Die 29-jährige italienische Tierärztin Eleonora Palmieri, die bei dem verheerenden Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana (Schweiz) am Silvesterabend schwere Verbrennungen im Gesicht und an den Händen erlitt, hat sich nun erstmals öffentlich geäußert. Aus der Verbrennungsstation in Cesena veröffentlichte sie kürzlich ein Video, das ihre Verletzungen zeigt und eine Botschaft der Dankbarkeit und Widerstandsfähigkeit übermittelt.
Nie zuvor gesehene Bilder einer Überlebenden
In Eleonoras kurzem Video, das viral ging, sieht man ungefiltert die von Flammen gezeichnete linke Gesichtshälfte, ihre bandagierten Hände. Anstatt die Spuren der Tragödie zu verbergen, zeigt sie sie ganz offen. „Es ist schwer anzusehen, ich weiß, aber es ist die Realität dessen, was Überlebende erleben“, schreibt sie.
In der Nacht zum 31. Dezember 2025 befand sie sich in der Bar Constellation, als das Feuer ausbrach. Vierzig Menschen starben, die Hälfte davon Minderjährige. Schwer verletzt wurde sie von ihrem Partner Filippo gerettet und anschließend von einem Schweizer Krankenhaus in eine Spezialklinik in Italien verlegt.
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Ein unverblümtes und würdevolles Zeugnis
Aus ihrem Krankenzimmer wendet sich Eleonora direkt an die Medien und ihre Follower. „Hinter jeder Schlagzeile stehen Menschen. Da sind Angst, Mut, die Kraft, die man findet, wenn man glaubt, keine mehr zu haben.“ Ihre einfache und direkte Botschaft unterstreicht die unsichtbare Gewalt, die Überlebende erleiden. Sie dankt allen, die sie unterstützt haben: ihrer Familie, ihrem Partner, den Ärzten und den Krankenschwestern. „Ich war nie allein, nicht einmal in den schlimmsten Momenten.“
Die Ärzte bezeichnen ihren Zustand mittlerweile als stabil, doch die körperlichen und psychischen Folgen werden noch lange nachwirken. In einem Interview mit La Repubblica schildert sie die höllische Erfahrung: „Überall Rauch, das Feuer lodert auf, es gibt kein Entkommen … dann der Überlebensinstinkt. Man hört auf zu denken, man kämpft sich einfach weiter vorwärts, oder man stirbt.“ Dieser direkte, schonungslose Bericht ist erschütternd und erinnert eindringlich an die absolute Brutalität jener Nacht.
Eine bewegende Hommage an die Verstorbenen
Neben ihrem eigenen Überleben denkt Eleonora auch an andere. „Ein Gedanke an die Engel, die nicht nach Hause zurückgekehrt sind“, schreibt sie in ihrem Video. Ihre Botschaft wird so zu einer Hommage an alle Opfer der Tragödie, zu einem Versuch, ihr Andenken zu bewahren. „Wir dürfen niemals aufhören, das Leben zu ehren“, betont sie.
Ihre Worte gewinnen in einem Kontext, in dem die Umstände der Tragödie – die Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen, die Verantwortung der Organisatoren – noch immer untersucht werden, besondere Bedeutung. Die junge Frau selbst weigert sich derzeit, sich zu diesen Aspekten zu äußern und konzentriert sich lieber darauf, ihr Leben wieder aufzubauen.
Eine öffentliche Erklärung, ein Symbol der Widerstandsfähigkeit
Indem Eleonora Palmieri ihre Verletzungen öffentlich machte, verwandelte sie ihren Schmerz in ein politisches, menschliches und universelles Statement. Sie erinnert uns daran, dass hinter jedem Todesfall Lebensgeschichten, trauernde Familien und verwundete Körper stehen. Ihr Handeln hat weit über Italien und die Schweiz hinaus eine Welle der Anteilnahme ausgelöst. In den Kommentaren treffen unzählige Unterstützungsbekundungen aus ganz Europa ein. Viele loben ihren Mut, aber auch ihre Weigerung, die Wahrheit zu verbergen.
Eine Tragödie, die in Crans-Montana noch immer präsent ist.
Während die Ermittlungen andauern und die Verantwortlichkeiten nach und nach geklärt werden, ist die Erinnerung an die Tragödie in Crans-Montana in der Schweiz weiterhin präsent. Das Feuer vom 1. Januar 2026 hinterließ eine trauernde Stadt, eine traumatisierte Gemeinde und rund hundert Verletzte, deren Zukunft noch ungewiss ist. Eleonora Palmieris Aussage mahnt an eine entscheidende Wahrheit: Überleben bedeutet auch, die Erinnerung an die Verstorbenen in sich zu tragen. Und selbst vom Krankenhausbett aus zu sprechen, ist bereits ein Akt des Widerstands.
Mit ihrem Mut und ihrer Offenheit verleiht Eleonora Palmieri einer Tragödie, die allzu oft auf bloße Statistiken reduziert wird, ein menschliches Antlitz. Ihr ergreifendes und würdevolles Zeugnis erinnert uns daran, dass Heilung nicht allein in Tagen des Krankenhausaufenthalts gemessen wird, sondern auch in innerer Stärke und Solidarität.
