Laut gängigen Klischees fühlen sich Frauen ohne Partner leer, während Männer selbstständig und mit ihren Freunden (und ein paar Bier) vollkommen zufrieden sind. Eine aktuelle Studie hat dieses überholte Klischee jedoch widerlegt. Männer, aufgepasst! Frauen kommen mit dem Single-Dasein besser zurecht als Männer und genießen diesen Beziehungsstatus in vollen Zügen.
Alleinstehende Frauen sollen zufriedener mit ihrem Leben sein.
In der kollektiven Vorstellung träumen Frauen von ewiger Liebe, Ehe und gemeinsamen Projekten. Männer hingegen fühlen sich in ihrer Unabhängigkeit wohler und gehen in ihrer Karriere oder ihren Abenteuern auf.
Diese Ansicht hält einer kritischen Prüfung jedoch nicht stand. Eine aktuelle Studie hat diese tief verwurzelten Stereotype widerlegt: Alleinstehende Frauen sind im Durchschnitt zufriedener mit ihrer Situation als Männer. Dieses Ergebnis regt uns dazu an, unsere Sicht auf das Single-Leben zu überdenken.
Diese Erkenntnisse stammen aus einer Studie der Psychologen Elaine Hoan und Geoff MacDonald von der Universität Toronto. Die in der Fachzeitschrift „Social Psychological and Personality Science“ veröffentlichteStudie untersuchte das Wohlbefinden von Singles.
Forscher analysierten Daten von fast 6.000 Personen aus zehn verschiedenen Studien. Die Teilnehmer, mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren, befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung nicht in einer Beziehung. Die Stichprobe umfasste eine nahezu gleiche Anzahl von Männern und Frauen sowie einige nicht-binäre Personen.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Bei nahezu allen untersuchten Indikatoren geben Frauen an, mit ihrem Single-Status zufriedener zu sein als Männer. Für sie ist das Single-Dasein kein Makel, geschweige denn ein Versagen, sondern vielmehr eine Chance zur Selbstreflexion.
Weiblicher Zölibat, ein Raum der Freiheit
Lange Zeit litten alleinstehende Frauen unter zahlreichen Stereotypen: dem der zänkischen, von ihren Katzen umgebenen Frau, der karriereorientierten Angestellten, der „alten Jungfer“. Als Anomalie in einer Gesellschaft betrachtet, die Glück mit Ehe und Familie gleichsetzt, hatte sie keinen guten Ruf.
Doch heute ist das Single-Dasein für Frauen weder ein Grund zur Scham noch eine Ausnahmeerscheinung. Es ist eine Zeit der Selbstfindung, der Selbstbehauptung, der Erkundung neuer Hobbys, des Verlassens der Komfortzone und der Selbsterkenntnis. Aus ihrer Sicht hat das Single-Leben beinahe eine spirituelle Dimension. Männer hingegen können das nicht von sich behaupten. Für sie ist das Single-Dasein eine stille Qual, und sie leiden sehr unter dieser Phase emotionaler Inaktivität.
Warum dieser Unterschied zwischen Männern und Frauen? Forscher stellen mehrere Hypothesen auf. Die erste betrifft soziale Netzwerke. Frauen pflegen oft mehr und tiefere soziale Beziehungen außerhalb romantischer Partnerschaften. Starke Freundschaften, familiäre Bindungen, Vertrauenskreise: Diese Verbindungen helfen ihnen, einige ihrer emotionalen und affektiven Bedürfnisse zu befriedigen.
In diesem Kontext ist eine Partnerschaft nicht mehr die einzige Quelle von Nähe und Geborgenheit. Daher wird das Single-Dasein nicht als Isolation, sondern als eine weitere Möglichkeit der Gestaltung des sozialen Lebens betrachtet.
Ein weiterer genannter Faktor ist, dass heterosexuelle Beziehungen nach wie vor von Ungleichgewichten geprägt sind. In vielen Partnerschaften tragen Frauen weiterhin einen Großteil der Hausarbeit und der mentalen Belastung. Diese Realität kann das Zusammenleben weniger attraktiv machen, als man vielleicht annehmen würde.
Männliche Enthaltsamkeit, eine diskretere Herausforderung
Bei Männern scheint die Situation anders zu sein. Forscher weisen darauf hin, dass viele von ihnen ihre emotionalen Bedürfnisse stärker über romantische Beziehungen befriedigen. In manchen Fällen wird der Partner zur wichtigsten Quelle emotionaler Unterstützung. Fehlt diese Beziehung, können Einsamkeitsgefühle daher stärker ausgeprägt sein.
Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Männer unter dem Single-Dasein leiden oder dass alle Frauen darin aufblühen. Der allgemeine Trend offenbart jedoch einen interessanten Unterschied darin, wie jeder Mensch sein persönliches Gleichgewicht findet. Wenn Männer letztendlich mehr leiden, liegt es daran, dass eine Partnerschaft ihr einziger Raum für Selbstverwirklichung ist. Und das ist ein schweres Erbe des Patriarchats, das in dem Bestreben, starke Männer zu formen, Traumata verursacht hat.
Die eigentliche Lehre dieser Studie liegt vielleicht darin: Single zu sein ist kein Wartezimmer für die Liebe. Für viele ist es einfach eine von vielen Lebensweisen. Und Bridget Jones hat es als Erste bewiesen.
