Dank Fernsehserien in der Originalsprache, regelmäßigem Schulbesuch oder der doppelten Staatsbürgerschaft sprechen Sie zwei Sprachen fließend? Das ist nicht nur ein Pluspunkt im Lebenslauf, sondern auch eine wertvolle Hilfe im Alltag, besonders wenn Sie oft unentschlossen sind. Hier erfahren Sie, wie Sie diese Fähigkeit in eine innere Stärke verwandeln können.
In beiden Sprachen denken, eine Gewohnheit entwickeln
Wenn du während deines Sprachunterrichts weder geschlafen noch Blasrohre aus Stiften gebastelt hast, kennst du dich sicher gut aus und verfügst über einen Wortschatz, der weit über „Hallo“ und „Prost“ hinausgeht. Ob du Fremdsprachen in der Schule, über Netflix oder zu Hause gelernt hast – sie sind nicht nur für Reisen oder Bewerbungen nützlich. Zweisprachigkeit ist eine Qualität, die du in Vorstellungsgesprächen hervorheben oder bei passenden Gelegenheiten anwenden kannst. Und du musst nicht auf einen besonderen Anlass, eine zufällige Begegnung in einer Bar oder einen Job im internationalen Geschäft warten, um deine zweite Sprache zu sprechen.
Laut Fast Company beeinflusst Sprache direkt unser Denken. Im Französischen oder Spanischen sind viele Wörter geschlechtsspezifisch und stiften Verwirrung, anstatt das Denken zu vereinfachen. Daher lässt sich ein Problem nicht immer gleich lösen, je nachdem, in welcher Sprache man es angeht.
Wer nur seine Muttersprache spricht, merkt selten, wie sehr die verwendeten Worte das eigene Denken und die Interpretation der Realität prägen. Genau das zeigt Fast Company auf. Es ist wie ein zweischneidiges Schwert. Besitzt man einen inneren Übersetzer im Kopf und kann mühelos zwischen den Sprachen wechseln, lassen sich Interpretationen leicht verändern und neue Perspektiven gewinnen.
Ein einfacher Trick, um Ihre Sichtweise zu ändern
Wenn Sie vor Dilemmata oder schwierigen Entscheidungen stehen, schalten Sie gedanklich auf Ihre Zweitsprache um, genau wie Sie es in den Netflix-Einstellungen tun. Fernsehserien und Filme sind hervorragende Beispiele, um die Wirkung von Übersetzungen zu verstehen.
Manchmal unterscheidet sich das Drehbuch von Sprache zu Sprache, indem es Details hinzufügt oder andere auslässt. Das gilt auch für übersetzte literarische Werke. Viele französische Leser empfanden Fredda McFaddens Bestsellerromane als „flach“ und „seelenlos“, während englischsprachige Leser sie mit Begeisterung verschlangen. Der Mechanismus ist ähnlich, wenn man Entscheidungen trifft oder einen Selbstgespräch führt.
In ihrem Buch „ Die Macht der Sprache “ untersucht die Kognitionswissenschaftlerin Viorica Marian, wie das Sprechen mehrerer Sprachen unser Denken beeinflusst. Ihre Forschung zeigt insbesondere, dass sich unser Denkvermögen je nach der verwendeten Sprache verändern kann. Das Denken in der Muttersprache führt tendenziell zu einer stärkeren emotionalen Auseinandersetzung, da in dieser Sprache unsere Erinnerungen, Gewohnheiten und emotionalen Reaktionen am tiefsten verwurzelt sind.
Umgekehrt erfordert das Denken in einer Fremdsprache zusätzlichen mentalen Aufwand: Situationen werden oft distanzierter und reflektierter analysiert. Daher werden Entscheidungen in einer Fremdsprache tendenziell weniger von Emotionen und stärker von rationaler Logik geleitet. Letztlich ist dies ein Weg, Emotionen auszublenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Ein hilfreicher Reflex, um einen Schritt zurückzutreten und über die eigenen Entscheidungen nachzudenken.
Bei einer Trennung, einem Berufswechsel, einem Familienstreit oder auch nur einer einfachen Nachricht, auf die man keine passende Antwort weiß, kann der Sprachwechsel eine hilfreiche mentale Strategie sein. Nicht um das Denken weiter zu verkomplizieren, sondern um es zu klären.
Das Denken in der Zweitsprache wirkt wie ein Filter. Erinnerungen, emotionale Automatismen und impulsive Reflexe sind oft weniger aufgeladen. Man betrachtet die Situation mit etwas mehr Distanz, als sähe man das Problem aus einem anderen Blickwinkel. Das heißt nicht, dass man Intuition verdrängen oder seine Gefühle unterdrücken sollte. Sie spielen natürlich eine Rolle bei unseren Entscheidungen, aber wenn man zum Grübeln, Katastrophisieren oder zur Angst vor Reue neigt, kann der gedankliche Wechsel in eine andere Sprache helfen, die innere Unruhe zu beruhigen.
In der Praxis kann das so einfach sein, wie sich selbst eine Frage in der Zweitsprache zu stellen: „Was will ich eigentlich?“ , „Ist das wirklich eine schlechte Idee?“ oder „Was wäre die vernünftigste Option?“ . Manche Menschen führen sogar ein zweisprachiges Tagebuch und wechseln die Sprachen je nach Stimmung oder Art ihrer Sorgen.
Mehrsprachigkeit beschränkt sich nicht nur darauf, im Ausland Kaffee zu bestellen oder einen Job zu finden. Sie kann auch ein subtiler, aber wirkungsvoller Weg sein, das eigene Denken zu verfeinern, Annahmen zu hinterfragen und manchmal Entscheidungen zu treffen, die besser zu den eigenen Wünschen passen.
