Sie feiert ihr sichtbares Muttermal und verändert damit die Art und Weise, wie andere sie sehen.

Ein Muttermal ist ein Markenzeichen, ein Ausdruck unserer Identität. Es schmückt den Körper wie ein persönlicher Stempel. Manche Menschen haben kaum sichtbare Muttermale oder solche an Körperstellen, die nur enge Freunde und Familie sehen. Andere haben Vertiefungen in der Haut, auffälligere dermatologische Varianten. Die Content-Creatorin @lise_favre hat jedoch einen angeborenen Nävus. Der wissenschaftliche Name dafür ist ein bräunlicher, behaarter Fleck.

In der Kindheit ein Magnet für Spott.

Es gibt so viele Arten von Muttermalen wie Menschen. Manche verschmelzen mit Schönheitsflecken, andere erwecken den Eindruck, als hätte man sich mit der Haut Wein abgewischt, und wieder andere wirken architektonisch, wie abstrakte Kunst oder Kinderkritzeleien. Manche, an Stellen, die man nicht zeigen möchte, bleiben verborgen, im Schatten des Gewebes. Die Content-Creatorin @lise_favre konnte sich mit ihrem Muttermal mitten auf der Hand jedoch nicht auf solche Diskretion berufen. Solange sie nicht das ganze Jahr über Handschuhe trug, konnte sie die Existenz dieses Zeichens des Schicksals kaum leugnen.

Sie hat etwas, das Dermatologen üblicherweise als angeborenen Nävus bezeichnen. Auch wenn dieser Begriff etwas barbarisch klingt, handelt es sich dabei um ein besonders großes Muttermal, das gleichzeitig als Nährboden für Haare dient. Manchmal ist es so klein wie eine Erbse, manchmal kann es aber auch einen großen Teil des Körpers wie ein entpigmentierter Wandteppich bedecken. Und obwohl dieses Merkmal zu ihr gehört, hofft Lise schon lange, dass es kleiner wird oder von ihrer Hand verschwindet.

Während ihrer gesamten Kindheit verglichen ihre Klassenkameraden mit ihrem kindlichen, aber bissigen Humor das Muttermal mit „Kotresten“ und zögerten nicht, Ekel vor dem vorzutäuschen, was in Wirklichkeit ein genetisches Merkmal war. In den Augen ihrer Mitschüler, die nicht weniger gnadenlos waren, gab es nur Abscheu. Ihr Muttermal machte sie zur Außenseiterin der Schule, da sie beschuldigt wurde, sich nicht zu waschen oder schmutzig zu sein. Nach dieser Welle des Spottes nisteten sich Unsicherheiten in ihrer Hand ein, die durch dieses natürliche Merkmal definiert wurde, das sie zu hassen gelernt hatte.

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Ein Satz, der seine Perspektive veränderte

Nach unzähligen Kritiken wurde dieses Muttermal schließlich zu einer Quelle des Leidens, mehr als nur ein natürlicher Bestandteil ihres Lebens. Anstatt friedlich mit diesem Nävus zu leben, lehnte Lise ihn vehement ab und wünschte sich schon lange, ihn entfernen zu lassen. Für sie war dieses mit langen schwarzen Haaren bedeckte Mal nichts als eine Quelle des Ärgers, ja sogar eine Strafe des Himmels. Obwohl ihr Muttermal nur wenige Quadratzentimeter ihrer Haut bedeckte, hatte es im Spiegel enorme Ausmaße angenommen.

Was sie als anatomischen Makel betrachtete, der korrigiert werden sollte, hatte in den Augen ihrer Handball-Teamkollegin eine ganz andere Bedeutung. Es war diese Freundin, die sie besuchte und ihr die Besonderheit bewusst machte. Mit gesunder Neugier fragte sie sie nach dem Fleck, der deutlich an der Flugbahn des Balls zu erkennen war.

Lise, die mit einer weiteren ablehnenden Reaktion gerechnet hatte, war von Sofias Sichtweise angenehm überrascht und bedankte sich überschwänglich. „Du wirkst dadurch so einzigartig, so etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist unglaublich originell“, gestand sie voller Freundlichkeit. Diese Aussage stärkte Sofias Selbstwertgefühl nachhaltig.

Die Moral von der Geschichte: Was uns einzigartig macht, ist nicht seltsam.

Auch wenn die Meinungen anderer nicht unser Denken bestimmen sollten, war dieses aufrichtige Kompliment nach Jahren der Misshandlung wie eine Befreiung. Ein Neuanfang. „Eigentlich ist alles eine Frage der Wahrnehmung“, bemerkt die Content-Erstellerin. Wenn Kinder in ihrer „Warum?“-Phase sie fragen, was sie an der Hand hat, versteckt sie ihre Arme nicht mehr hinter dem Rücken. Sie versucht auch nicht mehr, es herunterzuspielen. Selbstbewusst antwortet sie : „Das ist ein Muttermal, und es ist groß, weil ich sehr, sehr schön bin.“

Wörtliche Übersetzung: Wenn uns die Gesellschaft glauben lässt, dass Andersartigkeit unnormal oder Einzigartigkeit grotesk oder problematisch sei, so sind diese Besonderheiten in Wirklichkeit unsere wertvollsten Gaben. Denn je seltener ein Schmuckstück ist, desto wertvoller ist es, und je begehrter es ist, desto höher steigt sein Wert. Warum sollte das nicht auch für die einzigartigen kleinen Details des menschlichen Körpers gelten? Ob ein Muttermal mit einer markanten Form, eine Narbe oder dunkle Augenringe … all diese Details machen uns einzigartig und tragen zu unserer visuellen Identität bei.

Menschen werden nicht geboren, um Klone zu werden oder streng einheitlichen ästhetischen Richtlinien zu folgen. Sie sind so programmiert, dass sie keine Ebenbürtigen haben.

Émilie Laurent
Émilie Laurent
Als Wortkünstlerin jongliere ich täglich mit Stilmitteln und perfektioniere die Kunst feministischer Pointen. Mein leicht romantischer Schreibstil hält in meinen Artikeln so manche fesselnde Überraschung für Sie bereit. Ich liebe es, komplexe Themen zu entschlüsseln, ganz wie ein moderner Sherlock Holmes. Geschlechterminderheiten, Gleichberechtigung, Körpervielfalt … Als Journalistin am Puls der Zeit stürze ich mich kopfüber in Themen, die Debatten entfachen. Ich bin ein Workaholic, und meine Tastatur wird ständig auf die Probe gestellt.

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