Über den roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes zu schreiten, ist mehr als nur ein eleganter Auftritt. Hinter dem Blitzlichtgewitter, den spektakulären Roben und den sorgfältig inszenierten Looks verbirgt sich ein strenges Regelwerk , an das sich jeder Gast halten muss. In Cannes ist der Stil zwar im Geiste frei, in der Praxis jedoch streng reglementiert – und auf dem roten Teppich werden keine Kompromisse gemacht.
Formelle Kleidung erforderlich: Eleganz steht an erster Stelle.
Für die Teilnahme an den offiziellen Filmvorführungen ist die Kleiderordnung verbindlich. Herren müssen einen Smoking mit Fliege oder dunkler Krawatte tragen. Alternativ ist ein schwarzer oder dunkelblauer Anzug zulässig, jedoch stets im Rahmen formeller Kleidung.
Für Damen gilt ein formeller Dresscode: Abendkleid, kleines Schwarzes, Cocktailkleid, Hosenanzug oder dunkler Rock bzw. ein elegantes Ensemble mit einem schicken Oberteil. Das Ziel ist klar: das hohe Ansehen des Festivals zu wahren. Das Empfangspersonal ist für die Einhaltung des Dresscodes verantwortlich und kann Personen, die sich nicht daran halten, den Zutritt verweigern.
Sneakers, die einst verboten waren, sind heute Kult.
Eine Regel, die selbst der breiten Öffentlichkeit bekannt ist, betrifft Turnschuhe. Sie sind auf dem roten Teppich strengstens verboten. Gäste müssen elegante Schuhe tragen, mit oder ohne Absatz. Auch wenn sich einige Regeln im Laufe der Zeit gewandelt haben – insbesondere in Bezug auf flache Schuhe –, bleiben Turnschuhe ausnahmslos tabu.
Der rote Teppich hat dennoch einige denkwürdige Momente erlebt: 2016 lief die amerikanische Schauspielerin und Produzentin Julia Roberts barfuß, und 2017 zog die amerikanische Schauspielerin, Regisseurin und Performerin Kristen Stewart aus Protest ebenfalls ihre Schuhe aus. Der amerikanische Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler und Produzent Spike Lee sorgte 2021 für Schlagzeilen, als er in Turnschuhen erschien.
Selfies sind verboten, um den roten Teppich zu schonen.
Seit 2018 sind Selfies und die Nutzung von Smartphones auf dem roten Teppich verboten. Diese Entscheidung wurde getroffen, um den Ablauf zu optimieren und Verzögerungen zu vermeiden. Das Ziel ist einfach: einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und die Magie des Augenblicks zu bewahren. Offizielle Fotografen haben so optimalen Zugang, um die wichtigsten Momente festzuhalten, ohne dass es zu einem ungestörten Wettstreit um gezückte Handys kommt.
Neue Kleiderordnung: Keine Nacktheit oder Exzesse mehr
Die Bestimmungen wurden kürzlich nochmals verschärft. Seit 2025 ist Nacktheit auf dem roten Teppich und während des gesamten Festivals ausdrücklich verboten. Auch zu transparente Outfits fallen unter die Bestimmungen. Ziel ist es, „eine gewisse visuelle Einheitlichkeit zu wahren und den institutionellen Rahmen der Veranstaltung zu respektieren“.
Spektakuläre Silhouetten, aber eingerahmt
Sehr voluminöse Kleider, insbesondere solche mit langen Schleppen, stoßen an ihre Grenzen, wenn sie die Bewegungsfreiheit oder die Sitzordnung einschränken. Das bedeutet jedoch nicht das Ende der Kreativität, sondern vielmehr eine Anpassung. Designer arbeiten nun an fließenderen Schnitten, die Ästhetik und Bewegungsfreiheit vereinen. Das Ergebnis ist nach wie vor spektakulär, aber funktionaler.
Auch Gepäckstücke werden kontrolliert.
Eine weitere, weniger bekannte Regel: Große Taschen sind bei Galavorführungen verboten. Tragetaschen, Rucksäcke und sperrige Gegenstände sind in den Kinosälen nicht erlaubt. Eine Garderobe in der Nähe des Veranstaltungsortes ermöglicht es Ihnen jedoch, Ihre Sachen abzugeben und sich so freier zu bewegen. Diese Regel erklärt die fast allgegenwärtige Präsenz kleiner, eleganter Clutches auf dem roten Teppich in Cannes.
Eine Ausgabe von 2026 in Fortsetzung
Für die Filmfestspiele von Cannes 2026, die vom 12. bis 23. Mai im Palais des Festivals stattfinden, bleiben diese Regeln bestehen. Trotz jährlicher Anpassungen und Diskussionen bleibt der allgemeine Rahmen unverändert. Die Festivalteams wenden diese Richtlinien weiterhin konsequent an, unabhängig vom Bekanntheitsgrad der Gäste. Das Ziel bleibt dasselbe: die einzigartige Identität der Veranstaltung zu bewahren.
Letztlich schafft das Filmfestival von Cannes ein besonderes Gleichgewicht: künstlerische Freiheit bei den Kreationen, aber einen strengen Rahmen für deren Präsentation. Diese Disziplin ist integraler Bestandteil des Mythos vom roten Teppich, wo jeder Auftritt zu einer wahren Stilsprache wird.
