niedriger, ebenso wie für Friseurbesuche, die je nach Geschlecht um den Faktor zwei variieren. Sie müssen die Kosten für diese gesellschaftlichen Zwänge tragen und erhalten 21,8 % weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen.
Die Kosten für die Regeln sind unerschwinglich.
Während die meisten Verhütungsmittel von der Krankenkasse übernommen werden, stellen Menstruationshygieneprodukte für Frauen eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Sie gelten oft als Luxus, insbesondere für diejenigen, die Wert auf hochwertige und hautverträgliche Produkte legen. Sie müssen einen hohen Preis für eine biologische Tatsache zahlen, die sie sich nicht ausgesucht haben. Schätzungen zufolge kostet die Menstruation 675 € pro Jahr, insgesamt also 23.500 € im Laufe eines Lebens. Mit diesem Geld könnten sie sich ein neues Auto kaufen, ihre Hypothek abbezahlen oder sogar ihren Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen.
Mehrere Organisationen mobilisieren sich, um kostenlos Hygieneartikel zu verteilen, ähnlich wie andere es mit Mahlzeiten tun, und verdeutlichen damit ein vermeintliches „Privileg“. Dabei sind die zusätzlichen Kosten für die Linderung von Menstruationsbeschwerden noch gar nicht berücksichtigt. Wärmflaschen, Kuscheldecken, Pflaster … all diese Hilfsmittel werden nicht von der Krankenversicherung übernommen.
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sicherheitsbezogene Ausgaben
Abends auszugehen, ist eine Belastung fürs Budget, und das nicht nur, weil Frauen unzählige Cocktails oder Häppchen bestellen, sondern weil sie überwiegend Taxis statt öffentlicher Verkehrsmittel wählen, obwohl sie eine Monatskarte besitzen. Und nein, es ist keine „Prinzessinnen-Laune“, wie manche Männer behaupten. Sie fahren lieber sicher und unversehrt mit einem privaten Fahrer nach Hause, anstatt ihr Leben in kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln zu riskieren. Bedenkt man, dass eine Taxifahrt in Großstädten durchschnittlich etwa 30 Euro kostet, schlägt das deutlich auf ihrem Konto nieder.
Frauen, die einem feindseligen städtischen Umfeld ausgesetzt sind, lassen sich auch in sicheren Vierteln nieder, wo die Mieten deutlich über dem Durchschnitt liegen. Viele investieren in Selbstverteidigungskurse, nicht zum Vergnügen, sondern vorsorglich, um sich gegen Gefahren zu verteidigen. Aus demselben Grund geben sie mehr für Pfefferspray als für teure Parfums aus und investieren nicht in Lippenstift, sondern in Warnpfeifen und spitze Schlüsselanhänger.
Die Strafe der Mutterschaft
In der Berufswelt sind Männer die unangefochtenen Herrscher. Dank höherer Anerkennung und besserer Aufstiegschancen genießen diese Herren makellose Karrieren, während Frauen am Rande des Ausscheidens stehen. Eine Schwangerschaft bedeutet für sie oft einen Neustart. Laut dem französischen Nationalen Institut für demografische Studien (INED) kann die Geburt des ersten Kindes langfristig zu einem Einkommensverlust von bis zu 30 % führen.
Wenn man die „Pink Tax“, die Kosten im Zusammenhang mit der Menstruation, die Sicherheitskosten und die Nachteile bei der Mutterschaft zusammenrechnet, ist das Ergebnis eindeutig: Frau zu sein ist teuer. Und wir sprechen hier nicht von unnötigen Anschaffungen oder Ausgaben, sondern von Kosten, die von der Gesellschaft und von unsichtbaren, aber hartnäckigen Geschlechternormen auferlegt werden.
Wäre wahrer Luxus für Frauen nicht die Möglichkeit, ohne diese auferlegten Lasten zu leben? Eine gerechtere Gesellschaft sollte damit beginnen, diese unsichtbaren Kosten anzuerkennen und diese tägliche Belastung zu verringern. Denn hinter jedem ausgegebenen Cent verbergen sich weniger finanzielle Freiheit, weniger Autonomie und die ständige Erinnerung an die fortbestehenden Ungleichheiten.
