Mit knapp 30 sollte man eigentlich voller Energie sein … und doch fühlen sich viele Angehörige der Generation Z bereits ausgelaugt. Mentale Erschöpfung, berufliche Desillusionierung und die Sehnsucht nach etwas anderem: Das traditionelle Gehaltsmodell hat seinen Reiz verloren. Eine Analyse dieser generationsbedingten Unzufriedenheit offenbart viel über unser Verhältnis zur Arbeit.
Eine frühzeitig einsetzende Müdigkeit, die Körper und Geist gleichermaßen beeinträchtigt.
Die Generation Z tritt mit einem mitunter übertriebenen Bewusstsein ins Berufsleben ein. Während ihre Eltern sich einfach damit abfanden, die Zeit zu genießen, sind diese jungen Erwachsenen viel sensibler für ihre körperlichen und seelischen Grenzen. Und ihr Körper spricht Bände: chronischer Stress, ständige mentale Anspannung, ein Gefühl der Erschöpfung, bevor die Arbeit überhaupt richtig begonnen hat.
Die Zahlen sprechen für sich . Fast jeder zweite junge Mensch gibt an, ständig gestresst zu sein, und der Beruf steht ganz oben auf der Liste der Stressfaktoren. Lange Arbeitszeiten, Leistungsdruck, mangelnde Anerkennung: Der Berufsalltag wird oft als Belastung und nicht als Raum für persönliche Weiterentwicklung empfunden. Hinzu kommt die anhaltende Unsicherheit des Arbeitsplatzes, die es schwierig macht, unbesorgt in die Zukunft zu blicken. Die Folge: Erschöpfung wird strukturell verankert, fast schon zur Normalität.
Burnout-Ausdruck und Verweigerung von Verschleiß
Auffällig ist die Geschwindigkeit. Burnout tritt nicht mehr erst nach 15 Jahren Berufserfahrung auf, sondern manchmal schon in den ersten Arbeitsjahren. Angesichts dieser beschleunigten Abnutzung gibt die Generation Z nicht auf. Sie setzt lieber auf Schutz als auf Opfer.
Die Ablehnung von hundertprozentiger Präsenzarbeit verdeutlicht diese Haltung. Eine große Mehrheit junger Menschen gibt an, bereit zu sein, ihren Job zu kündigen, wenn sie einem starren System unterworfen werden, das ihrer psychischen Gesundheit zuwiderläuft. Dies zeugt nicht von mangelndem Arbeitswillen, sondern vom klaren Wunsch, ihr eigenes Arbeitstempo, ihre Work-Life-Balance und ihr allgemeines Wohlbefinden zu respektieren.
Stiller Ausstieg: Grenzen setzen, ohne Schuldgefühle
In diesem Kontext entstand das Konzept des „stillen Ausstiegs“. Anders als oft angenommen, geht es dabei nicht um Faulheit, sondern um eine Neuorientierung. Die Arbeit erledigen, ja. Sich übermäßig anzupassen, sich selbst zu vernachlässigen, sich für ein Unternehmen aufzuopfern, das nichts zurückgibt, nein. Diese Distanzierung von übermäßigem Einsatz ist eine direkte Reaktion auf die als toxisch empfundene Leistungskultur und Managementpraktiken. Für viele junge Menschen wird das Arbeiten ohne Selbstaufopferung zu einem Akt des Respekts vor sich selbst, ihrem Körper und ihrer psychischen Gesundheit. Eine Form der Körper- und Geistesverträglichkeit, angewendet auf die Berufswelt.
Aufbrechen, um sich selbst wiederzufinden: neue Wege
Seit der Pandemie haben freiwillige Ausstiege sprunghaft zugenommen. Freiberufliche Tätigkeiten, Karrierewechsel, bewusste Auszeiten: Die Generation Z erkundet neue Wege. Sinnfindung ist zum zentralen Kompass geworden. Für einen Großteil der jungen Berufstätigen ist es heute undenkbar, für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen soziale oder ökologische Werte mit ihren eigenen kollidieren.
Wenn der Sinn verschwindet, folgt Resignation. Manchmal diskret, manchmal spektakulär. Das Phänomen des „lauten Aufgebens“, dieser geräuschvollen und trotzigen Abschiede, spiegelt Wut wider, aber auch das Bedürfnis nach tieferer Kohärenz. Arbeiten, ja, aber nicht um jeden Preis.
Flexibilität, eine wesentliche Voraussetzung für das Gleichgewicht
Remote-Arbeit, Vier-Tage-Woche, flexible Arbeitszeiten: Für die Generation Z ist Flexibilität keine Option, sondern selbstverständlich. Die Kontrolle über ihre Zeit ermöglicht es ihnen, ihre körperlichen Bedürfnisse, ihr Energieniveau und ihr Privatleben zu berücksichtigen. Diese Kontrolle gilt als unerlässlich für eine gesunde und nachhaltige Work-Life-Balance.
Angesichts dessen wirkt ein starres Management überholt, ja sogar befremdlich. Die in den sozialen Medien kursierenden Videos von Mitarbeitern, die freiwillig kündigen, sind lediglich der sichtbare Ausdruck einer tiefen Ablehnung autoritärer Führungsmodelle.
Eine große Herausforderung für Unternehmen
Um die Generation Z zu gewinnen und zu binden, müssen sich Unternehmen verändern. Gezielter Urlaub für die psychische Gesundheit, wertschätzende Führung, echtes Zuhören, Anerkennung und die Förderung persönlicher Projekte: Diese Hebel sind nicht länger zweitrangig.
Kurz gesagt, die Generation Z sucht nicht nur ein Gehalt, sondern ein Berufsleben, das ihren Werten entspricht und Körper und Geist gleichermaßen respektiert. Ohne eine rasche Anpassung riskiert die traditionelle Arbeitswelt, eine ganze Generation von Talenten zu verlieren, die sich nicht mehr für den Lebensunterhalt verausgaben wollen.
