Schlanke Statur, markantes Kinn, androgyne Züge und spürbare Sensibilität: Die „Nudeljungs“ machen den stahlblauen, testosterongesteuerten Männern ernsthafte Konkurrenz. Diese aufstrebenden Hollywood-Stars definieren Männlichkeit neu und zeichnen ein sanfteres Bild davon. Diese Schauspieler des neuen Typs haben keine prallen Muskeln, aber dafür ein Herz aus Stahl.
Wer sind die „Nudeljungs“, die in Hollywood für Aufsehen sorgen?
Noch vor wenigen Jahren präsentierte das Kino eine rohe und karikaturhafte Männlichkeit . Auf der Leinwand faszinierten Giganten wie The Rock, Vin Diesel und Schwarzenegger – menschliche Bulldozer mit feurigem Temperament und imposanter Statur. Diese Schauspieler, Karikaturen des Alphamännchens, haben ihre Zeit hinter sich und verkörpern heute düstere, künstliche Versionen von Männlichkeit.
Diejenigen, die ihnen im Rampenlicht nachfolgten, legten einen Teil ihrer muskulösen Statur ab, um Gefühle zuzulassen und an Menschlichkeit zu gewinnen. Sie werden sogar als „Schlanke Jungs“ bezeichnet und bilden einen starken Kontrast zu den einschüchternden „Bösewichten“ des Kinos. Früher wären sie aufgrund ihrer mangelnden Muskeln und ihrer offenen Gefühlsausbrüche als verfolgte und wehrlose Männer oder als „Verlierer“ besetzt worden. Heute erobern sie ihren Platz im Castingprozess zurück und werden zu Botschaftern einer sanfteren Männlichkeit .
Hinter diesem wenig schmeichelhaften Begriff, der Männer mit Spaghetti vergleicht, verbergen sich Schauspieler mit schlanken Körpern, fast jugendlichen, engelsgleichen Gesichtern und tiefen Blicken. Diese „Nudeljungs“ haben nicht nur ein Gesicht, sondern Dutzende, wie Timothée Chalamet, Jacob Elordi oder Harry Styles. Diese Schauspieler verkörpern einen kompletten Bruch mit dem Bild des unparteiischen, harten Kerls , der vor Testosteron trieft statt vor Tränen. Sie läuten eine Ära ein, in der der Wert eines Mannes nicht an der Größe seiner Bizeps, sondern an der Tiefe seiner Seele gemessen wird.
Weniger Muskeln, mehr Sensibilität
„Schmächtige Jungs“ gab es im Kino schon immer. Doch sie wurden stigmatisiert, an den Rand gedrängt und als Sündenböcke missbraucht. Beschränkt auf Nebenrollen als agoraphobische Nerds oder tollpatschige Freunde, dienten sie hauptsächlich dazu, das Bild muskulöser Helden zu verstärken. Lange Zeit als Inbegriff von Männlichkeit dargestellt, gewinnen „Schmächtige Jungs“ nun wieder an Respekt und spiegeln eine wachsende Unzufriedenheit mit aggressiven männlichen Vorbildern wider.
Diese Schauspieler, darunter Finn Wolfhard, Pierre Niney und Vassili Schneider, machen Eigenschaften populär, die Männern lange Zeit vorgeworfen wurden: Empathie, Sensibilität und Verletzlichkeit. Und sie machen diese Qualitäten zu charmanten Stärken. Sie verkörpern eine weniger aufdringliche, aber zugänglichere Ästhetik. Anders als die übertrieben muskulösen Darsteller alter Actionfilme verkörpern die „Nudeljungs“ eine entspanntere Form von Männlichkeit. Ursprünglich ein abwertender Begriff in der Bodybuilding-Szene für schlanke Männer, ist „Nudeljungs“ heute eine Art Kompliment, ja sogar eine stille Revolution.
Diese Schauspieler, die zu wahren „Fantasiemagneten“ geworden sind, besitzen eine beruhigende Ausstrahlung, die selbst die muskulösesten Männer nicht bieten können. Sie läuten jedenfalls das Ende eines Mythos ein: den des teilnahmslosen, egozentrischen Mannes.
Schauspieler, die trotz sich selbst ihre Denkweise ändern
Timothée Chalamet schreitet in geschlechterübergreifenden Outfits über den roten Teppich und verkörpert in „Dune“ überzeugend einen Wüstenmessias. Jacob Elordi verleiht Frankenstein derweil eine berührende Aura, während Pierre Niney sowohl den feinfühligen Yves Saint Laurent als auch den manipulativen Guru mit gleicher Virtuosität spielt. Sie sind die Verkörperung von „Soft Power“, von stiller Stärke.
Jahrzehntelang wurde von Männern auf der Leinwand Unbesiegbarkeit erwartet: stählerne Muskeln, unterdrückte Gefühle und ein eiserner Blick. Weinen? Undenkbar. Zweifeln? Ausgeschlossen. Zärtliche Liebe? Kaum toleriert. Die „Nudelmänner“ jedoch sprengen dieses Schema. Sie weinen, sie zittern, sie zweifeln, sie lieben intensiv. Ihre Stärke liegt nicht in roher Gewalt, sondern in emotionaler Komplexität. Und vielleicht ist es genau das, was sie so faszinierend macht.
Die Generation der „Nudeljungs“ verdrängt nicht die alten Männlichkeitsbilder. Sie ergänzt sie. Sie erweitert einfach das Spektrum. Männlichkeit hat nun kein einheitliches Gesicht mehr. Sie kann muskulös, fließend, androgyn, zurückhaltend oder extravagant sein. Sie kann einen strengen Anzug, eine Rüstung … oder einen Rock auf dem roten Teppich tragen.
Diese Schauspieler verkörpern eine zugängliche, weniger einschüchternde, fast vertraute Männlichkeit. Eine Männlichkeit, die zuhört, die fühlt, die nicht ständig ihre Macht beweisen will. Die „Nudeljungs“ nähren Hoffnungen und kündigen ein fortschrittlicheres Kino an.
